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Berliner Feuerwehrgeschichte:
175 Jahre Feuerwehr: Der Wedding löscht mit

175 Jahre – das klingt nach Festakt, Chronik und blank geputzten Helmen. Tatsächlich führt die Geschichte ziemlich direkt in den Wedding. An die Reinickendorfer Straße, wo die Feuerwache Wedding eine der älteren Feuerwehradressen Berlins ist. Und an die Edinburger Straße, wo die Feuerwache Schillerpark steht: ein Bau, der einmal ganz vorn war, als die Feuerwehr vom Pferd auf den Motor umstieg.

Der offizielle Geburtstag der Berliner Feuerwehr ist der 18. Juni 1851. An diesem Tag war die neu organisierte Feuerwehr erstmals einsatzbereit – und ist die älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands. Vorher war Brandbekämpfung in Berlin eher eine Sache von Nachtwächtern, Spritzenmannschaften und Improvisation. Die Stadt wuchs, Häuser standen enger, die Industrialisierung nahm Fahrt auf. Der bisherige Brandschutz passte nicht mehr zu dieser Großstadt.

Carl Ludwig Scabell, der erste Branddirektor, machte daraus eine professionelle Organisation. Es ging um schnelle Meldung, schnelles Ausrücken, gute Geräte, geübte Mannschaften, einheitliches Kommando und ausreichend Wasser. Klingt heute selbstverständlich. Damals war es ein Programm für die moderne Stadt.

Von der Spritze zum System

Die Geschichte der Feuerwehr ist nicht nur eine Geschichte von Bränden. Sie ist auch eine Geschichte von Organisation. Besonders deutlich wird das bei Gustav Witte, der ab 1875 die Leitung übernahm. Er führte den Löschzug als taktische Einheit ein: Spritze, Wasserwagen und Personenwagen sollten zusammen von einer Wache ausrücken, statt sich erst am Einsatzort zu finden. Auch feste Eintreffzeiten wurden damals schon mitgedacht – ein ziemlich moderner Gedanke für das 19. Jahrhundert.

Technikgeschichte steckt ebenfalls in diesen 175 Jahren. Branddirektor Erich Giersberg entwickelte 1904 ein Sauerstoff-Regenerationsgerät, also einen frühen Atemschutz mit langer Einsatzdauer. Auch eine von ihm entwickelte Schlauchkupplung blieb so prägend, dass sie in ihrer Grundform bis heute verwendet wird.

Landesbranddirektor Karsten Homrighausen verweist im Jubiläumsjahr deshalb nicht nur auf Geräte und Systeme, sondern vor allem auf Menschen. Hinter den Meilensteinen stehen helle Köpfe und engagierte Kräfte – früher wie heute. Heute gehören dazu digitale Einsatzsteuerung, Rettungsdienst, Brandbekämpfung, Ausbildung, Freiwillige Feuerwehr und Jugendfeuerwehr.

Info: Aktuell gewährleisten über 7.400 hauptberufliche und ehrenamtliche Feuerwehrangehörige, dass jährlich weit über eine halbe Million Einsätze in den Bereichen medizinische und technische Gefahrenabwehr bewältigt werden (Stand 2024: 532.157 Einsätze). Das bedeutet, dass die Berliner Feuerwehr in jeder Minute eines Jahres zu einem Einsatz ausrückt. Zusätzlich bilden rund 1.300 Mitglieder der Jugendfeuerwehren eine gute Nachwuchsgrundlage – auch im Wedding gibt es eine.

Feuerwache Wedding

Im Wedding ist die Feuerwehr keine abstrakte Institution. Die Feuerwache Wedding an der Reinickendorfer Straße 15a gehört seit Jahrzehnten zum Straßenbild. Der Standort hat eine lange Geschichte: 1869/70 entstand hier zunächst eine Anlage mit Straßenreinigungsdepot an der Pankstraße, 1899/1900 folgte ein Erweiterungsbau an der Reinickendorfer Straße. 1911 wurde wegen der Einführung des Automobilbetriebs umgebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Wache stark beschädigt. Am 16. Juni 1952 ging sie als erster Feuerwachenneubau nach dem Krieg wieder in Dienst. Später folgten größere Renovierungen. Neben Berufsfeuerwehrleuten haben dort auch die Freiwillige Feuerwehr Wedding und die Jugendfeuerwehr ihren Sitz.

Info: Am Abend des 18. Juni 1990 kam es im Ost-Berliner Teil der Brunnenstraße zu einem Dachstuhlbrand. Der Einsatz eines zweiten Löschzuges war erforderlich. Dieser Zug wurde von der Feuerwehr in Berlin (Ost) über eine bereits bestehende Funkstrecke zur Berliner Feuerwehr erbeten. Der Löschzug Wedding wurde daraufhin alarmiert und erreichte nach 5 Minuten die Einsatzstelle – der erste gemeinsame Einsatz von Feuerwehr West und Feuerwehr Ost nach dem Mauerfall.

Foto: Jugendfeuerwehr Wedding

Feuerwache Schillerpark

Ungewöhnlich war zu Beginn die Feuerwache Schillerpark an der Edinburger Straße 7. Sie wurde 1909/10 nach Plänen von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann gebaut und am 2. Juni 1910 in Dienst gestellt. Damals hieß sie noch Zugwache 23. Ihr Clou: Sie war die erste Berliner Feuerwache, die von Anfang an für motorgetriebene Löschfahrzeuge geplant wurde.

Bis dahin waren Feuerwachen auf Pferdegespanne ausgerichtet. Hier aber mussten Automobile untergebracht, gewartet und einsatzbereit gehalten werden. Deshalb erhielt die Wache unter anderem eine Wagenhalle mit Oberlichtern.

Architektonisch ist die Wache ein typischer Hoffmann-Bau: funktional, aber nicht lieblos. Putzflächen, Werksteindetails, eine niedrigere viertorige Wagenhalle und seitliche Trakte geben dem Gebäude eine klare Gliederung. Heute steht die Feuerwache unter Denkmalschutz. Auch das historische rote Feuerwehrschild an der Straße ist bemerkenswert: Es gilt als das einzige erhaltene Berliner Schild dieser Art.

Info: Die dritte Feuerwache im Wedding war die in der Stockholmer Straße 4, erbaut 1912. Sie ist inzwischen aber nicht mehr in Betrieb.

Einmal hinter die Tore schauen

Am Sonnabend, 4. Juli, lädt die Feuerwache Schillerpark zum Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 18 Uhr kann die Wache in der Edinburger Straße 7 besucht werden. Für alle, die sonst nur das Martinshorn hören oder das alte Schild im Vorbeigehen sehen, ist das eine gute Gelegenheit, einmal hinter die Tore zu schauen.

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weddingweiserredaktion

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