Es heißt, um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Und um einen Ort wie den „Kieztreff Kamine“ vielfältig zu bespielen, eine große Gruppe von Gleichgesinnten.
Wir treffen uns in einem mit viel Holz möblierten, gemütlichen Raum in der Prinzenallee. Dahinter zwei Zimmer, die einen Blick in den Garten im Hof gewähren. Moderne Kaminöfen aus schwarzem Metall unterstreichen den Wohnzimmer-Charakter des Ortes. Ein Verein betreibt die Bar, obwohl das Wort nicht einmal ansatzweise beschreibt, was hier alles möglich ist: Kunst, Kultur, Raum für Töpfer-Workshops, Pfadfindertreffen, Konzerte – oder einfach nur Austausch und Gespräche.
„Viele wohnen hier, haben aber das Nachbarschaftliche im Soldiner Kiez vermisst.“
Alex
Mi, eine der Organisator:innen des Vereins, erklärt, wie die Idee entstanden ist: „Am Anfang waren es etwa acht Aktive. Die wünschten sich einen Ort, wo sie sich treffen und Dinge veranstalten können.“ Unter ihnen war auch Maurizio. Der kannte den Ort schon, als es noch ein Kamingeschäft mit Café war. Er schlug vor, parallel zum weiterhin aktiven Kamingeschäft, das seit der Corona-Pandemie geschlossene Café als Nachbarschaftsbetreff wiederzubeleben.
Der wird dringend benötigt. Mis Vereinskollege Alex sagt, dass im „Kamine“ inzwischen viele Leute anzutreffen seien, bei denen man mehr als Hallo und Tschüß sagt. „Man freut sich, die Leute regelmäßig wiederzutreffen.“ Aus dem Freundeskreis wurde eine über 100 Köpfe zählende, altersgemischte Gruppe von Menschen aus allen möglichen Berufsgruppen. Inzwischen ist es sogar ein gemeinnütziger Verein. Bei den monatlichen Community-Treffen fragte man sich: „Wo wollen wir hin, was ist das hier? Ist das nur ein Ort, an dem Freunde chillen? Oder wollen wir in bewegten Zeiten etwas tun?“ In diesem Fall bedeutet das: sich für den Zusammenhalt und die Nachbarschaft einsetzen.
„Wir wollen nicht ausschließlich für eine bestimmte Art von Menschen da sein, sondern ein Angebot für alle im Kiez machen“
Mi
Wo sich so viele kreative und tatkräftige Menschen zusammentun, wird ein ohnehin schon geselliger Ort umso lebendiger. Das sieht man auch schon von außen: Vor dem „Kamine“ findet man eine Bank, die zum gemeinsamen Austausch mit der Gemeinschaft einlädt.
Zurück ins Warme: Im vorderen Raum befinden sich der Tresen und erhöhte Holzplattformen, von denen aus man direkt das Geschehen auf der Prinzenallee beobachten kann. Hinten sind noch zwei Räume, einer groß und mit einem weiteren Kamin und dem Gartenzugang, der andere eher klein und gemütlich mit Sofas und Sesseln. In diesen Räumen ist vieles möglich. „An diesem Ort kann noch viel geschaffen werden, auch durch die Unterstützung von Fördergeldern“, sagt Alex. Nächste Projekte wären dabei z.B. der Ausbau der Toiletten, Barrierefreiheit, Angebote von verschiedenen Kursen oder auch einfach neue Werkzeuge. Den Deutschen Nachbarschaftspreis, der mit 2.000 Euro dotiert ist, hat der Verein gerade gewonnen.
Wie kommt man aber an die Nachbarn heran, die vielleicht Hemmungen haben, durch die Eingangstür zu gehen? „Durch aktives Zugehen auf die Leute“, sagt Mi. Zu Inklusion gehört für sie nämlich auch, den Zugang zum „Kamine“ zu erleichtern. „Wir haben auch schon Eltern und Kinder nach Schulschluss angesprochen. Die Kinder sind sofort gekommen und haben diesen Raum für sich entdeckt“, sagt Mi zu der Woche der offenen Tür, die vor kurzem stattfand.
„Wer hier einmal reingekommen ist, kann auch gleich mitmachen. Hier kommen alle in verschiedenen Rollen zusammen“, sagt Mi. Mal sei man Organisator:in, mal Teil des Freundeskreises, mal nur Zuhörer:in. „Es ist alles ein großes, selbstorganisiertes Netz, das diesen Ort belebt.“
Dinge anpacken, sich nicht nur beklagen: Das ist der Geist vom „Kamine“, das nicht elitär sein will, aber doch besonders.
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