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Gastronomie wie in L.A. im Wedding:
Schräg: Entdeckt "The Source"!

Dieses neue Restaurant ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Denn im The Source ist nichts so, wie man es vielleicht erwarten würde.

Klar, der Name bedeutet „die Quelle“ – und an sprudelnden Ideen mangelt es hier wirklich nicht. Doch anders als gedacht verweist der Name nicht auf die nahe Heilquelle am Gesundbrunnen, in dessen Nähe das Restaurant liegt, sondern auf einen Ort weit entfernt von Berlin. Bei einem Besuch in der ehemaligen Umformerstation lässt sich aber noch viel mehr entdecken.

Die frühere BVG-Werkstatt an der Uferstraße ist ein langgestreckter Komplex aus Backsteinbauten. Heute befinden sich die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz. Ganz am Ende des Geländes, wo es unter dem alten Schornstein des Kesselhauses spitz zuläuft, liegt The Source – ein Restaurant, das alles andere als gewöhnlich ist. Schon der Außenbereich ist besonders: Auf dem weitläufigen Hof, im Schatten des Schornsteins, lässt sich entspannt sitzen und das kreative Treiben drumherum beobachten.

Seit Mitte 2024 betreibt Patrick das The Source. Der 55-jährige Amerikaner kam vor rund 20 Jahren als Grafikdesigner nach Berlin – und entdeckte später seine zweite Leidenschaft: das Kochen. In Neukölln eröffnete er eines der ersten amerikanischen Brunch-Lokale der Stadt. Als sich dann die Möglichkeit ergab, in den Uferstudios ein Restaurant zu übernehmen, griff er sofort zu: „Unter den Expats gibt es viele, die den Wedding als rau und interessant empfinden“, sagt der Kalifornier. Was viele aber vermissen: gute mexikanische Küche. Da Patrick aus Los Angeles stammt, wo mexikanisches Essen zum Alltag gehört, war für ihn schnell klar, wohin die kulinarische Reise gehen sollte. Der Name The Source ist übrigens eine Hommage an ein legendäres Restaurant in seiner Heimatstadt.

Auch im Inneren bleibt The Source ungewöhnlich. Der Gastraum der ehemaligen Umformerstation aus dem Jahr 1931 ist schräg: Er läuft spitz zu und verrät mit seinem rohen Charme noch viel von der Werkstatt-Vergangenheit. Licht fällt durch ein Fensterband an der Panke-Seite des Geländes und zwei runde Deckenöffnungen ein. Der Stil? Eine wilde Mischung aus hellgrauen Designerstühlen und klassischem, dunklem Kneipenmobiliar – dazwischen viele Grünpflanzen. Mittendrin: ein Mischpult, aus dem Musik kommt. Alles ist locker und unkonventionell. Dieser Ort wirkt fast wie ein Ufo im Wedding – aber gerade deshalb passt er genau hierher, in eine Ecke ohne Touristenrummel.

Kulinarisch gibt’s das, was in Los Angeles als Standard gilt: mexikanisch geprägte Gerichte mit amerikanischem Einschlag. Die Speisekarte ist bewusst „casual“ – und auch ein bisschen schräg: „ADHD“, also ADHS, steht dort als Stilbeschreibung. Der Humor zieht sich durch das ganze Konzept. Neben Tacos gibt’s auch Torta, Burritos, Ceviche, Chilaquiles, aber auch Galettes, Merguez mit Kartoffeln, indische Gerichte und viele verschiedene Pancakes. Alles ist mit viel Lust auf Abwechslung zusammengestellt – ideal für alle, die gerne Neues probieren.

Probiert habe ich den Teller mit drei verschiedenen Tacos: mit Soja, mit Pilzen und mit Kartoffeln. Es gibt aber auch Varianten mit Fleisch. Besonders scharf waren sie nicht, aber alle hatten ihre eigene, interessante Würze.

The Source ist täglich von 9 bis 16 Uhr als Brunch-Restaurant geöffnet. Abends wird von Donnerstag bis Sonntag auch Barbetrieb angeboten – jeweils ab 17 Uhr. Donnerstags ist Taco-Thursday: von 17 bis 20 Uhr gibt’s Tacos für 2,50 Euro. Freitags lädt die „Sunset Social“-Happy-Hour von 17 bis 19 Uhr ein – perfekt, um bei gutem Wetter den Sonnenuntergang auf dem Hof mit einem Cocktail zu genießen. Dabei könnt ihr auch den Blick über das Werkstattgelände aus dem Jahr 1931 schweifen lassen, wo bis 1961 Straßenbahnen gewartet wurden. Die Zweckbauten des Architekten Jean Krämer wurden raffiniert durch neue Gebäude ergänzt, in denen sich die Küche und die Toilette von The Source befinden. Alles zusammen ergibt den schrägsten Ort für Gastronomie im ganzen Wedding.

The Source, Uferstr. 23, Mo-Mi 9-16 Uhr, Do-So 9-23 Uhr

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Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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