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Strandbad Plötzensee

Weddinger Badestrand ab 1. Mai geöffnet:
Strandbad Plötzensee startet in die Saison

Zwischen Sommerort, sozialer Verantwortung und Naturschutz

Der Plötzensee ist einer der Orte im Wedding, an denen sich die Stadt nach Ferien anfühlt: Sand unter den Füßen, Wasser vor der Nase, Bäume im Rücken. Das 100 Jahre alte Strandbad am Nordufer ist kein klassisches Freibad mit gekacheltem Becken, sondern ein Naturbad am See – mit Sandstrand, Liegewiesen, Sportangeboten und FKK-Bereich.

Die Preisgestaltung bleibt weiterhin ein heißes Thema, Florian Heep vom Betreiberteam kennt die Kritik. Allerdings muss das Strandbad ohne öffentliche Zuschüsse betrieben werden. Gelände, Personal, Sicherheit, Pflege, Sand, Gebäude, Bepflanzung und Infrastruktur müssten aus dem laufenden Betrieb finanziert werden. Trotzdem dürfen Gäste hier – im Gegensatz zu vielen anderen Bädern – ihre Verpflegung noch selbst mitbringen und Rabatte wie der Familientarif bleiben bestehen. „Wir geben weiterhin unser Bestes, einen der letzten Begegnungsorte in Berlin zu erhalten, wo sich Menschen unabhängig von Alter und Kultur auf Augenhöhe begegnen können“, sagt Heep. Für diese Saison sei besonders viel in Pflege und Aufwertung gesteckt worden: „So gut sah es bei uns noch nie aus.“

Tatsächlich soll sich auf dem Gelände einiges getan haben. Die Spielplatzfläche wurde restauriert, die Abnahme durch einen Sachverständigen ist für den 14. Mai vorgesehen. Angrenzend entstehen weitere Spiel- und Sportangebote, darunter Boccia und Tischtennis. Auch der Strandbereich wurde entzerrt: Es gibt mehr Platz und zusätzliche Liegeflächen, damit Gäste mehr Freiraum haben. Dazu kommt ein viertes Volleyballfeld – ein Zeichen dafür, wie stark der Sport dort inzwischen nachgefragt wird.


Auch die Partner auf dem Gelände sollen stärker sichtbar werden: Bogenschießen, Action-Parcours, Gastronomie, Biotop und Naturlehrpfad machen aus dem Strandbad längst mehr als einen Badeplatz. Heep beschreibt den Ort als Mischung aus Erholung, Bewegung, Naturerfahrung und sozialem Treffpunkt. Gleichzeitig reagiert das Strandbad auf die Preisdebatte: Der ermäßigte Abendtarif von 6 Euro (ab 18 Uhr) eine Stunde vor Badeschluss wird wieder eingeführt, damit Kurzschwimmer und Feierabendgäste günstiger hineinkommen.

Doch die Lage rund um den restlichen Plötzensee bleibt angespannt. Wildbaden, plattgetrampelte Uferzonen, Müll und Naturschutzkonflikte beschäftigen den Wedding seit Jahren. Legal gebadet werden darf nur im Strandbad; zugleich ist genau dieser kostenpflichtige Zugang Teil der Debatte. Der Bezirk hat im letzten Jahr, vom Strand und vom Steingarten am Ostufer abgesehen, einen hohen Zaun um den gesamten See als Uferschutzmaßnahme errichten lassen.

Noch brisanter wird die Situation durch die ungewisse Zukunft der Fischerpinte. Nach dem Tod des langjährigen Pächters prüft das Bezirksamt zwar Optionen, den Ort als öffentlichen Treffpunkt zu erhalten, eine gewerbliche Nutzung und ein kommerzieller Bootsverleih stehen aber nicht zur Debatte. Für viele ist das ein Verlust: ein weiterer niedrigschwelliger Ort am Wasser, der wegzubrechen droht.
Heep sieht darin ein weiteres Problem. Die Schließung der Fischerpinte sei „auch aus Sicht des Strandbads ein großer Verlust“. Gerade jetzt brauche es am Plötzensee Orte, die Nutzung, Begegnung und Verantwortung zusammenbringen. „Die Lage rund um den See ist brisanter denn je“, sagt er. Umso wichtiger sei eine friedliche Symbiose aus gesellschaftlichem Nutzen und Naturschutz und eine Zusammenarbeit aller Interessensgruppen.

Damit startet das Strandbad Plötzensee in eine Saison, in der es um mehr geht als Sonne, Sand und See.

