SOS-Kinderdorf Wedding feiert 20-jähriges mit Pomp und leisem Servus

Kirsten Spiewack vom SOS Kinderdorf Wedding zieht es nach Moabit. Foto Andrei Schnell.
Kirsten Spiewack vom SOS-Kinderdorf im Wedding zieht es nach Moabit. Foto: Andrei Schnell

Da war großer Jahrmarkt im SOS-Kinderdorf im Wedding. Die SOS-ler feierten mit vielen wichtigen Leuten das Jubiläum „20 Jahre Berufsausbildungszentrum“. Der Ausspruch „Kinder wie die Zeit vergeht“ hätte gut das Motto der Feier sein können. Gleichzeitig war es vielleicht auch ein Abschiedsfest des SOS-Kinderdorf vom Wedding. Wesentliche Teile des Standortes ziehen nach Moabit um, wo eine „Botschaft für Kinder“ gebaut wird. Umziehen wird auch die Ausbildungsküche Rossi, die derzeit noch im vierten Stockwerk ihre Gäste bewirtet.

Seit 20 Jahren bildet das SOS-Kinderdorf im Wedding benachteiligte Jugendliche aus. Die Feier des Jubiläums geriet ein wenig zwiespältig. Zum einen wollte sich das SOS-Kinderdorf in der Oudenarder Straße selbst auf die Schulter klopfen und das in 20 Jahren Erreichte feiern. Auf der anderen Seite muss SOS-Kinderdorf mit der Zeit gehen und ist dabei, seinen Weddinger Ableger zu verkleinern. Also eher ein Abschiedsfest?

Große Feier für 20 Jahre SOS Kinderdorf im Wedding. Foto Andrei Schnell.
Große Feier: 20 Jahre SOS-Kinderdorf im Wedding. Foto: Andrei Schnell

Die Alten und der Blick nach vorn

Für das Alte stand Burkhard Schäfer auf der Bühne. Er hat den Standort in den Osramhöfen von Beginn als Leiter aufgebaut und 18 Jahre lang geführt. 2015 ging er in Rente. Das Fest war auch eine Feier seiner Leistung. Burkhard Schäfer, mit Berliner Mundart und in Joppe gekleidet, klagte darüber, dass die Berufsausbildung für Jugendliche viel weniger als früher gefördert wird. Da klang der Leitspruch des Hauses „Vergesst die Jugend nicht“ fast ein wenig verschnupft. Er muss nun glücklich sein, dass wenigstens Teile seiner Arbeit überdauern: Das Ausbildungsrestaurant Rossi wird mitumziehen nach Moabit in die Lehrter Straße 66.

Für den Blick nach vorn stand Schäfers Nachfolgerin Kirsten Spiewack auf der Bühne. Sie hat viele Jahre lange für SOS-Kinderdorf das Haus in der Waldstraße in Moabit geleitet. Dass die Standorte Moabit und Wedding zusammengelegt wurden und nun ein neues gemeinsames Haus beziehen werden, findet sie nicht schlecht. Zwar werden einige Projekte wie zum Beispiel eines mit „schuldistanzierten Jugendlichen“ im Wedding zurückbleiben. Doch die meisten der auf aktuell drei Etagen angemieteten Räume werden aufgegeben. „Wir ziehen von Mieträumen in Eigentum“, freut sich die Leiterin auf den Neubau, der im Sommer 2017 in der Lehrter Straße 66 fertig wird. „Botschaft für Kinder“ wird das neue Haus heißen. Es wird ein Hotel beherbergen, in dem zur Hälfte Menschen mit Behinderungen arbeiten werden. Und eine Info-Etage zur nationalen und internationalen Arbeit von SOS-Kinderdorf ist geplant.

Ein Fest mit Pomp für die Alten

Johannes Münder von SOS-Kinderdorf Deutschland. Foto Andrei Schnell.
Johannes Münder von SOS-Kinderdorf Deutschland. Foto Andrei Schnell.

Das Line Up der Jubiläumsfeier- oder einfach die Rednerliste – liest sich wie ein Who is Who der Branche. Vor allem jedoch ist es ein Who is Who der Alten in der Jugendhilfe. Auf der Bühne standen bei der Jubiläumsfeier der Vereinsvorsitzende von SOS-Kinderdorf Deutschland, Johannes Münder. Er wird im nächsten Jahr in Rente gehen. 61 Jahre alt ist die Berliner Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba. Sie lobte auf der Bühne die Erfolge des Berufsbildungszentrums in der Oudenarder Straße. Auch sie konnte sich noch gut an die alten Zeiten erinnern. Zum Beispiel wusste sie noch wie es war als das SGB VIII eingeführt wurde. Im Saal nickten die alten Hasen, sie verstanden, worauf angespielt wurde. Klebba wies aber auch deutlich darauf hin, dass es nach wie vor Fördergelder gibt, die helfen, dass benachteiligte Jugendliche eine Ausbildung finden. Nur funktioniert heute eben vieles anders als in den 1990er Jahren. Mittlerweile schon 78 Jahre alt ist die Vorstandsvorsitzende des Berliner Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Barbara John. Einigen (älteren) Berlinern ist sie bekannt aus über 20 Jahren Arbeit als Ausländerbeauftragte (wie man damals sagte) des Berliner Senats. Sie lobte, dass bei den Berliner SOS-lern „immer alles Hand und Fuß hatte“.

Über SOS-Kinderdorf

Dieses Schild in der Oudenarder Straße 16 ist bald veraltet. Foto Andrei Schnell.
Dieses Schild in der Oudenarder Straße 16 ist bald veraltet. Foto: Andrei Schnell

SOS-Kinderdorf wurde 1951 in Tirol in Österreich von Hermann Gmeiners gegründet. Das erste SOS-Kinderdorf entstand 1955 in Bayern. Ursprungsidee der Kinderdörfer war es, Waisen „ein neues Zuhause in einem familiären Umfeld“ zu geben. Heute gibt es SOS-Kinderdörfer weltweit. In Deutschland hat SOS-Kinderdorf seine Tätigkeit auch auf die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen, auf die ambulante Jugendhilfe, auf Jugendwohngruppen und eben auf Berufsausbildungszentren ausgeweitet.

Text und Fotos: Andrei Schnell

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