Auslaufmodell Droschkenpferde?

Foto: A. Schnell

Für Touristen sind sie ein schöner Anblick, die Pferdekutschen, die rund um das Brandenburger Tor zu einer nostalgischen Art der Stadtbesichtigung einladen. Doch nicht nur Tierschützer kritisieren diese wenig tierfreundliche Fortbewegung, vor allem an Sommertagen auf heißem Asphalt. Auch Anwohner des Pferdestalls im Wedding beschweren sich, da sie die Zustände des Auslaufs nicht für artgerecht halten. Jetzt haben Politikerinnen bei den Behörden nachgefragt.

Auf dem Gelände eines Gerüstbauers neben der Swinemünder Brücke am Gesundbrunnen befindet sich der einzige Stall, wo die für die Touristenkutschen eingesetzten Pferde untergebracht sind. Die SPD-Abgeordnete Dr. Maja Lasic hat am 8. Mai bei der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung nachgefragt, ob die Unterbringung auch aus Sicht der Behörden artgerecht sei. Aus der Antwort geht hervor, dass es keine eigenen Kriterien für Droschkenpferde gibt, sondern die grundsätzlichen Regelungen des Tierschutzgesetzes greifen. Neben den darin geforderte Auflagen für die Ställe (Hygiene, eingestreute Liegeflächen, Boxengröße) gibt es auch Vorgaben für den Außenbereich, die vom Veterinäramt jährlich überprüft werden.

Erlaubnis auf dem Prüfstand

Der Stellplatz Foto: Andreas Oertel

Die SPD-Bezirksverordnete Susanne Fischer hakte im Juli beim Bezirksamt Mitte nach, ob die letzte Begehung des Veterinäramts die von Anwohnern gemeldeten Auffälligkeiten zu Tage gefördert hätte. Die Antwort des Bezirksbürgermeisters Stephan von Dassel erläutert das Ergebnis der Kontrolle vom letzten Februar. Insbesondere der Auslauf sei dabei beanstandet worden, da dort Müll und artfremde Gegenstände herumlagen. Darauf hatten auch Weddingweiser-Leser immer wieder hingewiesen. Der Fütterungs- und Tränkebereich befand sich bei der Kontrolle nicht auf festem Bodengrund und es fehlte an einem Unterstand. Was können die Konsequenzen sein? Es drohen Ordnungswidrigkeitsverfahren bis hin zum Entzug der Erlaubnis, wenn die Mängel auch bei der Nachkontrolle nicht abgestellt sind. Die jetzige Erlaubnis gilt noch bis zum Oktober 2018.

Doch die politischen Rahmenbedingungen könnten eine frühere Schließung des Stalles erzwingen: Denn der rot-rot-grüne Senat will laut Koalitionsvertrag ohnehin Kutschfahrten in der Innenstadt verbieten. Eine Unterschriftensammlung für das Verbot von Pferdedroschken brachte bis Ende Juli bereits 100.000 Unterschriften. Ob es nun verboten wird oder nicht: Touristisch interessante Alternativen gibt es genug, angefangen von der Fahrradrikscha bis hin zu Elektrokutschen.

4 comments

  1. P. Baer

    Wo ist die Unterschriftenaktion zur Unterstützung der Droschkenkutscher? Ich finde es gut, wenn Kinder auch live erleben, wie früher an vielen Stellen in der Stadt ausgesehen hat: Mit Kutschen und Pferden. Zugegeben einigen Pferden, geht es dann vielleicht nicht ganz optimal, aber das Tiere dem Menschen nützlich sein können und unseren grundsätzlichen Respekt verdienen, ist eine wertvolle Erkenntnis, die diesen Preis wert ist.

  2. Mechthild Jung

    Ein Unrecht mit dem anderen Unrecht zu vergleichen, finde ich total doof. Wir Menschen können uns wehren, die Tiere nicht. Vielleicht sollten Sie mal genauer hinschauen, wie es den Pferden geht. Ich war für 1 Woche in Berlin zu Besuch und bin viel durch die Stadt gelaufen. Der schlechte Gesundsheitszustand der Pferde ist mir sofort aufgefallen und auch, dass Fluchttiere sehr leiden, wenn sie durch eine von Menschen und Autos überfüllte Stadt laufen müssen. Und warum? Damit Touristen nicht laufen müssen (würde vielen gut tun) oder weil es schon immer so war. Alles ein grosser Schwachsinn. Pferde gehören auf eine Koppel und nicht in die Stadt. Menschen haben Füße und können laufen. Menschen haben auch einen Verstand, leider manche nicht.

  3. Antje Meier

    Ich habe mir das gerade angesehen und bedanke mich erstmal für den tollen Ausflug, den Duft und die zukünftige Versorgung mit 1a Gartendünger! KEIN GRUND ZUR PANIK!!! Dort ist alles so wie es sein muß und sein kann, wenn man nicht viel Geld hat. Der sehr nette Herr Kandler, einer von den drei Mietern des Stalles, hat mich herumgeführt, mir alles gezeigt und erklärt und ich habe mir alles ansehen können. ES GIBT EINEN AUSLAUF – etwas größer als eine Reitbahn, die Offenstallhaltung ist vertretbar, die Boxen sind groß, gut eingestreut und es ist sauberes Wasser da. Futter ist lecker, Hafer und Heupellets und was die Tafel so abliefert an Äpfeln. Die Pferde sind zugänglich, keiner beißt oder schlägt, ist verschreckt oder schaukelt von einem Vorderbein aufs Andere. Natürlich ist immer Luft nach oben, aber bis vor Kurzem war noch ein Gerüstbaubetrieb mit auf dem Gelände, der ziemlich viel Schrott stehen lassen hat, aber abgesehen von der Ästhetik ist das wirklich kein Problem.
    Die Haltung von Arbeitspferden sieht eben oft so aus. Gegebenenfalls traue ich einem Schockemöhle mit seinem Barren und seinem Capsaicin weniger weit über den Weg als diesen Leuten.
    Die Kampagne von Julia Meier hat den Leuten schwer geschadet und seitdem sie ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt worden sind, sind zwei Fahrgeschirre im Wert von je 8000 Euro geklaut worden.
    Also es wäre wirklich schön, wenn da etwas genauer hingesehen werden könnte. Ich werd mal Özcan und Stefan drauf anquatschen.

  4. Moritz Berger

    Es wäre doch toll wenn in Berlin einmal 100.000 Unterschriften für die Einschränkung des Autoverkehrs gesammelt würden.

    Aber dass übersteigt wahrscheinlich unseren derzeitigen Horizont:-)

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: