ULT Ramen: In den Ramen gefallen

ULT Ramen lässt einen kurz orientierungslos. Ein langer Flur, dunkelgrüne und lilafarbene Wände. Keine Musik ist zu hören, nur das Gemurmel der Gäste und Löffel, die an Schüsseln schlagen. Ab und zu kläfft ein unsichtbarer Hund (oder bildet man sich das ein?). Man ist an einem Zwischenort gelandet, doch das ULT Ramen nimmt den Gast an die Hand und erklärt sich selbst: Im Menü und an den Wänden sind Zeichnungen zu finden, welche die Zutaten der einzelnen Gerichte entschlüsseln. Gemalt an die Wand: Eine Roboterfigur, die in der Ramenbrühe schwimmt. Es ist Ultraman, der Held einer japanischen Anime-Serie und Namensgeber des Restaurants. Ultra stark, ultra scharf, ULT Ramen.

Einmal Ultraman am Stiel, bitte.

Im Oktober 2018 übernahm Chonglim Choi ULT Ramen und änderte von der Einrichtung nicht viel, verfeinerte jedoch das Ramenrezept. Das Menü ist übersichtlich, was eine Entscheidung leichter macht. Zum Ramenessen ist man hier, Ramen werden gegessen. Es gibt vegetarische und nicht vegetarische Varianten, jeweils in einer scharfen und einer milden Version. Auf zaghaftes Nachfragen bringt Chois Tochter auch irgendwas dazwischen, scharf genug, um zu wärmen, jedoch ohne die schüchternen Geschmacksnerven zu betäuben. Die gebrachte Nudelsuppe sieht aus wie ein Unterwassergarten. Auf dem Löffel thront ein Ei, das später weich auf der Zunge zerlaufen wird. Algen schlängeln sich um Reisnudeln herum und man versucht sie mit Löffel und Stäbchen zu fangen. Die Ramen-Suppe schmeckt nach vielem auf einmal, salzig und würzig und knackig und weich und vor allem: verdammt gut. Als Vorspeise wird Onigiri gewählt, leckere Dreiecke aus weichem klebrigen Reis, in dem sich Kimchi, Thunfisch und Mayo oder Rindfleisch verstecken. Weitere Kleinigkeiten zum Einsteigen: Yakitori, gegrillte Chicken-Teriyaki-Spieße oder Edamame, vegetarische gesalzene Sojabohnen. Zu trinken gibt es Alkoholfreies, wärmenden und erfrischenden Tee, Schnaps oder japanisches und deutsches Bier. Die kleine Auswahl befindet sich auf einem Menü mit Holzstiel, von dessen Rückseite Ultraman lächelt. Einfach die Menümaske vors Gesicht halten und sich das Ultramangesicht klauen. So bestellt man schon viel selbstbewusster auch die scharfe Variante.

Zwischenräume in Hinterzimmern

Wagt man sich tiefer in das Restaurant hinein, eröffnen sich weitere Zwischenräume. Ein Zimmer mit langem leeren Tresen und üppigem Polsterrot führt in das Noka Korea. Ein großer Porzellanhund steht stolz in der Ecke und ein kleiner echter bellt aufgeregt. Wieder fragt man sich, wo man ist, hat Zeit- und Ortsgefühl verloren und ist in einem Film gelandet, in dem einem Ultraman am Tresen mit einem Schnapsglas voll Brühe zuprosten könnte. Aus dem letzten Zimmer kommen klagende Laute. Ein junger Mann sitzt alleine in einer gepolsterten Nische und singt auf Japanisch. Diskokugel und Lichterketten werfen bunte Farben in den Raum. Ein Musikvideo mit Text wird groß an die Leinwand projiziert. Es sind schrille Schnitte zwischen Autos und Frauen in gelben Kleidern. Ein weiterer Mann taucht aus den Tiefen des Raumes auf und stimmt mit ein. Jeden Abend ab 20 Uhr kann man hier japanische Karaoke singen, mit Freunden, alleine, in Nischen und vor der Leinwand. Oder man lugt vorsichtig aus dem Türrahmen in den Raum hinein und lauscht.

Naruto, der Charakter eines anderen japanischen Animes, liebt Ramen. Er isst sie mit vollem Körpereinsatz, links und rechts fliegen Essensstücke herum, er isst Schüssel um Schüssel leer. Danach ist er wieder gestärkt, um es mit den Herausforderungen seines Lebens aufzunehmen. So verlässt man auch das ULT Ramen. Das Blut rauscht durch den Körper. Der Bauch ist warm. Man ist gestärkt für alle Zwischenräume, die in den dunklen Berliner Winternächten auf einen warten.

Text/Fotos: Ariane Hussy

Foto: instagram/kruoramen

ULT Ramen
Schulstraße 29
13347 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag – Samstag von 18 – 22:30 Uhr

Webseiten:
Instagram
facebook


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