2 mal 48 Stunden Wedding sind zu viel!

Meinung Ich brauche Urlaub vom Wedding. Die vergangenen beiden Wochen waren großartig und schrecklich. Es war so unfassbar viel los, alle wichtigen Weddinger Events des Jahres fanden in den vergangenen zwei Wochen statt, vorzugsweise am Wochenende. Das waren zusammen mindestens 2 x 48 Stunden Wedding, die uns alles gegeben haben: Musik, Literatur, Filme, Workshops, Mitmachaktionen. Das war schön, aber auch unnötig anstrengend.

Ich glaube, ich kann die Gedanken der Weddinger Veranstalter lesen. Das große Event des Jahres soll nämlich im Sommer stattfinden, aber auf keinen Fall in den Sommerferien, wenn alle verreisen! Und natürlich soll es dann noch sicher schönes Wetter sein, der Herbstregen soll in sicherer Entfernung bleiben. Feiertage wie der Tag der deutschen Einheit müssen sauber umschifft werden – das sind nämlich nur Termine für hartgesottene und mutige Veranstaltungsplaner. Es könnte ja sein, irgendwer fährt übers verlängerte Wochenende weg und verpasst dann das Wedding-Event des Jahres … Also besser nichts mit Feiertagen.

Der perfekte Tag fürs Wedding-Events

Ich stelle mit vor, wie sie alle an den verschiedensten Orten im Wedding gleichzeitig diese Gedanken durchdenken und in ihren Kalendern blättern. Und alle kommen auf das gleiche Ergebnis: Das große Wedding-Event 2018 muss am 1./2.  oder 8./9. September stattfinden!

Meine Rechnung stimmt. So wie ich haben es offenbar Viele gesehen. Diese Rechnerei bescherte uns vier supervolle Tage mit dem „2 Tage Wedding“-Kulturfestival, dem letzten Weddingmarkt der Saison, dem inklusiven Festival „RemmiDemmi & Radieschen“, der Kunst-Exkursion „Travel In Your Own City: Waters Of Berlin“, dem Panke Parcours, dem Eröffnungswochenende der Kolonie Wedding, der oppulenten zehnten Geburtstagsfeier des Freiluftkinos Rehberge. Und natürlich hat sich der Wedding darüber hinaus auch an allem beteiligt, was an stadtweiten Veranstaltungen stattfand: Tag des offenen Denkmals, Lange Nacht der Religionen, Berliner Freiwilligentage und und und.

Ich will ja nicht meckern und ich finde es auch schön, wenn unsere Veranstaltungstipps immer bunter und länger und interessanter werden. Aber während ich Veranstaltung um Veranstaltung hinein tippte, fragte ich mich, ob das nicht vielleicht doch ein wenig zu geballt ist. Der Weddinger kann sich ja schließlich nicht zerteilen. Oder doch? Eine Veranstalterin der Kulturtage im Brunnenviertel, die in diesem Jahr erstmals und natürlich im benannten Zeitraum stattfanden, sagte mir: Nein, das ist nicht zu viel. Ganz bewusst habe man die Kulturtage auf das volle Wochenende gelegt. Schön sei es, wenn man so viel Auswahl hat und wenn man von Event zu Event hüpfen kann.

Zu viel Konkurrenz

Ich habe meine Zweifel. Jede der genannten Veranstaltungen – die kleineren habe ich hier einfach mal weggelassen – bot so viel, dass sie allein ein Wochenende hätte füllen können oder zumindest einen Tag. Und dann gibt es ja noch das, was wir Weddinger manchmal verdrängen, die Welt da draußen. Parallel zu unseren Top-Events des Jahres gab es an den beiden Wochenenden nämlich noch lästige Konkurrenz, zum Beispiel das Lollapalooza-Festival. Dagegen hat es ein Konzert eines kleinen Künstlers im Olof-Palme-Zentrum oder auf dem Ackerstraßenfest natürlich schwer.

Ich wünsche mir, dass der eine oder andere Weddinger Veranstalter in Zukunft vielleicht mal eine andere Rechnung ausprobiert, etwas mutiger ist. Denn auch in den Sommerferien sind Events toll – wer fährt schon den ganzen Sommer weg? Sicher würde der eine oder andere in der Urlaubszeit fehlen, aber dafür gäbe es nicht so viele Konkurrenzveranstaltungen und damit vielleicht wieder mehr Besucher. Und auch im Frühjahr, etwa im Mai, können sogar Freiluftveranstaltungen schon sehr schön sein. Auf das Wetter können wir in Klimawandelzeiten ohnehin nicht mehr zählen. Deshalb: Verteilt die Weddinger Events besser übers Jahr, seid mutig, probiert es aus!


Dominique Hensel  stellt jede Woche die Ausgehtipps für den Weddingweiser zusammen. In den vergangenen zwei Wochen hatte sie besonders viel zu tippen.  Sie findet, die Events könnten sich besser aufs Jahr verteilen.

 


Was ist euch ein Veranstaltungskalender wert? Unterstützt den Weddingweiser, bei 2 Euro im Monat geht es schon los. Mehr Infos hier: Weddingweiser unterstützen


2 Kommentare
  1. Wie soll man denn vorher wissen, dass auch alle anderen an dem Wochenende etwas planen? Gibt es irgendwo einen zentralen Wedding-Kalender, in dem man das sehen würde?

    Hättet ihr nicht vielleicht Lust, einen richtigen Kalender zu pflegen?

    1. Soweit wir wissen, gibt es bisher keinen zentralen Wedding-Kalender. Das wäre aber bestimmt sehr sinnvoll! Doch auch ohne ist sehr offensichtlich, dass viele Veranstalter die Sommerferien meiden. Meine Frage ist da: Ist das wirklich eine so schlechte Zeit für Events? Ich glaube nicht.

      Lust, einen Kalender einzurichten und zu pflegen, haben wir vielleicht schon. Im Moment werden unsere Veranstaltungstipps aber komplett ehrenamtlich erstellt. Wir sind derzeit dabei, weitere Unterstützer auf SteadyHQ zu finden, um das gesetzte Niveau so weiter halten zu können. Wenn sich genug Unterstützer finden, könnten wir auch über einen zentralen (langfristigen) Kalender für Wedding nachdenken. 😉

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.