Strandbad Plötzensee mit Eintrittspreisen (bargeldlos!), Nordufer 26

Montag – Sonntag: 10 bis 22 Uhr
Badeschluss: 19 Uhr
Einlassstop: 21 Uhr
(Kann bei Schlechtwetter abweichen)

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

7 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Ein bisschen kritischer könnte der Beitrag aber schon sein, anstatt diesen Herrn Heep Schönfärberei betreiben zu lassen:

    „Der ermäßigte Abendtarif von 6 Euro (ab 18 Uhr) eine Stunde vor Badeschluss wird wieder eingeführt, damit Kurzschwimmer und Feierabendgäste günstiger hineinkommen.“

    Abendtarif ab 18 Uhr für „Kurzschwimmer“ super Idee! Realität: Badeschluss ist um 19 Uhr! Für eine Stunde Schwimmen 6 EURO bezahlen?

    „Wir geben weiterhin unser Bestes, einen der letzten Begegnungsorte in Berlin zu erhalten, wo sich Menschen unabhängig von Alter und Kultur auf Augenhöhe begegnen können“, sagt Heep.“

    Das ist doch ziemlicher Blödsinn: mir fallen tausend andere Orte ein, wo man weniger als 10 EURO bezahlen muss und sich genauso viele Menschen „unabhängig von Alter und Kultur“ begegnen können…

  2. Sehr sympathische Worte von Herrn Heep!

    Absolut begrüßenswert und wichtig sind auch die Naturschutzmaßnahmen an weiten Teilen des Ufers des Plötzensees! Dies stärkt nicht nur die ökologische Resilienz (Stichwort „heißer und trockeker werdende Sommer“), es sorgt es auch dafür, dass hoffentlich auch zukünftige Generationen sich am ökologischen Zustand des Plötzensees erfreuen können!

    Hinsichtlich der Fischerpinte. Herr Schriner ist ein hervorragender Stadtrat, auch menschlich, und ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass er nicht alles dafür unternehmen wird, den bestmöglichen Kompromiss für die Zukunft der Fischerpinte zu erarbeiten und umzusetzen.

  3. Morjen

    …Gelände, Personal, Sicherheit, Pflege, Sand, Gebäude, Bepflanzung und Infrastruktur müssten aus dem laufenden Betrieb finanziert werden.

    Prima Aufzählung wie die Eintrittspreise zustande kommen…. ja all ihr Meckerköppe da draussen im Wedding, so ist das nun mal und so ein Strandbad macht mal eben Arbeit und das Personal wird ooch nicht für’n feuchten Händedruck ackkern oder arbeitet ihr für Null Ouvert !?!? Nee oder … war letztens im Morgenmuffel, prall voll der Laden früh um 11, großer Kaffee und een PistazienCroissant für 6.10 ooch teuer und warum … Ladenmiete, Personal und Mwst etc oder denkt ihr das so ein Ladenbetreiber solche Preise raushaut aus weil er lange Weile hat.

    Noch’n Beispiel … Erdbeeren 1Kilo circa 10 euro, und warum ?? Verpackung wird teurer, weil Gas teuer von Übersee geholt werden muss, Transport wird teurer, warum, weil Benzin teurer wird , und warum … na weil da unten im Süden ne echt wichtige Straße zujemacht hat und warum hat die zujemacht …. nach denken ist angesagt um gewisse Dinge zu verstehen… is eben doch so das irgendwie Alles mit Allem zusammenhängt…

    in diesem Sinne Gewaltfreien 1.Mai …. geht lieber Tanzen oder schwimmen

    • Ja, gut formuliert. Die Krux ist, dass sich die Bäderbetriebe schon seit 2002 aus der Verantwortung „stehlen“, indem sie zwar verpachten, aber sonst nichts in die Sanierung des 100 Jahre alten Gebäudes stecken.

  4. Es kann doch nicht so schwer und teuer sein bei der Fischerpinte einen Zaun aufzustellen damit da keiner badet und ein paar Bänke hinzustellen.
    Da ist doch Platz und alles ist gerade und so geht der Ort nicht verloren.

    Wir wissen alle das Berlin Mitte pleite ist aber bitte liebe Verwaltung vergeudet nicht unser politisches Kapital für Umweltschutz indem ihr da einen Bauzaun hinstellt und alles zuwachsen lasst, wärend auf der anderen Seite des Sees jedes Wochenende die Bässe donnern.

    • 🤣🤣🤣
      „Es kann doch nicht so schwer und teuer sein bei der Fischerpinte einen Zaun aufzustellen damit da keiner badet..“
      🤣🤣🤣
      Wieviel solch ein Zaun wert ist, kann man am restlichen Seeufer – nämlich da, wo schon ein Zaun ist – bestens sehen!
      Keine Sau hält sich daran! Die Vegetation wird gnadenlos niedergetrampelt, die dort brütenden Tiere gestört/verjagt und deren Gelege entsorgt/von freilaufenden Kötern gefressen usw.
      Und es herrscht kaum Verfolgungsdruck!
      NEIN! Ein Zaun bei der jetzigen Fischerpinte würde keinen Sinn machen – da kann man auch ein Seil spannen! Ist billiger!

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