Ich und mein himmel-Beet #1

Wir treffen uns im Garten! Zum Beispiel im himmelbeet in der Ruheplatzstraße. Unser Autor Andaras hat in dieser Saison ein Pachtbeet im Gemeinschaftsgarten und er nimmt den Weddingweiser mit. Ein Mal im Monat berichtet er in seiner Gartenkolumne, was er beim Gärtnern gelernt hat, wen er traf und was so los ist im und um sein himmel-Beet. Heute: Einzug in den Garten und Demo

Graswurzelbewegung – der erste Kontakt

„Oh wie spießig“ dachte ich plötzlich, als ich im himmelbeet tatsächlich eines der Pachtbeete erlost hatte. Knapp 31 und schon so alt im Kopf? Aber nun: nennt mich Landlord, Großgrundbesitzer, Pächter oder Spießer. Auf jeden Fall bin ich ab sofort stolzer Besitzer von 0,96 Quadratmeter Hochbeet im himmelbeet. Und nun? Steht es so da, dieses Beet und will befüllt werden. Ich muss nun erst mal lesen, was für so ein Hochbeet überhaupt geeignet ist. Die Tage im Schulgarten sind doch schon etwas her. Ich lese auf einmal etwas von Starkzehrern und Co., von Mehltau und Hybridsamen … Dass mein Kopf noch leerer als das Beet momentan ist, konnte ich ja nicht ahnen. Und vielleicht bleibe ich lieber bei meiner spontanen Idee, Rollrasen zu verlegen.

Himmelbeet. Foto: D. Hensel
Foto: D. Hensel

Trotzdem versuche ich das mit dem Gemeinschaftsgärtnern nun nach Jahren endlich mal. Und wenn alles nach Plan läuft, werde ich hier nicht nur irgendwann Salat ernten, Bohnen oder eine Möhre, sondern vor allem noch mehr Weddinger kennenlernen, auch einige von denen, die bei der Einführungsveranstaltung ebenfalls um ihre Beete schlichen und genauso verwirrt blickten. Und nein, niemand wirkte da spießig. Alles entspannte, junge, Menschen.

Das Beste aber: Das himmelbeet ist für alle offen. Jeder kann sich auf die Stühle setzen, an der Bühne Platz nehmen und sich Kuchen oder Getränke an der Bar kaufen oder im Schatten der Bäume anderen einfach beim Ackern zugucken, was mir persönlich schon immer am meisten Spaß gemacht hat.

Gärtnern und demonstrieren

Es geht los im Himmelbeet. Foto A. Hahn
Es geht los im Himmelbeet. Foto A. Hahn

Während die neuen Gärtner also am vorigen Samstag (7.4.) ihre Beete in Augenschein nahmen, umgeben von den Besuchern des Gartens, thront an der Brandwand dahinter der Schriftzug „Still not loving Gentrification“. Mahnend an den Wedding, mahnend an alle. Im Schatten des Mietenwahnsinns und angesichts dieser steten Mahnung über dem Garten, ist es nur verständlich, dass das himmelbeet heute ebenfalls aufruft, auch gerne gemeinsam, zur „Mietenwahnsinn widersetzen“-Demo zum Potsdamer Platz zu fahren. Denn auch solche Flächen sind durch Spekulanten bedroht. Da kann man noch so auf den Hipster hinter der Bösebrücke schimpfen, so lange der Boden, über den wir täglich laufen, Spekulationsobjekt ist, geht die Richtung des Preises nur nach oben. Bedingt natürlich noch durch viele weitere Faktoren, die ich jetzt hier in dieser Kolumne gar nicht alle aufschlüsseln kann.

Und so denke ich wieder an mein Beet. Ich kann das (und das mit den Mieten) jetzt einfach so lassen oder es in Angriff nehmen, damit sich mal was ändert. Also versuche ich das jetzt. Selbst wenn es nur Grassamen sind die man sät, in einer Stadt mit Millionen. Am Ende kann daraus eine ganze Menge entstehen. Also stürzen wir uns alle gemeinsam in die Demo. Zack. Wir sind hier. Wir sind viele. Wir sind organisiert. Das ist ein bisschen wie mit meinem neuen himmelbeet (aber in einer völlig anderen und ernsten Dimension). Graswurzelbewegung bekommt da eine ganz andere Bedeutung!

Wo und wie es nach dieser Saison weiter geht im himmelbeet, steht noch nicht fest, da war ja noch was mit Oliver Kahn. Aber jetzt beginnt erst Mal diese Saison. Also: Man sieht sich im Gemeinschaftsgarten!

Über den Autor

Andaras Hahn
ist seit 2010 Weddinger. Er kommt eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern.
Schreibt assoziativ, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist.
Macht manchmal Fotos: @siehs_mal

 


1 Kommentar
  1. Das ist ja eine ganz tolle hochaktuelle Karte, die Ihr da benutzt!! Kann man diese irgendwie als App bekommen?!!!!

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: