Panke Trail: Platz fürs Rad

Ausschnitt: Radschnellverbindung Panke Trail im Wedding und im Prenzlauer Berg. Grafik: Infravelo/Vössing

Autofahrer haben eine Gelegenheit verstreichen lassen, ihre Argumente zur Radschnellverbindung Panke Trail einzubringen. Nach einer Infoveranstaltung zu Routen und Alternativen fand sich lediglich ein Strich in der Spalte Autofahrer. Die anderen rund 200 Teilnehmer sehen sich als Nutzer der BVG, Fußgänger oder eben als Radfahrer. Aktuell als machbar für den Panke Trail angesehen wird – auch unter Nutzung von Autostraßen – dieser Verlauf:

Ein Ast des Panke Trails soll durch den Wedding führen. Dieser Teil des kreuzungsarmen Radweges von Karow bis nach Berlin-Mitte soll durch den Soldiner Kiez, den Gesundbrunnen und das Brunnenviertel führen. Der naturnahe Pankegrünzug an der Walter-Nicklitz-Promenade ist nicht bedroht.

Querung der Badstraße noch ungelöst

Kritisch nachgefragt wurde bei der Veranstaltung am 10. Mai im Prenzlauer Berg, wie der Radschnellweg die Badstraße überwinden soll. In der durch das Ingenieurbüro Vössing präsentierten Untersuchung zur Machbarkeit ist diese Stelle hellrot markiert. Der helle Farbton soll bedeuten, dass den Planern bewusst ist, dass an dieser Stelle Schwierigkeiten lauern. Die dunkelrote Linie zeigt die von den Experten bevorzugte Strecken. Alternativen sind in anderen Farben dargestellt.

Radfahren auf der Badstraße dicht an der zweiten Reihe. Foto Andrei Schnell.
Nutzungskonflikt: Wie kann die Radschnellverbindung Panke Trail die Badstraße kreuzen? Foto Andrei Schnell.

Eine einfache Ampel wird in der an der Badstraße nicht ausreichen, da der Radschnellweg aus der Grüntaler Straße kommt und die Hochstraße erreichen soll. Dazu wird er ein Stück auf der Badstraße verlaufen müssen. Werden deshalb Parkplätze weichen? Werden sich Radfahrer und Autofahrer die Straßen teilen müssen? Wie kann der Nutzungskonflikt gelöst werden, wenn sowohl Radfahrer als auch Autofahrer die Badstraße als übergeordneten Durchgang ansehen? Diese Fragen wurden während der Veranstaltung vor allem aus Sicht der Radfahrer diskutiert.

Verlauf der Radschnellverbindung Panke Trail

Der komplette vorgeschlagene Verlauf des Panke Trails zwischen Karow und Nordbahnhof. Grafik: Infravelo/Vössing

Auf Zustimmung stieß, dass der Panke Trail im Brunnenviertel über die Liesenbrücken führen wird. Es ist offenbar eine charmante Vorstellung, den Kreisverkehr mit Gartenstraße, Liesenstraße und Scheringstraße einfach unter sich zu lassen. Der Investor, der die Brücken für ein Hotel gekauft habe, soll verpflichtet sein, die kleinere Brücke für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen, wie zu erfahren war.

Nicht weit genug ging den Teilnehmern die Aussicht, dass in der Grüntaler Straße eine Fahrradstraße zu erwarten sein wird. „Bedeutet dass, das dort weiterhin geparkt werden darf und deshalb mit Autoverkehr zu rechnen sein wird?“

Das Ingenieurbüro Vössing, dass in der Machbarkeitsuntersuchung die Linienführung entlang der roten Linie empfiehlt, hat Nutzungskonflikte berücksichtigt: „Wir haben für jede Trasse die drei Kriterien Relevanz für Nutzer, Komfort und Sicherheit sowie Infrastrukturkonflikte bewertet“, sagte Planer Philipp Nahr.

Allgemeine Infos zu Radschnellverbindungen

Der Name Radschnellverbindung ist missverständlich. Anders als bei Autobahnen geht es nicht um das schnelle Fahren. Jeder, auch gemütliche Radler ohne Rennrad oder Kinder, sollen den Schnellweg nutzen. Das Tempo soll entstehen, indem Kreuzungen vermieden werden. Eine Breite von drei bis vier Metern soll sicheres Überholen und gefahrlosen Gegenverkehr ermöglichen. Er ist gedacht für Radfahrer, die Ziele in mehr als fünf Kilometern Entfernung erreichen wollen. Der Weg beleuchtet, der Radverkehr hat Vorrang und es wird einen Winterdienst geben.

Der Panke-Trail ist eine von elf geplanten Radfernverbindungen in Berlin. Mit den Worten „Wir müssen schneller werden“, fasste Gastgeber Vollrad Kuhn (Grüne), Stadtrat in Pankow, offenkundig die Stimmung im Saal treffend zusammen.

Die aktuell in einer Machbarkeitsstudie vom Ingenieurbüro Vössing bevorzugte Variante soll im Wedding über die Grüntaler Promenade und die Liesenbrücken führen. Eine Alternativroute geht über den Schwedter Steg im Prenzlauer Berg.

Die Aufgabe, in Berlin Radschnellverbindungen auf 100 Kilometern Länge auf elf Routen zu schaffen, ergibt sich aus dem Mobilitätsgesetz. 80 Millionen Euro will der Senat im nächsten Jahrzehnt dafür investieren. Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) beschreibt die dafür nötige Zusammenarbeit mit den Bezirken so: „Wir wollen den Bezirken nicht reinreden, wir beschließen gemeinsam. Das Geld kommt vom Senat.“

Links

Infos zum Panke Trail (Radschnellverbindung vier). bereitgestellt von der landeseigenen Infravelo GmbH, einem Tochterunternehmen der Grün Berlin GmbH

Powerpoint-Präsentation der Machbarkeitsuntersuchung durch das Ingenieurbüro Vössing

Allgemeine Infos zu den geplanten Radschnellverbindungen in Berlin bereitgestellt von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Infos zum Berliner Mobilitätsgesetz (der Gesetzestext) auf der Webseite der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Autorenfoto Andrei Schnell

Andrei Schnell nutzt dann irgendwann den Panke Trail


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