„PANKE“ und „Quinoa“: Neues Leben im Hinterhof

Foto: PANKE e.V.
Foto: PANKE e.V.

Versteckt im fünften Hinterhof der Gerichtstr. 23 findet der hartnäckige Entdecker die „geheimen“ Räumlichkeiten von Panke e.V. Vor zwei Jahren öffnete das Kulturzentrum und ist seitdem eine Oase für Künstler, Musiker und Feierlustige im Wedding. Der Weddingweiser möchte mehr darüber erfahren und wagt sich in die geheimnisvoll in grünes Platinenlicht gehüllten Räume. Justas, Erika und Claudia, die Gründer von Panke e.V. und dem dazugehörigen neuen Bistro, Quinoa, erzählen von ihren Ideen…

WW: Justas, Erika, ihr seid aus Litauen, ja? Wieso seid ihr in den Wedding gezogen, und wie seid ihr dazu gekommen, Panke e.V. zu gründen?

Justas: Wir sind nach unserem Bachelorabschluss nach Berlin gekommen, um Deutsch zu lernen und hier unsere Master zu machen… und dann haben wir diese Räume gefunden!! Sie standen über 60 Jahre lang leer und waren einfach perfekt. Wir mussten aber über ein Jahr lang renovieren, bevor wir öffnen konnten.
Erika: Es war wirklich ein Unfall oder so. Wir fanden die Räume hier und hatten einfach so viele Ideen. Zuerst dachten wir einfach, dies sei die perfekte Umgebung für Musik und Kunst. Dann wollten wir auch noch ein nettes, gemütliches Café, denn solche Orte sind selten im Wedding. Wir wollten einfach einen Platz für alle möglichen Gelegenheiten.
WW: Wenn ihr diese Ideen mit Panke e.V. heute vergleicht, seht ihr eure Visionen von damals verwirklicht?
Erika: Wir haben definitiv Platz für alle möglichen Unternehmungen, wie Konzerte, regelmäßige Parties, Ausstellungen, Installationen, Workshops, Performances und so weiter, ja…

Justas: Ja, und wir wollten ein schönes, gemütliches Café und Platz für Künstler, und genau das haben wir auch geschafft.

WW: War es schwierig, Panke e.V. im Wedding zu eröffnen? Wie seid ihr mit der ganzen deutschen Bürokratie klargekommen?
Erika: Oh, das war gar nicht so schlimm… Wir haben eigentlich gar nicht versucht, über die ganzen Vorschriften zu disktieren, weil wor es gar nicht konnten – wir haben einfach das gemacht, was uns gesagt wurde. Somit sind wir wahrscheinlich Berlins sicherster Club… (lacht)
WW: Ihr seid nun schon seit drei Jahren hier. Was hat sich in dieser Zeit im Wedding verändert?
Justas: Ich sage dir jetzt was, das du nirgendwo anders lesen oder hören wirst: Es gibt hier eigentlich kein Gentrifizierungsproblem! Es hat sich gar nicht so sehr verändert. Ja, es kommen immer mehr Leute in den Wedding, aber viele Touristen sind hier immer noch nicht. Es sind immer noch die gleichen Leute…
WW: Was wisst ihr eigentlich über die anderen Parteien hier in der Gerichtstr. 23? Hier gibt es ja ganz viele verschiedene Gruppen, habt ihr mit denen auch etwas zu tun?
Erika: Ja, da gibt es zum Beispiel Tangoloft, und die Galerie… Oh, und drüben soll im dritten Stock bald ein Club aufmachen. Wir sind Nachbarn, also treffen wir uns natürlich immer wieder mal, und man hilft einander, hängt Plakate auf und so weiter… Es ist immer toll, wenn jemand was Neues im Wedding machen will, also helfen wir uns gegenseitig.

Photo: PANKE e.V.
Photo: PANKE e.V.

WW: Claudia, “Quinoa” ist das neue Familienmitglied von Panke. Ein vegetarisches Bistro im Wedding, wie klappt das denn?
Claudia: Oh, wir haben das Bistro gerade vor einem Monat gestartet, und bis jetzt läuft es gut. Ein veganes oder vegetarisches Restaurant ist immer eine Herausforderung, aber es ist auch spannend. Wir haben sogar schon ein paar Leute, die regelmäßig hierher kommen. Im Wedding gibt es nicht so viele Optionen für Vegetarier und Veganer, also füllen wir hier eine Lücke.
WW: Wie kommst du dazu, ein vegetarisches Bistro im Wedding zu führen?
Claudia: Ich komme aus Italien, und bin vor ein paar Jahren nach Berlin gekommen. Ich habe hier damit angefangen, Abendessen an zufällig ausgewählten Orten zu organisieren, mit immer neuen Leuten. Ich wollte einfach Leute zusammenbringen. Dann habe ich ein Restaurant in Kreuzberg eröffnet. Ein Freund hat mich Erika und Justus vorgestellt und es hat alles geklappt – jetzt ist Quinoa mein neues Baby. Ich bin seit sechs Monaten vegan, und das verändert dich. Ich war daran gewöhnt, mit Fleisch und Fisch zu koche, also ist jetzt alles neu und aufregend für mich.
WW: Was können wir in Zukunft von Quinoa erwarten?
Claudia: Da ist zum natürlich das Bistro mit wechselnden veganen und vegetarischen Gerichten, aber dann wird es auch Veranstaltungen vie Performance-Dinners geben. Wir wollen auch gerne einen Markt hier haben, wo lokal produzierte Produkte verkauft werden können. Wir wollen die Leute und Bauern aus der Region einladen und träumen davon, einen Platz zum gegenseitigen Austausch zu schaffen.

