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Ein Beispiel für Vereinskultur im Wedding

11. März 2019
Berlin - Wedding - Muellerstrasse (c) Foto von Susanne Haun
Foto Susan­ne Haun

Aus der Fül­le an noch bestehen­den Ver­ei­nen des Wed­dings grei­fen wir den Ver­ein Stand­ort­Ge­mein­schaft Mül­lerstra­ße .V. her­aus und beleuch­ten ihn näher. Der Ver­ein wur­de 2013 gegrün­det und bie­tet seit­her sei­nen Mit­glie­dern zahl­rei­che Netz­werk- und Bil­dungs­ak­ti­vi­tä­ten an. Unter dem Mot­to „Beson­der­hei­ten, und Inter­es­san­tes der Mül­lerstra­ße her­aus­zu­stel­len oder zu ent­wi­ckeln“ sind die Ver­eins­mit­glie­der im Umfeld von Waren oder Dienst­leis­tun­gen in ver­schie­de­nen Bran­chen zu fin­den, wie im Bereich Woh­nun­gen, Gewer­be- oder Laden­flä­chen, Aus­üben eines Hand­werks, Kunst und Kultur.

Das Händlerfrühstück

Das Händlerfrühstück der StandortGemeinschaft Müllerstraße im Himmelbeet. Foto: Susanne Haun
Das Händ­ler­früh­stück im Him­mel­beet. Foto: Susan­ne Haun

Im Febru­ar fand das 87. Händ­ler­früh­stück statt. Seit Dezem­ber 2011 tra­fen sich die Mit­glie­der des Ver­eins regel­mä­ßig jeden 1. Mitt­woch im Monat um 7:30 Uhr an wech­seln­den Stand­or­ten zum Früh­stück, tran­ken gemein­sam Kaf­fee, lern­ten die Gast­ge­be­rin bzw. den Gast­ge­ber ken­nen, die/der das Früh­stück aus­rich­te­te und spra­chen über aktu­el­les auf der Mül­lerstra­ße. Wo wird als nächs­tes gebaut? Wer über­nimmt den lee­ren Laden an der nächs­ten Ecke? Wie weit ist die Gen­tri­fi­zie­rung vor­an­ge­schrit­ten? Die­se und ähn­li­che Fra­gen wur­den gemein­sam dis­ku­tiert, aber es wur­den auch Akti­vi­tä­ten geplant, wie die Kunst­ak­ti­on „Mein Wed­ding“ bei der Wed­din­ger und Nicht-Wed­din­ger Kunst­wer­ke wie Col­la­gen, Fotos oder Gemäl­de ein­rei­chen kön­nen, die dann ganz groß auf Pla­ka­ten auf dem Mit­tel­strei­fen der Mül­lerstra­ße gezeigt wer­den. Die­ses Jahr dürf­te die­se inzwi­schen eta­blier­te Aus­stel­lung auf der Mül­lerstras­se das 6. Mal stattfinden.

Mitgliederzahlen

Der Ver­ein hat um die 40 Mit­glie­der, mal mehr, mal weni­ger. Die­ses Jahr ist es not­wen­dig, einen neu­en Vor­stand zu wäh­len. Han­na Dobs­law, die Vor­sit­zen­de des Ver­eins und Mana­ge­rin des Cine­plex Alham­bra Kinos See- Ecke Mül­lerstra­ße muss aus per­sön­li­chen Grün­den ihr Amt abge­ben. Natür­lich wur­de beim monat­li­chen Früh­stück dar­über gespro­chen, wer den Vor­sitz über­neh­men könn­te und vor allem, wer bereit wäre, die­se ehren­amt­li­che Tätig­keit aus­zu­üben. Dabei wur­de allen klar, dass es nicht so ein­fach ist, eine neue Vor­sit­zen­de oder Vor­sit­zen­den zu finden.

Haben Vereine generell noch eine Zukunft?

Ein Plakat der Ausstellung "mein wedding 4" auf der Müllerstraße mit einem Motiv von Susanne Haun. Foto: Hensel
Ein Pla­kat der Aus­stel­lung “mein wed­ding 4” auf der Mül­lerstra­ße mit einem Motiv von Susan­ne Haun. Foto: Hensel

Nicht nur im Ver­ein der Stand­ort­Ge­mein­schaft Mül­lerstra­ße e.V. ist es schwie­rig, neue (akti­ve) Mit­glie­der zu fin­den. Aller­or­ten wer­den Ver­ei­ne auf­ge­löst und es wer­den weni­ger gegrün­det. So geht es zum Bei­spiel auch dem För­der­ver­ein der Gra­pho­thek in Rei­ni­cken­dorf, der nach einem Todes­fall in der Ver­eins­spit­ze kurz vor der Auf­lö­sung steht. Beson­ders im Bereich der 20- bis 30-Jäh­ri­gen las­sen sich schwer neue Mit­glie­der akqui­rie­ren. Wor­an mag das lie­gen? Sind immer weni­ger Men­schen bereit, ehren­amt­lich zu arbei­ten? Liegt es an den sozia­len Medi­en? Es ist viel ein­fa­cher, beque­mer zuhau­se vom Sofa aus über Face­book, Whats­App oder Insta­gram zu kom­mu­ni­zie­ren, als zu regel­mä­ßi­gen Tref­fen zu gehen. Gera­de jun­ge Men­schen ken­nen Ver­ei­ne fasst nur im Zusam­men­hang mit sport­li­chen Aktivitäten.

