Ede und Unku am Schillerpark

Ede und Unku
Buchcover von „Ede und Unku – die wahre Geschichte“ – Cover: Gütersloher Verlagshaus

Der Wedding und seine Sinti. Janko Lauenberger hat ein Buch geschrieben, mit dem er zeigen will, dass er einfach ein „Rom“ ist – auf deutsch: ein Mensch. Seine Lebensgeschichte hat er in „Ede und Unku – Die wahre Geschichte“ aufgeschrieben. Sowohl die Recherche zum Kinderbuch „Ede und Unku“ von 1931 als auch die wahre Geschichte des Musikers Janko Lauenberger kreuzen immer wieder den Wedding. Es lohnt sich, das Doppelbuch zu lesen.

Eigentlich sind es zwei Bücher zwischen einem Deckel. Zum einen folgt die Journalistin Juliane Wedemeyer den Spuren  der wahren Unku. Zum anderen erzählt Janko Lauenberger von seiner Kindheit in der DDR. Und beide Teile haben mit dem Wedding zu tun.

Erna Lauenburger ist die wahre Unku

weiter Blick über den Park
In den 1930er Jahren lebten „Zigeuner“ am Rande des Schillerparks. – Foto: Weddingweiser

Janko Lauenberger ist der Großneffe von Unku. Unku ist zum einen die Heldin eines Kinderbuches von 1931. Es spielt im Wedding und handelt von der Freundschaft zweier Kinder; einer Freundschaft zwischen dem Arbeiterjungen und Zeitungsausträger Ede und dem Mädchen Unku. Die Autorin Grete Weiskopf lebte damals im Wedding. Menschen mit DDR-Schulbuch-Erfahrung kennen sie als Alex Wedding und das Pflichtbuch „Ede und Unku“.  Für sie sind die Kapitel des Buches interesant, die die Journalistin Juliane Wedemeyer beigetragen hat. Sie hat über die wahre Unku recherchiert.

Unku, das Roma-Mädchen, wie man heute sagen würde, ist eben nicht bloß eine Romanfigur. Sie hat tatsächlich gelebt. Ihr Name ist Erna Lauenburger. Die Schriftstellerin Grete Weiskopf nahm sie zum Vorbild für ihr Kinderbuch. Der Zufall will es, dass das Winterquartier der Roma sich damals in der Weddinger Papierstraße (kurz vor Reinickendorf) befand. Später war es in der Nähe des Schillerparks. Ihr Leben war kurz. Sie und ihre Familie wurde von den Nationalsozialisten umgebracht. Nur wenige Roma überlebten die Rassenherrschaft. „Ein  vergessener Genozid“ schreibt Heribert Prantl im Geleitwort zum Buch. Erna Lauenburger ist die Urgroßcousine von Janko Lauenberger.

Janko Lauenberger

Grüntaler Straße, Nachtaufnahme, Vollmond, Nacht, Straßenschild
Im Gesundbrunnen ist die offizielle Adresse von Janko Lauenburgers Band „Sinti Swing Berlin“. – Foto: Sulamith Sallmann

Wer das Kinderbuch „Ede und Unku“ nicht kennt, den interessiert möglicherweise mehr der Lebensbericht von Janko Lauenberger: „Wenn ich auf meine Kindheit in der DDR zurückblicke, muss ich sagen, dass ich die meiste Zeit ein sehr glückliches, zufriedenes Kind war. Nur kam ich mir eben andersartig vor.“ So fasst der 1976 geborene Janko Lauenberger seine Biographie zusammen. Die Beschreibung ist eine starke Untertreibung für eine Jugend, die im Heim ihren Abschluss fand. Das Heim, in das ihn die DDR steckte, war in einem Gebäude, das „1832 der Naumburger Missions-Hilfs-Verein errichtet hatte, um wilde Zigeunerkinder wie mich zu nützlichen Bürgern und guten Christen zu erziehen“, hat Janko Lauenberger später recherchiert.

Noch heute bestehen Verbindungen zum Wedding: „Unsere Weddinger Verwandtschaft sorgt in unserer Straße für einiges Aufsehen“, schreibt Janko Lauenberger, der in Lichtenberg lebt. Heute ist der 42-jährige Musiker und spielt als Gitarrist in der Band „Sinti-Swing-Berlin“.  Schaut man auf der Webseite seiner Band nach, so steht im Impressum eine Weddinger Adresse. Zufall.

Janko Lauenberger, Juliane von Wedemeyer: Ede und Unku – die wahre Geschichte. Das Schicksal einer Sinti-Familie von der Weimarer Republik bis heute, Gütersloher Verlagshaus 2018

Verlagspräsentation: Buchvorstellung auf der Webseite des Gütersloher Verlagshauses

Autorenfoto Andrei SchnellAndrei Schnell ist verblüfft, wie viel Wedding in dem Buch „Ede und Unku“ und in „Ede und Unku – Die wahre Geschichte“ steckt.


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