Schöne Grüße aus dem Parkplatzhimmel!

Ein Parkschein, gezogen am Bahnhof Gesundbrunnen. Halleluja! Foto: Sallmann
Ein Parkschein, gezogen am Bahnhof Gesundbrunnen. Halleluja! Foto: Sallmann

Meinung Derzeit werden in vielen Kiezen im Stadtteil die parkenden Autos gezählt. Im Brunnenviertel, im Sprengelkiez, im Brüsseler Kiez, in Gesundbrunnen wird ermittelt, wie hoch der Parkdruck ist. Bis Juni, so heißt es aus dem Straßen- und Grünflächenamt, läuft die Prüfung. Nach der Auswertung wird entschieden, wo Parkraumbewirtschaftung eingeführt wird. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das jemals denken oder sagen würde: Ich hoffe, in meinem Kiez kommt die Parkgebühr bald.

Als ich vor zehn Jahren ins Brunnenviertel gezogen bin, hatte ich bei den Parkplätzen freie Auswahl. Ich hätte auch quer parken können, wenn nicht gerade Zeit fürs Gebet in der Moschee schräg gegenüber war. Dann besetzten viele Taxis die vorhandenen Parkmöglichkeiten. Außerhalb der Gebetszeiten war es kein Problem, einen Parkplatz zu bekommen. Ich lebte im Parkplatzhimmel. Heute drehe ich oft viele Runden durch meinen Kiez, die Runden werden immer größer, dauern immer länger und manchmal denke ich darüber nach, was geschehen wird, wenn die drei großen Baustellen im Kiez (zwei Mal Gewerbe, ein großes Mehrfamilienhaus) demnächst fertig sein werden. Wohin stelle ich dann mein Auto?

Eine alte Parkuhr. In den Weddinger Kiezen kommt das Modell aber nicht zum Einsatz. Foto: Hensel
Eine alte Parkuhr. In den Weddinger Kiezen kommt dieses Modell aber nicht zum Einsatz. Foto: Hensel

Noch einmal zwanzig Jahre zurück: Ich lebte am Rand von Berlin, die Mauer war gerade gefallen. Mit meinem besten Freund fuhr ich oft mit dem Trabbi nach Ostberlin. Nienieniemals wäre es infrage gekommen, dass wir ein Parkticket ziehen und für einen Parkplatz bezahlen. Die meisten Parkplätze der Stadt waren auch unbewirtschaftet, zumindest gefühlt. Einen Parkplatz fanden wir trotzdem immer. Aus einer Kleinstadt mit schier unendlich vielen freien Parkplätzen kannten wir das auch nicht anders. Zur Not, falls wir mal am Alex zu tun hatten und in der Parkzone parken mussten, riskierten wir es, einen Fünfer für das Parken ohne Parkschein bezahlen zu müssen. So war das damals. Eine Freundin von Parkraumbewirtschaftung war ich deshalb eigentlich nie. Und schon gar nicht würde ich für den Parkplatz vor meiner Wohnung bezahlen! Jetzt, wo ich den gestiegenen Parkdruck jeden Tag spüre, sehe ich das anders.

Darüber hinaus ärgern mich seit Jahren die rücksichtslosen Falschparker. Die, die abgesenkte Bordsteine an Straßenübergängen zuparken und damit Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen, kleinen Kindern auf Fahrrädern, alten Leuten oder auch mir den Weg über die Straße versperren. Auch das Parken in zweiter Reihe regt mich auf, insbesondere wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Warum dagegen niemand etwas unternimmt, erklärte mir neulich eine Dame vom Straßen- und Grünflächenamt: kein Personal, kein Geld. Nur die Kieze, in denen die Parkzonen bewirtschaftet werden, werden von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes betreten. In allen anderen herrscht eine Art Parkraumanarchie.

Privatparkplatz: Glücklich kann sich schätzen wer einen hat. Foto: Hensel
Privatparkplatz: Glücklich kann sich schätzen wer einen hat. Foto: Hensel

Ich habe mir schon oft gewünscht, es käme jemand vom Ordnungsamt vorbei. Zum Beispiel neulich, als ein Unternehmer mit seinem dicken Porsche den Zebrastreifen ungeniert zuparkte. Als ich ihn ansprach, wurde er persönlich und parkte natürlich weiter auf dem Schutzstreifen. Wie hilfreich wäre hier ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes! Kommt aber keiner, weil wir keine Parkraumbewirtschaftung haben.
Ich finde es verrückt, dass ich mir eine Parkzone wünsche, denn natürlich würde ich eigentlich gern weiterhin kostenlos in meiner Straße parken. Doch als ich vor kurzem las, dass es bis Ende 2021 in ganz Mitte Parkraumbewirtschaftung geben soll, blieb mein Puls ganz ruhig. Sollen sie kommen, die Politessen! Wir haben ihnen hier ordentlich was zu bieten.


6 Kommentare
  1. Ich könnte mir vorstellen, dass i m S-Bahnring Autos generell nichts zu suchen hätten. Und natürlich auch keine Parkplätze. Dann wäre die Luft sauberer, es gäbe nicht so viel Hektik – man könnte zu Fuß gehen oder mit Rad fahren. Das würde auch die Krankenkassenkosten sinken lassen. Stadt ist nicht unbedingt identisch mit Auto. Also Auto ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und somit ist seine Entwicklung und Nutzung auch veränderbar. Ich wohne im Sprengelkiez und was da an Autoverkehr abgeht, ist nicht mehr „normal“ – jedenfalls nicht für ein Wohngebiet. Also meine Vision: weitgehend autofreie Stadt, viel Platz für Fußgänger, Radfahrer und Gewerbe sowie Öffentlichen Nahverkehr, Taxis, Krankenwagen und last not least für die Polizei, damit alles auch umgesetzt wird. (ich hör schon „träum weiter“ , „zieh aufs Dorf“ na mal sehn!)

