Antik Café: Ein neuer Stern am Leo

Anne und Haidar, die Betreiber des Antik Cafés in der Nazarethkirchstraße. Foto: Andreas Oertel
Anne und Haidar, die Betreiber des Cafés. Foto: A. Oertel

Zu West-Berliner Zeiten war der Leopoldplatz für mich der Nabel der Welt. Karstadt, C&A und der kleine CD-Laden zogen mich mindestens einmal in der Woche in die Müllerstraße. Dann war ich lange nicht da … bis mir ein Freund einen neuen Laden in der Nazarethkirchstraße 38 empfahl. „Im Antik Café werden alle Sinne angesprochen, das musst du dir anschauen!“ – mit diesem Satz lobte er das Café und weckte meine Neugier. An einem sonnigen Oktobertag mache ich mich auf den Weg.

Was für die Augen: Jugendstil wohin man schaut

Eine alte Musiktruhe im Antik Café in der Nazarethkirchstraße. Foto: Andreas Oertel
Hier kommt Musik raus! Foto: A. Oertel

Gerade mal zwei Monate alt ist das neue Café. Der Besitzer Haidar Malek hatte in den gleichen Räumlichkeiten sechs Jahre lang einen Geschäft für antike Möbel betrieben. So ist auch nicht verwunderlich, dass das Café ein außergewöhnliches Inventar aufweist. Polstermöbel und Schränke im Jugendstil paaren sich mit Stühlen aus den 1970er Jahren. Eine Original Grazioso-Musiktruhe aus den Goldenen Fünfzigern lädt zum Schallplattenauflegen ein, was von Haidar und seiner Frau Anne ausdrücklich erwünscht ist. Ins Auge springt mir auch ein englischer Teeautomat aus Keramik und ein Telefonhörer, dessen Alter ich auf 70 Jahre schätze. Bei seinem Anblick wird mir bewusst, dass ich im Moment kein einziges Smartphone sehe, obwohl die Räumlichkeiten gut gefüllt sind. Mir wird bewusst: Das Antik Café ist der perfekte Ort für Digital Detox, eine Auszeit von der mobilen Webnutzung.

Was für den Gaumen: Kuchenbar, Frühstückskarte und irakische Pizza

Ein Stück Kuchen im Antik Café in der Nazarethkirchstraße. Foto: Andreas Oertel
Kuchen gefällig? Foto: A. Oertel

Es ist Sonntagnachmittag und so entscheide ich mich für einen Milchkaffee und ein Stück selbstgemachten Käsekuchen. Ein Blick auf die Karte verrät: Anne und Haidar machen nicht den Fehler vieler Gastronomen, die zu viel anbieten und dabei beliebig werden. Ihr Schwerpunkt liegt auf Pizza, Salat und Frühstück. Varianten wie „Pizza Babylon“ oder „Frühstück Bagdad“ verraten Haidars Wurzeln. Sein irakischer Vater war in früheren Zeiten einer der einflussreichsten Schmuckhändler hier in Berlin. Trotzdem macht Haidar auf mich einen sehr bescheidenen und demütigen Eindruck. „Ich will davon nicht reich werden, sondern dass die Menschen glücklich sind“, sagt er und nach einem Blick auf die Preise nehme ich ihm das auch ab. Für ein Stück Kuchen und ein Kaffee zahle ich vier Euro, Pizzen kosten um die fünf Euro und das teuerste Gericht auf der Karte ist das „Frühstück Antik Café“. Für 7,90 Euro gibt es einen gefüllten Brotkorb, Butter, Marmelade, Honig, Käse, Camembert, Mozzarella, Spiegelei, Salat und eine Tasse Kaffee.

Was auf die Ohren: Lesungen aus Tausendundeiner Nacht

Jugendstil-Schrank im Antik Café in der Nazarethkirchstraße. Foto: Andreas Oertel
Blick ins Antik Café – mit Jugendstil-Schrank. Foto: A. Oertel

Es wäre fast fahrlässig, wenn man im Ambiente eines antiquarischen Cafés keine Lesungen anbieten würde. Und deshalb gibt es bei Haidar regelmäßig etwas „auf die Ohren“. Die nächste Veranstaltung (Termin: 12. November, 16 Uhr) steht im Zeichen orientalischer Märchen. Ein im gleichen Haus wohnender Theaterschauspieler wird Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht zum Besten geben. Die Lesungen verbindet Haidar jeweils mit einer kleinen Spendenaktion. Das Thema Down-Syndrom liegt ihm persönlich besonders am Herzen. Insgesamt soll das Veranstaltungsangebot sukzessive erweitert werden. Schon jetzt kann das Antik Café für Kindergeburtstage, Konferenzen und Familienfeiern gebucht werden. Alle öffentlichen Veranstaltungen sind auf der Facebook-Seite des Cafés zu finden.

Fazit: Sympathische Betreiber, günstige Preise und tolles Ambiente

Auch wenn ich die Aspekte Riechen und Tasten unterschlagen habe, hat mein Freund recht: Das Antik Café ist ein sehr sinnliches Café. Anne und Haidar scheinen herzensgute Menschen zu sein, denen ich mit ihrem süßen Café viel Erfolg wünsche. Das Projekt Antik Café steht noch am Anfang und sprüht vor Ideen. So möchte das Pärchen, dass 15 Jahre verheiratet ist und sich auf einem Weihnachtsmarkt in Potsdam kennengerlernt hat, zum Winter hin orientalische Suppen anbieten. Die werden dann genauso selbstgemacht sein, wie die reichhaltige Auswahl an Kuchen und Torten. Auch die Preise dafür werden sicherlich im bezahlbaren Rahmen liegen. Kostenlos gibt es eine Weisheit, die Haidar auf jede Seite der Speisekarte geschrieben hat: Liebe für alle – Hass für keinen!

Antik Café, Narzarethkirchstraße 38, Mo-Fr 9.30-21 Uhr und Sa/So 9.30-22 Uhr geöffnet, Facebook-Seite des Cafés

Text und Fotos: Andreas Oertel

One comment

  1. Christel Maria Zwillus (Coco) (Autorin)

    Wünsche Euch viel Glück und einen guten Start. Norbert und ich werden in den nächsten Tagen bei Euch zu Gast sein.
    Bis dahin, alles Liebe
    Coco

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