Volkspark Rehberge und Goethepark

Wie alles begann

Im Goethepark
Im Goe­the­park

Erst gab es da die Jung­fern­hei­de, ein bis nach Span­dau rei­chen­des gro­ßes Forst – und Wald­ge­biet mit Flug­sand­dü­nen. Der Name des etwa 78 Hekt­ar gro­ßen Volks­parks weist auf den dama­li­gen Wild­be­stand hin. Die Dünen wur­den in viel­fäl­ti­ger Wei­se genutzt: als mili­tä­ri­sches Übungs­ge­län­de und zum Sand­ab­bau. Die­ser fei­ne Sand war bei den Haus­frau­en der Stadt gefragt. Dann folg­te eine klei­ne Öko-Kata­stro­phe: In den kal­ten Win­tern nach dem ers­ten Welt­krieg holz­te die not­lei­den­de Bevöl­ke­rung den gesam­ten Wald­be­stand ab und die dün­ne Humus­de­cke wur­de fort­ge­weht. Übrig blieb eine Sand­wüs­te. Neben Sand, wenig zu essen, gab es auch wenig Arbeit. Dies beschreibt der Wed­din­ger Maler Otto Nagel sehr ein­drück­lich in sei­nen Erin­ne­run­gen. Genos­sen ver­schaff­ten ihm eine bezahl­te Stel­le in einem Beschäf­ti­gungs­pro­gramm. Ein Volks­park soll ent­ste­hen. Das war 1922. Begon­nen wur­de mit dem Goethepark.

Die Kolumne: Wahrer Sport

SD.Fußball 221Am 13. Juni steigt auf dem Sport­platz Lüde­ritz-/Trans­vaal­stra­ße das 6. Inter­kul­tu­rel­le Fuß­ball­tur­nier. Unter dem Mot­to „Soli­da­ri­tät mit Flücht­lin­gen – Jetzt!“ spie­len mehr als 24 Teams ver­schie­dens­ter Natio­na­li­tä­ten um den Sieg. Mit die­sem Tur­nier, so Aus­rich­ter Narud e. V., soll das Gemein­schafts­ge­fühl im Kiez gestärkt und ein Zei­chen gegen Dis­kri­mi­nie­rung gesetzt wer­den. War­um man sich die­ses Tur­nier nicht ent­ge­hen las­sen soll­te? Ganz ein­fach: Hier ist noch der wah­re Fuß­ball jen­seits von Kom­merz und Kor­rup­ti­on zu erle­ben. Hier fin­det das statt, was die FIFA nur noch als Wort­hül­se ver­kauft: Fuß­ball als ver­bin­den­des Ele­ment, als uni­ver­sa­les Spiel, das über alle Unter­schied­lich­kei­ten Men­schen eint. Und gera­de des­halb ein Poli­ti­kum ist.

Autor: Ulf Teichert

Afrikanisches Viertel: Lehrreicher Stadtspaziergang

Im Wed­ding spa­zie­ren gehen und etwas über die deut­sche Geschich­te ler­nen. Das klappt jetzt mit einem neu­en Audiow­alk, der per App direkt auf das Han­dy kommt. In ins­ge­samt 20 Audio­da­tei­en wer­den Stra­ßen­na­men erklärt, Gedich­te vor­ge­tra­gen und die deut­sche Kolo­ni­al­herr­schaft in Afri­ka dar­ge­stellt. Was bie­tet die App?

“aroshi”: Wedding hautnah

Anke Rommel
Anke Rom­mel vor dem “Salon Orchidee”

„Leo“, „Men­sa“, „Luft­schloss“ sind drei von zehn Motiv­na­men des Mode­la­bels „aro­shi“. Die Skiz­zen zei­gen mit weni­gen Stri­chen das Beson­de­re eines Ortes.

Sie wer­den auf öko­fai­re T‑Shirts, Tops und Hoo­dies gedruckt, über­wie­gend im Online-Shop aroshi.de und in meh­re­ren Läden, auch außer­halb von Ber­lin, ver­kauft. Die­se spe­zi­el­len Bli­cke auf Wed­ding oder Ber­lin-Mit­te sind das Beson­de­re des Labels. Mit der siche­ren Hand einer Archi­tek­tin und Innen­ar­chi­tek­tin zeich­net Anke Rom­mel, die Inha­be­rin von aro­shi, eine per­sön­li­che Moment­auf­nah­me des jewei­li­gen Ortes. „Manch­mal raten die Leu­te vor den Shirts rum: Kenns­te das? Kommt mir bekannt vor, aber wo is’n das?”, lacht die Desi­gne­rin. Das Erken­nen der urba­nen Skiz­zen ist gar nicht nötig. Die Moti­ve und Farb­kom­bi­na­tio­nen sol­len ein­fach gefal­len. Wenn aller­dings jemand tie­fer in die Her­kunft eines der zehn Motivs ein­stei­gen will, kann er sich zur Not auf der Web­site über die rea­len Orte der Moti­ve infor­mie­ren. Die Fotos und Tex­te bie­ten auch Anrei­ze, sich im Wed­ding oder in Mit­te mal genau­er umzusehen.

Der „einprägsame Ort“

Anke Rom­mel, die selbst im Wed­ding wohnt und arbei­tet, hat bei ihrer Arbeit als Pla­ne­rin mit die­ser Art von Zeich­nun­gen ein Pro­jekt ange­fan­gen. Jetzt sind sie das Resul­tat von Orts­be­ge­hun­gen, von erkann­ten Struk­tu­ren, vom Gefühl für Raum, vie­len Fotos, Hand­skiz­zen und Com­pu­ter­zeich­nun­gen. „Das weni­ger Schö­ne eines Ortes blen­de ich aus, redu­zie­re die städ­ti­sche Atmo­sphä­ren auf mar­kan­te Lini­en und wäh­le zwei oder drei Far­ben zur Beto­nung oder um Gegen­sät­ze zu mar­kie­ren“, erläu­tert sie.

Ihr kommt es auf die Per­spek­ti­ve an. Das Motiv „Leo“ aus der Serie „Der Wed­ding zieht an!“ zeigt die Alte Naza­reth­kir­che am Leo­pold­platz, umrahmt von grü­nen Wel­len und hell­grau­en Lini­en, die Baum­kro­nen und Weg­füh­run­gen sym­bo­li­sie­ren. Ein klei­nes, fei­nes Detail ist der ange­deu­te­te Ado­rant, eine Bron­ze­skulp­tur, die in der rea­len Welt kaum beach­tet wird. Die Per­spek­ti­ve des „Luft­schlos­ses“ aus der Serie „Ab durch Mit­te!“ wird es so wie im aro­shi-Motiv nicht mehr lan­ge geben. Es zeigt den enor­men Frei­raum, der nach dem Abriss des Palasts der Repu­blik ent­stan­den ist und durch den Auf­bau des Hum­boldt-Forums lang­sam ver­schwin­den wird. Auch das Ver­gäng­li­che gehört dazu: „In Ber­lin ist immer noch viel im Umbruch. Das freie Pan­ora­ma vom Dom über den Fern­seh­turm bis zum Mar­stall ist irgend­wann Geschich­te. Genau wie der run­de Brun­nen auf dem Leo, der ja bald durch eine boden­glei­che Was­ser­flä­che ersetzt wird. Die Motiv-Shirts haben also auch einen doku­men­ta­ri­schen Aspekt“, stellt Anke Rom­mel fest.

„Öko“ ist Bedingung

aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im WeddingDie öko­lo­gi­sche Aus­rich­tung ist eine wich­ti­ge Grund­la­ge bei der Aus­wahl von Shirt­ty­pen. Min­dest­an­for­de­rung des Labels aro­shi sind Öko-Tex und Fair Wear-Zer­ti­fi­zie­run­gen der Her­stel­ler. Baum­wol­le, Bio­Baum­wol­le, Bam­bus- und Euka­lyp­tus­fa­ser sind die Mate­ria­li­en, aus denen die aktu­el­len Shirts gefer­tigt wur­den. Die Preis­un­ter­schie­de zu nicht zer­ti­fi­zier­ten Shirts mit der glei­chen Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät fal­len kaum ins Gewicht. Unter­schie­den wird nicht in Damen und Her­ren, wie die Her­stel­ler es vor­ge­ben, son­dern in tail­liert und gera­de geschnit­ten. „Weil wir auf Märk­ten die Erfah­rung gemacht haben, dass älte­re Frau­en schon mal fra­gend Ihre Beglei­tung angu­cken, ob denn das soge­nann­te Her­ren-Shirt, wel­ches aus­ge­zeich­net saß, auch was für sie sei”,“ erzählt die Label­in­ha­be­rin. “Auch schlan­ke, nicht so gro­ße Her­ren, denen das das Her­ren-Shirt in S nicht pass­te, dafür das Damen-Shirt in Grö­ße L, guck­ten schon mal leicht ver­le­gen umher. Also kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung per Wort­wahl!“ Auf der Web­site ste­hen alle Infor­ma­tio­nen über die Shirt-Qua­li­tä­ten auf Deutsch und Eng­lisch. Die Hang­tags, die klei­ne Info­schil­der an den Shirts, beschrei­ben kurz das Motiv auf Eng­lisch, Deutsch und Türkisch.

Aktiv vor Ort

In der neu­en Stand­ort­Ge­mein­schaft e.V. ist die Wed­din­ge­rin als Grün­dungs­mit­glied tätig und für die Arbeits­grup­pe Gewer­be­raum­ent­wick­lung zustän­dig. Außer­dem stell­te sie 2012 a‑dding die Platt­form zur Zwi­schen­nut­zung leer­ste­hen­der Läden online und arbei­tet dafür ohne Hono­rar. Die Teil­nah­me an ver­schie­de­nen Ber­li­ner Märk­ten hat­ten ihr zwar Spaß gemacht, der Zeit-Nut­zen-Effekt schien jedoch ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig. „Lee­re Läden gehen mir als Archi­tek­tin und Anwoh­ne­rin schlicht auf den Keks, das ist ver­schenk­tes Poten­ti­al für die Besit­zer und für mög­li­che Zwi­schen­nut­zer. Für die Anwoh­ner ist das sowie­so unat­trak­tiv“, bemän­gelt Anke Rom­mel. In der Trans­vaal­stra­ße 13 ist sie, zusam­men mit drei Kol­le­gin­nen, zum zwei­ten Mal sel­ber Nut­ze­rin und zwar in einem ehe­ma­li­gen Fri­sör­sa­lon. Im „Salon Orchi­dee“ gibt es genug Platz um die ca. 80 Shirt-Motiv-Kom­bi­na­tio­nen von aro­shi und die Mode­u­ni­ka­te von °zeuiks und strick­de­sign maria stie­ger aus­zu­stel­len. Die Öff­nungs­zei­ten wer­den unter­ein­an­der auf­ge­teilt, genau wie die Orga­ni­sa­ti­on von Lesun­gen, Ver­nis­sa­gen und ande­ren Aktio­nen. Pro­duk­te von Ber­li­ner Künst­lern, Wed­din­ger Autoren und eine klei­ne Aus­wahl an Fair Tra­de Pro­duk­te wie Kaf­fee, Tee, Zucker sind im eben­falls Ange­bot. „Es ist ein klei­nes Kauf­haus des Wed­dings gewor­den!“ freut sich die Archi­tek­tin „Und natür­lich eine gute Gele­gen­heit, um die aro­shi-Shirts mal anzu­fas­sen. Die Tex­te auf der Web­site beschrei­ben zwar alles aus­führ­lich, aber ich erle­be immer wie­der ger­ne den Boah-Effekt, wenn jemand die Bam­bus- oder Euka­lyp­tus-Shirts anfasst und fest­stellt: Boah, sind die weich!“

Die Öff­nungs­zei­ten des Ladens in der Trans­vaal­stra­ße 13:

Mo – Fr von 16:30 bis 19:00 Uhr.

Update: Der Online-Ver­kauf auf aroshi.de wur­de ein­ge­stellt und ist nun auf spreadshirt zu finden.

Wei­te­rer Bei­trag über aro­shi auf dem Weddingweiser

Bei­trä­ge über a‑dding auf dem Weddingweiser