WW: Eine letzte Frage: Was sind eure Zukunftspläne für Panke e.V.?
Erika: Wir wollen groß rauskommen! (lacht) Wir sind so gut wie fertig damit, die Räume umzugestalten – naja, ganz fertig werden wir nie werden, aber wir sind auf dem besten Weg. Jetzt können wir in neue Projekte investieren und wachsen. Dafür müssen wir mehr planen, was jetzt, wo wir Erfahrung haben, einfacher wird. Wir brauchen auch noch mehr Hilfe, denn im Moment machen wir hier alles, und das ist wahnsinnig anstrengend. Aber wir haben große Ideen und Pläne, und wir wollen Panke größer werden lassen…

Das Interview führte Daniela Hombach.
Regelmäßige Veranstaltungen:
Bass auf die Muetze – Jam session, mittwochs; 8bit Bar – jeden ersten Donnerstag; Scope Session – jeden zweiten Donnerstag; UKIYO-E Panke Cinema – jeden dritten Donnerstag; CitizenKino – jeden vierten Donnerstag; Support your local ghetto – jeden letzten Freitag im Monat; Wedding Soul – jeden dritten Samstag im Montag

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Der Weg zur PANKE als Video

7 comments

  1. Pingback: Donnerstag ist Veggie-Day im Moritz | Weddingweiser
  2. Pat

    „Veganer essen den Ärmsten der Ärmsten in Entwicklungsgbeiten ihr Essen weg (siehe Quinoa). Das ist assozial.“

    „Assozial“. Na klar. Zu den Ärmsten der Ärmen gehören v.a. auch die geistig Armen. Auch außerhalb der Entwicklungs-„gebeite“ (whatever that means).
    Honi soit qui mal y pense.

  3. Fanny

    Absolut typisch: Die Leute, die Gentrifizierer SIND, merken es nicht einmal und können mit der Frage danach logischwerweise nichts anfanagen. Warum gehen die nicht einfach wieder weg, wenn sie einen Deutschkurs gemacht haben? Schön, Wedding hat jetzt ein neues Kulturzentrum und Café – aber zu welchem Preis? Neue werden folgen, weil es plötzlich attraktiv, interessant, teilweise noch preiswert (…) ist. Der Bezirk verändert sich, wird aufgwertet. Nach der Komplett-Umgestaltung (siehe Prenzlauer Berg) ist es so langweilig und glattgebügelt, wie Dudenhausen.
    Und: Veganer essen den Ärmsten der Ärmsten in Entwicklungsgbeiten ihr Essen weg (siehe Quinoa). Das ist assozial.

  4. hans boekhorst

    lieber justas, ich mag euch, mir geht diese ganze sogenannte gentrificierungsdebatte so was von auf den nerven. und leider ich denke ich muss dich korrigieren, es sind ganz, ganz andere leute im wedding..
    aber das kannst du nicht wissen, die sog. gentrificierung setzt mehr oder weniger gleich nach der wende ein. wedding war damals ein ganz anderer bezirk als er heute ist. beispiel: ich wohnte 1993 in der reinickendorferstraße, meinte tochter lernte sprechen, ihre ersten worte, in dieser reihenfolge: papa, mama und hundescheiße! warum? immer beim aussteigen aus m auto: „pass auf hannah, hundescheiße“ die straßen waren geplastert mit kot, nur die mülleimer waren leer sonst lag alles voller dreck, wenn du aus´m fenster geguckt hast, hast du einen besoffenen oder einen zugedröhnten gesehen, junkies auf´m schulhof die inmitten von den spielenden kindern, sich ihre nächste spritze setzen. ich könnte weitermachen, aber glaube das reicht. gentrificierungsgegner sind menschen, die danach gekommen sind, berliner sind tolerant und nehmen jeden neuen in ihrer mitte auf, ja auch schwaben ;).
    berlin ist dazu verdammt immer zu werden und nie zu sein (nicht von mir), veränderung ist die einzige konstante in der geschichte der stadt, wer das nicht mag, sollte vielleicht auch nicht hier wohnen oder sich dafür einsetzen, dass eine mauer um den wedding gebaut wird und zuzug nur mit 3te generation sozialhilfe bescheid oder migrationshintergrund aus schwellen- oder drittweltländer bescheid gewährt wird. kontoliert wird das dann von ausrangierte blockwarte aus´m osten. o ja, ich ziehe dann nach moabit, wenn es soweit ist….

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: