(K)ein Wettbureau für die Prinzenallee

Das Wettbureau in der Prinzenallee. Foto: Charlotte Bolwin
Das Wettbureau in der Prinzenallee. Foto: Charlotte Bolwin

Es wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie ein Vorbote des Weddings, von dem alle künden: Ein hipper Wedding, vor dem sich mancher – mit Blick auf steigenden Mieten und das Schwinden des geliebten rauen Images –  fürchtet. Was ist es eigentlich, dieses „Wettbureau“ , das vor einem Jahr ganz nahe am Soldiner Kiez in der Prinzenallee 74 eröffnete?

Aus einer großzügigen Fensterfront blickt man auf das bunte Treiben der Prinzenallee, dem Herzen des östlichen Weddings: Der M27 hält direkt vor der Tür, gegenüber staut sich der Verkehr an der Tankstelle, nebenan herrscht reges Treiben an der Dönerbude. Viele Menschen kommen vorbei. Und hier – unweit vom U-Bahnhof Pankstraße in der Prinzenallee Nr. 74 – gibt es nun das Wettbureau.

Das Wettbureau in der Prinzenallee. Foto: Charlotte BolwinWas früher tatsächlich ein Wettbüro gewesen ist, besticht heute nicht mehr durch Pferderennen, verrauchte Räume und Neonlicht. „Gemeinsam auf die Zukunft wetten“ lautet der Slogan des Wettbureaus, betrieben durch die Kommunikationsberatung Wigwam. Seit der Eröffnung vor knapp einem Jahr fanden im Wettbureau als Projektraum diverse Veranstaltungen statt, die meisten haben auch einen lokalen Bezug.

Das Wettbureau öffnet seine Türen in unregelmäßigen Abständen für verschiedene Aktivitäten, wobei gemeinnützige oder kreative Zwecke im Vordergrund stehen. Das Anliegen ist es dabei durchaus, dem Kiez etwas zu bieten – und zugleich etwas von ihm zu bekommen. Eine studentische Fotoausstellung, eine Schreibwerkstatt für Psychiatrie-Erfahrene und ein Kochabend mit Flüchtlingen sind Beispiele für Projekte, wie sie im Wettbureau bisher stattfanden.

Das Wettbureau in der Prinzenallee. Foto: Charlotte BolwinNebenbei hat das Gebäude in der Prinzenallee Nummer 74 durchaus historische Wurzeln: Wie auch die Fabrik Osloer Straße, die alte Zündholzmaschinenfabrik oder das ehemalige Umspannwerk ist es eines der alten Weddinger Industriehäuser, die um 1900 erbaut wurden. Das zum Wettbureau gehörende Hinterhaus, zu dem sich ein Abstecher lohnt, ist eine alte Fabrik. In ihr wurden früher Mützen hergestellt. Während des Nationalsozialismus erfolgte eine Übernahme der Fabrik zur Herstellung von Uniformen. Heute befinden sich hier Büro-Lofts – mit einer guten Aussicht über den Bezirk.

Ein Tipp für Neugierige und Anachronisten: Google Street-View zeigt noch die Fensterfront von der Sportsbar, dem Vorgänger, von dem das Wettbureau mit einem Augenzwinkern den Namen übernommen hat. Unter www.wettbureau.im finden sich weitere Informationen – und die Möglichkeit, die eigene Initiative anzumelden.

Der Beitrag wurde uns vom Kiezmagazin Soldiner zur Verfügung gestellt. Charlotte Bolwin hat den Text geschrieben und die Fotos gemacht. Der Beitrag erschien in der Dezember-Ausgabe “Ein Blick in den Kiez”.

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