Die Weddinger im Griff der Hitze

Meinung Es ist heiß in Berlin – Tag und Nacht. Da bekommt man allein schon deshalb mehr vom Leben mit, weil nachts alle Fenster sperrangelweit auf sind. Doch nicht nur die Menschen ächzen und schwitzen.

Kaum ist der Fluglärm aus Tegel verklungen, unterhalten sich Leute auf dem Bürgersteig direkt vor meinem Fenster lautstark. Wer es ist? Keine Ahnung, zum Rausschauen fehlt mir nach einem langen, aufgeheizten Tag die Kraft. Später, mitten in der Nacht, wenn selbst auf den großen Straßen kein Verkehrslärm mehr zu hören ist, werde ich Ohrenzeuge eines illegalen Autorennens. Abgesehen davon, dass es mich aus meinem leichten Schlaf herausreißt, überkommt mich der Grusel, wie es denn wäre, wenn ich genau jetzt die Straße überquert hätte – ich hätte es nicht überlebt.

Am nächsten Morgen, wahrscheinlich wird es wieder mal der bis jetzt heißeste Tag des Jahres, kann man den Gräsern in den Parks wieder beim Gelbwerden zuschauen. Zumindest um den einen oder anderen Straßenbaum kümmern sich engagierte Anwohner und gießen – ein Freund wurde dabei sogar von einem Zaungast angesprochen: ob er nicht auch noch mehr Bäume vor den anderen Häusern bewässern könnte. Als ob nicht hinter jedem Straßenbaum genug Leute wohnen, die das selbst in die Hand nehmen könnten! Die Hitze steigt den Weddingern offensichtlich zu Kopf – sie sind vielleicht noch aggressiver als sonst. Meinungsverschiedenheiten scheinen im Moment schnell in Gewalt auszuarten.

Ignoranten und Mitdenkende

Überhaupt scheint die Hitze das Denken zu beeinträchtigen. Die Ufer des Plötzensees sind zwar mit einem Zaun abgesperrt, doch oft heißt es nur „na und, die Tiere sind mir doch egal, Hauptsache ich kann da baden“. Wenigstens vergessen andere Weddinger nicht, Schüsseln mit Wasser aufzustellen, damit kleine Tiere etwas zu trinken haben. Denn bei uns wohnen Bienen, Waschbären, Igel, Füchse und auch Vögel, die unter der Hitze leiden.

Also warte ich auf das Ende der Hitzewelle. Wenn Cafés wieder mit kostenlosem WLAN statt mit ihrer Klimaanlage werben. Wenn der Parkraum wieder knapp wird. Und man nachts das Fenster auch wieder zumachen kann.

 

 

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