Es ist ein ungewohntes Gefühl, wieder durch die beiden Glastüren des Karstadtgebäudes am Leopoldplatz zu treten – vertraut und gleichzeitig fremd. Wo einen früher Lederwaren, der Duft von Parfüm und Rolltreppen ins Warenhaus hineinzogen, öffnet sich nun die Tür in eine völlig andere Welt: die bunte, geschäftige Einkaufswelt eines Discounters.

Optik
Lidl hat sich sichtlich Mühe gegeben, den neuen Standort nicht wie eine bloße Zwischennutzung wirken zu lassen – obwohl es genau das ist. Mit vertikalen Holzlamellen, die Schaufenster und nicht verkaufsrelevante Flächen verkleiden, entsteht ein moderner Eindruck. Ergänzt wird dieser durch farbenfrohe Wandgestaltungen im Inneren wie im Außenbereich – stets in den Hausfarben Rot, Gelb und Blau, aber überraschend geschmackvoll umgesetzt. Das wirkt durchaus lebendig und auffällig, passt aber erstaunlich gut zum Ort. Der erste Eindruck: Dieser besondere Lidl kommt weniger marktschreierisch und mehr wie ein urbanes Einkaufskonzept daher – fast schon zurückhaltend.

Fläche
Genutzt wird dabei nur der vordere Teil des Erdgeschosses an der Ecke Schul- und Müllerstraße. Die Einkaufswagen stehen im Inneren des Gebäudes bereit – ein Zeichen dafür, dass man hier mehr will als nur eine funktionale Lösung. Die bekannten Aufzüge sind wieder in Betrieb und führen wie früher aufs Parkdeck, das nun erneut für Kundinnen und Kunden zur Verfügung steht. Ab einem Einkaufswert von 20 Euro ist das Parken sogar kostenlos – ein Detail, das sicher gut ankommt.

Kundenfrequenz
Was am Eröffnungstag jedoch am meisten ins Auge fiel, war der große Andrang: Die meisten Einkaufswagen waren in Gebrauch, an den durchgehend geöffneten Kassen bildeten sich lange Schlangen, die sich bis tief in die Gänge zogen. Selbst die Selbstbedienungskassen, die es ebenfalls gibt, waren durchgehend ausgelastet. Dieser Andrang überrascht auf den ersten Blick – schließlich ist der Wedding alles andere als unterversorgt mit Discountern, und auch Lidl ist hier mit mehreren Filialen vertreten.

Liebe zum Standort Leo
Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, warum so viele Menschen den Weg hierher gefunden haben: Es ist die Rückkehr eines zentralen Ortes, der lange – zu lange – gefehlt hat. Das Herz des Leopoldplatzes schlägt wieder. Die Rolltreppe vom U‑Bahnhof hinauf in die markante, abgeschrägte Gebäudeecke zu nehmen, hat wieder einen Sinn. Und dass Lidl dem Gebäude eine sorgfältige gestalterische Handschrift verpasst hat, trägt sicher dazu bei. Von außen wie von innen wirkt die Filiale nicht wie ein typischer Zweckbau im Gewerbegebiet, sondern wie ein Ort mit Aufenthaltsqualität.

Zwar erinnert heute wenig an das traditionsreiche Kaufhaus, das hier jahrzehntelang das Straßenbild prägte – doch lässt sich erahnen: Ein so zentral gelegener, identitätsstiftender Ort darf nicht einfach ungenutzt bleiben. Und vielleicht ist diese Zwischennutzung ein Signal. Sollte es dem Bezirk gelingen, weitere Flächen im Erdgeschoss oder darüber hinaus mit Leben zu füllen, lässt sich rückblickend sagen: Das Durchhaltevermögen hat sich gelohnt. Vielleicht erkennt ja sogar der bislang wenig engagierte Eigentümer, die Versicherungskammer Bayern, das Potenzial dieses Standorts – und findet doch noch den Mut zu investieren.
Lidl, Müllerstr. 25, Mo-Sa 7 – 22 Uhr
Es wird Zeit, dass endlich die IKEAFiliale im Karstadt eröffnet. Wann war nochmal der Termin?
Ich kaufe gerne bei Lidl ein.
Herr Rogge kann ja gerne für einen Liter Milch ins KaDeWe fahren und den Chinesen eine Freude machen.
Ich mache das nicht.
Discounter Lidl im Karstadtgebäude. Wem’s gefällt, guten Einkauf. KIK und TEDi als Ergänzung? Wer sich Ansprüche bewahren konnte, für den sind Aldi, Lidl und Co. sicher nicht die bevorzugten Orte des Konsums. Ich stehe noch auf Einkaufskultur, alte Angewohnheit, auch wenn mich das immer längere Wege kostet und so einiges an zusätzlichen Ausgaben. Muß man sich leisten können, wird so mancher jetzt denken. Stimmt. Und man muß es auch wollen.
Wer es sich leisten kann verzichtet auch auf Discounter 😉 können aber viele Weddinger nicht
Ja, nicht jeder hat Edeka oder die (Fr-)Essetage vom KadeWe vor der Haustür.
Und die jungen Eltern und die Alten freuen sich doch bestimmt am meisten über
wohnnahes Einkaufen mit großem Sortiment, zumal an einem
Umsteige-U-Bahnhof nach S‑Bahnring.
Oder?
Gestern war ich auf dem Heimweg am Leo und besuchte Lidl. Ich war beeindruckt! Alleine die Weite der Wege zwischen den Regalen, die Breite der Angebote in einer Kategorie und erst die Brötchen-SB-Theke gleich im Eingangsbereich: ein Paradies an Backwarenauswahl – und alles in einzelnen Fächern auf einen Blick!