  2. Wenn ich sehe, was tagtäglich im Brunnenviertel los ist, dann wünsche ich mir auch sehnlichst die Parkraumbewirtschaftung. Ein Anwohnerticket wird für jeden bezahlbar sein (zwischen 20 – 30 Euro im JAHR!). Parkdruck ist hier definitiv vorhanden. So ganz kann ich nicht einschätzen, wie viele „Gast-Parker“ aus dem benachbarten Prenzlauer Berg kommen und kostenlos parken. Zumindest wenn in der Max-Schmeling-Halle eine Veranstaltung ist, ist im Brunnenviertel viel Parkraumsuchverkehr… Ätzend. Und ich sehe auch Firmen-Lkw, die hier gern kostenlos nachts parken.
    Mehr Ordnung durch ein Ordnungsamt, das würde doch einiges verändern. Leider wird das nicht ohne begleitende Polizei gehen, wenn ich so mitbekomme, wie Menschen reagieren, wenn man Verbote umzusetzen versucht. Die Ordnungsamt-Mitarbeiter müssen dann geschützt werden.
    Das alles wird aber die Zweite-Spur-Parker eher nicht tangieren – die agieren eh illegal und ziehen dafür ja nicht noch ein Parkticket! Aber die wilden Parker, die abgesenkte Bürgersteige zuparken oder ganz lapidar die Bürgersteige mit ihren Blechbergen voll stellen, würden durch ein präsentes Ordnungsamt diszipliniert. Ständige Verstoße werden schon teuer…

  3. Liebe Dominique,
    vielen Dank für den Text! Als Ergänzung zur Selbsthilfe empfehle ich die Seite https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/bussgeldstelle/anzeigenerstattung/, wo man Anzeige erstatten kann, die dann auch tatsächlich bearbeitet wird. Bei Falschparkern auf dem Radweg, abgesenkten Übergängen, Zebrastreifen und ähnlichen Gefährdungen sollte die 110 gerufen werden, das ist nicht übertrieben und auch kein Missbrauch des Notrufs. Hier wird erklärt, wie man das am besten formuliert: https://www.autofreies-kreuzberg.de/radwege-frei.html

  4. Liebe Dominique,
    Liebe Weddinger,
    Die Parkplatz Situation korreliert wohl mit der Situation des Wohnungsmarktes. In meinem Kiez in der Sprengelstr. zeigen sich die Anzeichen auch sehr deutlich. Mittlerweile habe ich verstanden, dass sich der ewige Wandel in Berlin nicht aufhalten lässt. Wir können allerdings unseren Teil dazu beitragen. Zum Beispiel wurde versucht, die nicht genutzten Baustellen zu öffnen, um sie wieder als Parkplatzfläche zu nutzen. Leider hat das Vorhaben nicht geklappt, denn es siegt bekanntlich derjenige, der bezahlt/mehr Geld hat. Das sollte meiner Meinung nach mit den Parkplätzen eben nicht passieren. Damit regieren diejenigen, die bezahlen. Im Allgemeinen funktioniert unsere Gesellschaft zwar so, doch ich finde nicht, dass es noch verstärkt werden sollte. Vor allem möchte ich das nicht in meinem unmittelbaren Umfeld umsetzen. Den Wedding würde ich gerne als „wilden“ und „chaotischen“ Raum behalten. Das wir nicht direkt vor unserer Haustür parken können ist nicht so schlimm, solange wir für 5 Minuten ohne Strafzettel davor halten und ein-/ausladen können. Das wird verhindert sobald Parkgebühren und damit das Ordnungsamt die Situation regelt und am Ende müssen wir dann vermutlich auch ein-zwei Straßen weiter praken. Ich finde das keine sehr gute Lösung, denn die Autos sind ja trotzdem da. Das Problem wird nur auf andere Straßen verlagert. Es geht hier eigentlich um ein Grundverständnis von Gesellschaftsstruktur. Das bedeutet, der Mann mit dem Porsche macht das, weil er seine Macht/sein Geld demonstrieren will. Dasselbe würde passieren, wenn Parkplätze nur für diejenigen nutzbar sind, die sich einen Bewohner-Parkausweis leisten können. Ob der Besitz eines Autos in Berlin tatsächlich notwendig ist, sei mal dahin gestellt. Ich empfinde es auf jeden Fall als eine Freiheit, die ich nicht aufgeben möchte.
    Bitte zögert nicht auch eure Meinung zu beschreiben – dieses Thema ist super interessant und mich würde ein Austausch darüber sehr freuen.
    Viele Grüße Bettina

  5. So ist es in Mitte: Vollzugsdefizit. Signifikant auch, dass auf Ordnungsamt-Online (https://ordnungsamt.berlin.de/frontend/dynamic/#) von allen Bezirken AUSSER Mitte gemeldete Missstände mit ihrem Bearbeitungszustand zu finden sind. Ich habe dazu schon eine E-Mail an unseren für das OA zuständigen Bürgermeister geschrieben, aber auch nach zwei Monaten keine Antwort erhalten.

  6. Liebe Dominique,
    es ist schade, dass nicht auch ohne Parkraumbewirtschaftung und Strafe die Regeln eingehalten werden. Ich habe dieselben Erfahrungen wie du gemacht. Bei uns an den Osramhöfen gibt es zu bestimmten Zeiten immer Parkplätze, wenn zum Beispiel die Geschäfte in den Osramhöfen zu machen und zu anderen Zeiten ab ca. 21 Uhr keine Parkplätze mehr.
    Viele Grüße von Susanne

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