Der Schäfersee, eine tote Schönheit

Unmittelbar hinter der Grenze zu Reinickendorf befindet sich der kreisrunde Schäfersee mit dem ihn umgebenden Park. In einer kürzlich herausgegebenen Broschüre erfährt man die viel über die Geschichte des Sees, die Tierwelt und die äußerst problematische ökologische Situation des Gewässers.

Natürliches Gewässer

Der Schäfersee ist vor 10.000 Jahren durch einen beim Abschmelzen eines Eiszeitgletschers liegen gebliebenen Eisblock entstanden. Als er schmolz, füllte sich die Vertiefung mit Wasser. 4,5 Hektar groß, 7 Meter tief und mit seinen etwa 171 000 000 Litern ist er heute ein beliebtes Ausflugsziel. Seit 1928 ist das Seeufer als Grünanlage gestaltet, seit 2001 kann man in einer Allee der Bäume am Uferrundweg dem jeweiligen „Baum des Jahres“ beim Wachsen zusehen. Ein Spielplatz und ein Bootsverleih ziehen zahlreiche Besucher an. Doch kämpft der kleine See mit gravierenden ökologischen Problemen. Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.

Umgekippt

Schäfersee ReinickendorfDem See wird jährlich dreimal so viel Wasser wie er selbst besitzt durch Abwasser zugeführt. Dieses kommt ungeklärt aus den umliegenden Hauptverkehrsstraßen und enthält daher viele Schadstoffe. Diese setzen sich seit Jahrzehnten ebenso wie Schwermetalle und Schwebstoffe auf dem Seeboden ab. Der See gilt daher ab einer Tiefe von 2,5 Metern als biologisch tot. 2013/2014 wurde der See schon einmal entschlammt: nur 7 Prozent des Schlamms, 7.000 Tonnen, wurden dabei entfernt. „Der gegenwärtige Zustand stellt eine Missachtung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und des Berliner Wassergesetzes dar“, schreibt der Naturschutzbund NABU in der Broschüre. Den See könnte, analog zum heutzutage wieder sauberen Halensee in Wilmersdorf, eine Bodenkläranlage retten.

Vogelwelt bedroht

Schäfersee ReinickendorfAuch der Bootsverkehr verträgt sich nicht gut mit der Vogelwelt, die das Schilf am Ufer als Brutgebiet benötigt. Dabei wurden in der Vergangenheit seltene Vögel wie der Rothalstaucher am Schäfersee beobachtet. In der Broschüre wird die Anwohnerin Helga Schölzel ausführlich dazu befragt, die den See seit 60 Jahren beobachtet. Für die Zukunft des Sees wünscht sie sich: „Die Ufer müssten befestigt werden. Ich wünsche mir, dass der ganze See wieder sauber wird und dass keine ungeklärten Straßenabwässer mehr in den See einfließen. Im Interesse des Sees und der dort lebenden Vögel!“

Die Broschüre „Unser Schäfersee“ ist beim Quartiersmanagement Letteplatz kostenlos erhältlich.


1 Kommentar
  1. Weitere Informationen zu diesem Thema können Sie auch über die Webseite der Projektgruppe-Schäfersee beziehen.

    http://www.Projektgruppe-Schaefersee.de

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