Warum ein Verein?

Susan­ne Haun ist seit knapp zwei Jah­ren Mit­glied des Ver­eins Stand­ort­Ge­mein­schaft Mül­lerstra­ße e.V. Was für Erwar­tun­gen hat­te die aktiv in den sozia­len Medi­en netz­wer­ken­de Künst­le­rin beim Ein­tritt in den Verein?

Susan­ne Haun: “Tag für Tag sit­ze ich min­des­tens eine Stun­de vor mei­nem Com­pu­ter (Smartphone/Tablet) und kom­mu­ni­zie­re über mei­nen Blog sowie Face­book, Insta­gram und Twit­ter mit ande­ren Kunst­in­ter­es­sier­ten. Sicher, ich ler­ne dadurch vie­le inter­es­san­te Per­sön­lich­kei­ten aus aller Welt ken­nen, aber mir fehl­te als selb­stän­dig täti­ge Künst­le­rin der Kon­takt zu ande­ren rea­len Men­schen, mit denen ich ein­fach nur plau­schen und in der Mit­tags­pau­se eine Tas­se Kaf­fee trin­ken kann. Was für ande­re selbst­ver­ständ­lich ist, die Mit­tags­pau­se mit ande­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zu ver­brin­gen, ist für Selbst­stän­di­ge eine Sel­ten­heit. Durch den Ver­ein habe ich vie­le Gleich­ge­sinn­te ken­nen­ge­lernt. Wenn ich jetzt eine Pau­se machen möch­te und der gewoll­ten Ein­sam­keit mei­nes Ate­liers ent­flie­hen möch­te, gehe ich eine Run­de dre­hen, dabei kann es sein, dass ich mit Marie vom ate­lier nuno oder mit Dzin­tra vom Café Mot­te einen Kaf­fee trin­ke. Sams­tags besu­che ich oft Manue­la Pagen­hardt, die ihren Schmuck in ihrem Laden im Rat­haus Wed­ding anbie­tet. Bei den gemein­sa­men Aktio­nen des Ver­eins erfah­re ich unter ande­rem, wie­vie­le Casi­nos in einer Stra­ße sein dür­fen und was man gegen Lärm­be­läs­ti­gun­gen unter­neh­men kann. Es ist schön, in sei­nem Kiez spa­zie­ren zu gehen und vie­le Men­schen „Hal­lo“ sagen zu kön­nen. Es gibt mir ein Gefühl der Gebor­gen­heit und ein Gefühl von Hei­mat. Des Wei­te­ren bin ich sehr neu­gie­rig und freue mich immer wie­der, wenn ich neue Geschäf­te und Geschäfts­ideen im Wed­ding ken­nen­ler­ne. Es ist manch­mal ein­fa­cher, mit etwas wie Steu­ern, Mie­te und Kran­ken­kas­sen­bei­trä­gen umzu­ge­hen, wenn man weiß, dass man von Gleich­ge­sinn­ten umge­ben ist, bei denen man sich aus­kot­zen oder auch mal um einen Rat­schlag bit­ten kann.”

Aktuelles aus dem Verein

Am 11. April um 19.00 Uhr fin­det im Café Mot­te, Naza­reth­kirch­stra­ße 40, 13347 Ber­lin ein Netz­werk- und Ken­nen­lern-Tref­fen statt. Ihr seid alle herz­lich dazu eingeladen.

Die Autorin freut sich über Kom­men­ta­re zur Ver­eins­kul­tur im Wedding. 

Infor­ma­tio­nen

Stand­ort­Ge­mein­schaft Mül­lerstra­ße e.V.
Ansprech­part­ner: Doro­thee Böttges-Papendorf
Geschäfts­stel­le:
Mül­lerstra­ße 138B, 13353 Berlin
Tel.: (030) 288 76 99 – 0
Fax: (030) 288 76 99 – 20
[email protected]

Autorenfoto Susanne Haun

Ich habe vie­le Men­schen rund um die Mül­lerstra­ße durch den Ver­ein getrof­fen, will aber gerech­ter­wei­se sagen, dass ich durch den Wed­ding­wei­ser auch in den ande­ren Vier­teln des Wed­dings vie­le Men­schen ken­nen­ge­lernt habe.

Susanne Haun

Susanne Haun studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist sie als Bildende Künstlerin und Autorin in Berlin aktiv.
Von 1993-2005 arbeitete sie als Systemanalytikerin und Entwicklerin für verschiedene ARD Sendeanstalten.

Als Autorin veröffentlicht sie seit März 2009 täglich Beiträge zur eigenen Kunst und Kunstgeschichte in ihrem Blog www.susannehaun.com und interagiert dort sowie auf weiteren Social Media Plattformen mit über 12.000 Follower. Zudem unterhält Susanne Haun einen Kunstsalon in ihrem Atelier. Hier werden regelmäßig aktuelle Themen zur Kunst von geladenen Gästen referiert und diskutiert.

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