Lari und die Pausenmusik: Schnaps und Revolution

schnaps_coverFrüher hieß es: Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps. Doch so einfach liegen die Dinge heutzutage nicht mehr. „Liebe, Schnaps und Revolution“ heißt die zweite CD der Weddinger Band „Lari und die Pausenmusik“. Die Botschaft hinter den fünf Songs: Revolution ist wichtig, Liebe natürlich auch und Schnaps – trallalalala – gehört dazu. Macht ja sonst auch keinen Spaß. Zu hören sind „Lari und die Pausenmusik“ übrigens ganz demnächst im Wedding. Mehr dazu weiter hinten im Text.

Insgesamt 15 Minuten lang trifft auf dem neuesten Tonträger akkustische Gitarrenrockmusik auf die Reime des Liedermachers Franz-Joseph Wohlleben, der sich Lari nennt. Transportiert werden Musik und Reime von Laris Gitarre und Stimme, Konrad Kickdrums Percussion und Bass, Teds Gitarre und Judiths Stimme sowie den als Teufelshörnern bezeichneten Bläsern.

Gedanken zu den Songs

Song Nr. 1: Liebe, Schnaps & Revolution
Der Song, der der EP den Namen gab, ist beschwingt, geht ins Ohr und hat einen ausgeprägten Mitschwingfaktor. Toll sind die Percussions. Auf diesen Song beziehen sich die Musiker vermutlich in ihrem Booklet, wenn sie behaupten, die CD wäre „so Wedding wie noch nie!“ Denn ja, wer genau hinhört, kann den Begriff „Wedding“ heraus hören. Zu finden gleich bei den Tauben. Ansonsten muss es für Lokalromantiker reichen, dass die Musik eben aus dem Wedding kommt. Und das reicht ja eigentlich auch.

Song Nr. 2: Lebenslust
Da sind sie, die im Booklet angekündigten Teufelshörner! Teufelshörner, das sei angemerkt, gibt es eigentlich nicht; es gibt nur zwei Berge in den Berchtesgadener Alpen, die genau so heißen. Macht aber nun wirklich nichts. Die Bläser sind hier das Salz in der sonst etwas sehr kitschig anmutenden Songsuppe. Das Lied kommt mit großer Leichtigkeit daher und einem Text aus der Kategorie Trallala. Das klingt dann so: „Ich geh’ gern auf Partys und rette dort die Welt“. Trompete, Trallala, Trallala, Trompete. Gute Kombination eigentlich.

Song Nr. 3: Einmischen
Im nächsten Song geht es lustig trallala weiter. Mit viel Schwung kommt dieser freundliche Aufruf zu Engagement und Zivilcourage daher. „Egal was passiert, du kannst noch was verändern. Egal ob hier oder in fremden Ländern. Wer wenn nicht wir packt die Wahrheit auf den Tisch? Es ist wichtig, dass du dich einmischst!“ So klingt kein Kampflied. Der Song ist eher eine netter Vorschlag an den Weddinger im Lümmelsofa, das Bier kurz beiseite zu stellen und auf dem Smartphone zu checken, ob es morgen eine lohnenswerte Demo gibt. Lohnenswert meint hier: gegen Rechts und gegen Hass. Wirklich interessant wird der Song durch das Zutun von Flo von Zargenbruch. Anklagend klingen die französischen Worte, die sich in den Song geschmuggelt haben. Ein schöner Kontrast zum übrigen Gesang, der mehr so gefällig in den Ohren kitzelt.

Song Nr. 4: Die Flut
Nein, der Song hat nichts mit dem gleichnamigen Lied von Joachim Witt und Peter Heppner zu tun. Aber womit genau hat er was zu tun? Die Antwort darf man sich nach Hörgenuss gern selbst geben. Etwas rätselhaft und so leicht wie eine Feder in einem lauen Wind trudelt „Die Flut“ vom Tonträger ins Ohr des geneigten Zuhörers. Vor dem geistigen Auge stehen viere langbeinige Backgroundsängerinnen mit hochgeschlitzen Kleidern hinter Lari, echoen und klatschen rhythmisch mit, schwingen elegant die Hüften und tippeln schwungvoll vom einen auf den anderen Fuß. Genau so klingt das.

Song Nr. 5: Dieser Moment
Und jetzt zum Schluss noch mal nur mit Gitarre und Gesang: „Reisen, leben, Party-Time – immer auf der Suche nach dem nächsten Reim!“ Na dann, Prost!

Gedanken zum Cover

Auf dem Cover ist zu sehen, was der Titel der EP „Liebe, Schnaps und Revolution“ verspricht. Das Art-Work greift auf Eugene Celacroix „Die Freiheit führt das Volk“ zurück. Ein gläserner Flachmann und ein Kuss, der aus „Fackeln im Sturm“ oder „Vom Winde verweht“ entstammen könnte, zieren das Titelbild. Offenbar mag die Band es gern, wenn es durcheinander geht. Dann macht auch die Fraktur-Schrift Sinn. Oder wie es auf der eigenen Homepage heißt: „Wir spielen überall wo unsere Meinung und unser Humor erlaubt sind.“

Über die Band

Weddinger Liedermacher: Lari und die Pausenmusik. Foto Lari.
Weddinger Liedermacher bei der Fotosession an der Panke: Lari und die Pausenmusik. Foto: Ligia Paiva

Die Band wurde 2012 gegründet. Lari, der zwar noch jung ist, musste sich offenbar ein wenig vom Dasein als Solo-Musiker ausruhen. So gründete er die Band „zunächst als Pausenprojekt“, wie es in der Bandgeschichte heißt. Als Solo-Musiker hatte er unter dem Namen Das Larifari unter anderem die Alben „Wedding“ und „Wedding bleibt hart“ veröffentlicht. Zu Laris Mitstreitern gehören aktuell der Straßengitarrist Teds, der sonst in der S-Bahn unterwegs ist, Sängerin Judith Stefan und Konrad Kossak, der sich Konrad Kickdrum nennt.

Die Liste der deutschlandweiten Auftritte ist lang. Immer wieder tauchen im Konzertrückblick Soli-Konzerte, Konzerte auf einem Ostermarsch, im Flüchtlingsheim oder Anti-AfD-Konzerte auf. Das Debutalbum erschien im April 2014 und heißt nicht zufällig „Einmischen“. Musikmachen und Einmischen sind Lari wichtig. Er mischt sich ein, engagiert sich ehrenamtlich in der Bürgerplattform Wedding und in der katholischen Kirchengemeinde St. Josef St. Aloysius in der Müllerstraße. Hier probt die Band auch.

Kommende Auftritte im Wedding

Die 5. Weddinger Sprach- und Lesewoche wird am 2. September mit einer Gala im Centre Francais in der Müllerstraße eröffnet. Los geht es um 20 Uhr – auf der Bühne stehen auch „Lari und die Pausenmusik“. Wer den Termin verpasst, kann Lari am 11. September im Himmelbeet hören – beim „2 Tage Wedding-Kulturfestival“. Am 17. September um 20 Uhr sind „Lari und die Pausenmusik“ in der Nussbreite zu erleben, bei der „Unser Kiez für Daniel!“-Wahlkampfabschluss-Party.

Links zum Thema

Text: Andrei Schnell und Dominique Hensel; Fotos: Ligia Paiva

1 Kommentar
  1. Diese Jungs sind einfach nur Klasse, Lari – dir gehört die Zukunft!!!

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: