Stephanuskirche soll Kieztreffpunkt werden

Stephanuskirche
Viele Backsteine für eine Kirche. Die Stephanuskirche ist das Wahrzeichen des Soldiner Kiez. Foto: Andrei Schnell

Die Stephanuskirche im neogotischen Stil ist das bauliche Wahrzeichen des Soldiner Kiezes. Doch das Gotteshaus wird von der Kirchengemeinde an der Panke kaum genutzt. Pfarrerin Veronika Krötke will das ändern und die Kirche in der Prinzenallee wieder zu einem – nicht nur kirchlichen – Treffpunkt im Kiez machen.

Kehrt kirchliches oder öffentliches Leben wieder in die Stephanuskirche ein? Beides war in dem höchsten Gebäude des Soldiner Kiezes zuletzt ein wenig eingeschlafen. „Dazu ist viel Geduld notwendig“, weiß Pfarrerin Veronika Krötke. Sie ist zusammen mit Pfarrer Andreas Hoffmann und Superintendent Martin Kirchner für die immer noch geweihte Kirche zuständig. (Geweiht heißt, es könnten jederzeit Gottesdienste stattfinden.) Sie möchte die Kirche öffnen und wieder stärker in den Kiez hineinwirken lassen.

Ziel: Stephanuskirche (um)nutzen

Kultur kann bei dieser Öffnung ein Teil sein, auch drei bis vier Gottesdienste pro Jahr kann sich die Pfarrerin vorstellen, die erst seit einem Jahr in der Kirchengemeinde an der Panke arbeitet. Aber vor allem Beratungs- und Bildungsangebote will sie schaffen. Sie spricht von „unserem diakonischen Auftrag, den wir als Kirche haben“ und verweist auf „Stephanus, den Armenhelfer“. Etwas konkreter sagt sie: „Ein langfristiges Ziel ist, die Kirche umzunutzen. Das heißt, es soll ein Konzept für die Kirche erstellt werden, das trägt und das für Gemeinde und den Kiez gleichermaßen sinnvoll ist.“ Sie sagt weiter: „Wir wollen etwas machen, damit es sich lohnt in die Kirche zu investieren. Wenn die Menschen die Kirche lieben, dann ergibt sich etwas.“ Mit Menschen sind ausdrücklich nicht nur Kirchenmitglieder gemeint. „Bei allem, was wir machen, wir brauchen engagierte Menschen.“ Und die will die Pfarrerin gewinnen.

Erste Aktivitäten

Annette Diening
Annette Diening an der Orgel während „Orgel mit Biss“. Foto: Andrei Schnell

Zunächst geht es ihr um Aufmerksamkeit für den mit 80 Meter Höhe eigentlich nicht zu übersehenden roten Backsteinbau. Bislang, so scheint es, hat auch die Gemeinde selbst ihr Gotteshaus „vergessen“. Um den Blick wieder auf das Gebäude zu lenken, veranstaltet sie jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr eine offene Kirche. Der Termin dient dazu, mit ihr ins Gespräch zu kommen oder um einfach über das Backsteinhaus mit seinen hohen gotischen Backsteinbögen zu staunen. Sehenswert ist zum Beispiel der berühmte Kronleuchter. Ob es der größte in Europa ist, vermag Krötke nicht zu  sagen, aber die Ausmaße sind des Leuchters sind beeindruckend.

Außerdem gibt es an jedem ersten Freitag im Monat „Orgel mit Biss„. Kirchenmusikerin Annette Diening spielt auf der Orgel der schlesischen Orgelbauer Schlag & Söhne nicht nur romantische Werke, obwohl die Orgel dafür am besten geeignet ist. Nach dem Konzert gibt es ein gemeinsames Essen an Tafeln. Zum zweiten Termin „Orgel mit Biss“ im Juni seien bereits 80 Nachbarn gekommen. Aber selbst wenn nur die Hälfte dieser Anzahl kommt, die Reihe wird nach kurzer Zeit erstaundlich gut angenommen. Das Essen bereitet Oliver Sartorius zu, der jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag seinen Wagen mit Bio-Landküche öffnet.

Zur Person Veronika Krötke

Veronika Krötke
Pfarrerin Veronika Krötke hat viel vor mit der Kirche in der Prinzenallee. Foto: privat

Die Pfarrerin Veronika Krötke, die das ändern möchte, arbeitet seit April 2016 im Kiez. Zuvor hatte sie drei Jahre lang eine Doppeldienststelle. So war sie Pfarrerin der Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau im Friedrichshain und war Ephora des Theologischen Konvikts (Leiterin des evangelischen Studierendenwohnheims) in Mitte. Von dem imposanten Kirchbau in der Prinzenallee war sie sofort angetan, wie sie sagt. Vor ihrem Theologiestudium hat Krötke den Beruf Hotelfachfrau erlernt. Außerdem hat sie an einem wissenschaftlichen Aufsatz über „Die evangelischen Schulen in der DDR“ mitgeschrieben. Über ihre Arbeit im Soldiner Kiez, wo viele unterschiedliche Kulturen eng zusammen leben sagte sie gegenüber dem Magazin Soldiner: „Wo sonst danach fragen, was den Auftrag der evangelischen Kirche heute ausmacht?“

Die evangelische Gemeinde an der Panke hat rund 5.900 Mitgleider und drei Kirchen. Das sind neben der Stephanuskirche die St.-Paul-Kirche in der Badstraße und die Martin-Luther-Gemeindehaus in der Wollankstraße. Architektonisch ist die Stephanuskirche das Wahrzeichen des Soldiner Kiezes. Für die notdürftige Instandsetzung der Orgel hat die Gemeinde mehrere tausend Euro in 2017 aufgewendet.

Text und Foto oben und Mitte: Andrei Schnell, Foto unten: privat

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: