Jülicher Straße: Die Um-Leid-ung

Anwohnerprotester Bösebrücke (C) BürgerinitiativeEinige Straßen in Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg verändern sich. Ihr Kopfsteinpflaster sind sie schon los, ab Juni wird es auch noch laut. Dann wird an der Bösebrücke an der Bornholmer Straße gebaut, der Verkehr durch Wohngebiete umgeleitet. Anwohner fordern jetzt vehement ein Mitspracherecht bei der Planung.

Im Juni 2015 beginnen an der Bösebrücke an der Bornholmer Straße umfassende Sanierungsarbeiten. Dafür wird die „Bornholmer Brücke“ zwei Jahre lang für Autos nur noch von Ost nach West passierbar sein. Die täglich rund 10.000 Fahrer, die aus der anderen Richtung kommen, sollen eine Umleitung über die Jülicher, Behm- und Malmöer Straße nutzen. Vor allem auf der Prenzl’berger Seite der Brücke regt sich dagegen Protest.

Für die Anwohner ging der Ärger schon damit los, dass sie erst drei Tage vor der Asphaltierung der Malmöer Straße über die nötigen Umbauarbeiten informiert wurden. Mit einem Zettel an den Haustüren. Immerhin, die Bewohner der Jülicher Straße in Gesundbrunnen, die auch von der Umleitung betroffen sind, hätten ohne ihre Prenzl’berger Nachbarn erstmal gar nichts von der anstehenden Veränderung gewusst, erzählt Stefan Zimmermann, der die Bürgerinitiative mitgegründet hat.

Zwei Bezirke betroffen

Hostelo: Ecke Behmstraße/ Jülicher Straße
Jülicher Ecke Behmstraße in Gesundbrunnen

Dass die Umleitung durch zwei Bezirke führt, macht das Engagement nur schwieriger – schließlich haben Mitte und Pankow eigene Bezirksstadträte und Verwaltungen. Trotzdem: „Aus der Jülicher Straße soll sich niemand außen vor fühlen, sie sind herzlich eingeladen, bei der Initiative mitzumachen und sich einzubringen“, ruft Zimmermann auf. Die Interessen sind schließlich ähnlich und so heißt das Vorgehen jetzt auch „Bürgerinitiative Malmöer und Jülicher Straße“. Der größte Erfolg wäre es für die Anwohner, eine Umleitung durch ihre bisher ruhigen Wohngebiete zu verhindern. Sie schlagen für den Zeitraum der Sanierung den Bau einer Behelfsbrücke für die Bösebrücke vor und dass die aus Mitte kommenden Autos weiträumig über die Hauptverkehrsstraßen umgeleitet werden sollen. Wenn das nicht geht, wollen sie die Umleitung vor ihrer Tür wenigstens mitgestalten. Es geht um Lärmschutz, erhöhte Schadstoffwerte, vor allem aber um die Sicherheit.

„Die vielen Kinder hier kennen ihre Straße nicht als viel befahrene Gegend“, erklärt Zimmermann, der in der Malmöer Straße wohnt. Sie sind also auf dem Weg zur Bornholmer Grundschule, zur Pfefferwerk-Sporthalle und dem Spielplatz besonders gefährdet. Darum lauten die Forderungen der Bürgerinitiative: ein Tempolimit von 30 km/h, eine einspurige Verkehrsführung und Schutz vor LKW, eine Beschleunigung der Brückensanierung und eine gesonderte Gestaltung des Schienenersatzverkehrs. Weil ihre Vorschläge bisher nicht von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt berücksichtigt werden, gingen die Anwohner des Nordischen Viertels in Prenzlauer Berg und die Nachbarn aus dem Wedding am 9. Mai auch auf die Straße.

Wie viel Zeit ihnen für ihr Engagement bleibt, wissen sie selbst nicht, doch wenigstens haben sie schon erreicht, dass die Senatsverwaltung Informationen über die geplanten Maßnahmen offenlegt. „Bisher sind einige Verantwortliche zwar sehr zugänglich, aber alle reden an unseren Fragen vorbei“, das musste Zimmermann seit der Gründung der Initiative feststellen. Ob sich an der Handhabung der geplanten Baumaßnahmen etwas ändern wird? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, lächelt Zimmermann.

Mehr Infos: Internetpräsenz der Initiative

Infos auf der Seite der Senatsverwaltung

Autor: Julia Wernicke, QIEZ.de

Dieser Beitrag erschien in anderer Form bei unserem Kooperationspartner Qiez.de

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