Ich will vorlesen! Jeden Tag

Lieblingsbuch: Kurzhosengang. Bitte vorlesen, Mama. Foto: Dominique Hensel
Lieblingsbuch: Kurzhosengang. Bitte vorlesen, Mama.

Schlafanzug an, Zähne putzen, zack-zack-zack. Sage ich zum kleinen Weddinger an vielen Abenden. Ich drängle ihn nicht, weil das so im Erziehungsratgeber steht oder weil ich mich auf die Zeit freue, in der er schläft und ich nicht Mama bin. Ich will vorlesen! Jeden Tag. Ich finde die Geschichten spannend und ich kuschle mich gern mit dem kleinen Weddinger zusammen. Am Freitag (18.11.) ist der bundesweite Vorlesetag. Das ist sozusagen mein inoffizieller Feiertag.

Aus einem unerforschten Grund bin ich vom kleinen Weddinger zur Vorleserin auserwählt worden – obwohl der Mitweddinger viel besser vorlesen kann als ich. Er hat das mal extra in einem Kurs gelernt. Ich lese viel zu schnell. Ich habe das ja auch nicht gelernt. Doch der kleine Weddinger mag es, wenn Mama vorliest. Er ist ebenso ungeduldig wie ich und will schnell wissen wie die Geschichte weitergeht. Weiter, sagt er, wenn ich zu langsam werde.

Im Moment lese ich ihm etwas von einer Fee namens Potilla vor. Es ist eine niedliche Geschichte von Cornelia Funke. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass die durchgeht. Der Kleine Weddinger achtet sonst sehr darauf, dass ich ihm kein Mädchenbuch unter schummele. Aber Potilla geht. Die Abenteuer von Tom Sawyer, ein echtes Jungenbuch, mochte er dagegen nicht und auch ich war überrascht. Das hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Irgendwie cooler, irgendwie leichter.

Neben einigen Bänden der Abenteuer von Geronimo Stilton und über den kleinen Drachen Kokosnuss habe ich in diesem Jahr bisher überwiegend die Kurzhosengang vorgelesen. Band 1, Band 2, Band 3. Insbesondere der dritte Teil ist wirklich toll: spannend und gut geschrieben, ein echtes Abenteuer. Mach mal schneller, ich will doch noch Kurzhosengang vorlesen! Rufe ich aus der Küche. Der kleine Weddinger antwortet nicht und ich beginne, mich ob der Trödelei zu ärgern und stürme ins Kinderzimmer. Da liegt er grinsend im Schlafanzug und mit geputzten Zähnen im Bett, die Kurzhosengang in Wartestellung in der Hand.

Der Bundesweite Vorlesetag

Das Logo des Vorlesetages.
Das Logo des Vorlesetages.

Auch wenn bei uns jeden Tag vorgelesen wird, finde ich, dass der Vorlesetag eine gute Sache ist. Die Initiatoren DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung wollen damit die Begeisterung für das Lesen und Vorlesen wecken. Sie laden in diesem Jahr am 18. November bereits zum 13. Mal zum Bundesweiten Vorlesetag ein. Weitere Informationen über die Initiative gibt es online: www.vorlesetag.de

Vorlesen lassen

Die meisten Schulen veranstalten im Rahmen des Vorlesetages Vorlesestunden. Mal liest die Lehrerin, mal lesen die Schüler vor. Manchmal lesen sogar Prominente wie Katharina Witt, Sarah Connor oder Alice Schwarzer vor, die Veranstaltungen sind aber nicht öffentlich. Zwei öffentliche Vorlesungen in Wedding und Gesundbrunnen sind uns aber zu Ohren gekommen. Zwischen 15 und 18 Uhr wird am Freitag im Freizeiteck in der Graunstraße 28 vorgelesen, ab 15 Uhr erst Märchen, ab 17 Uhr Erwachsenenbücher. Um 13 Uhr sind Kinder in den NachbarschaftsLaden der Initiative Buttmannstraße 16 zum Vorlesen eingeladen. Es darf auch Lieblings-Vorlesestoff mitgebracht werden.

Text und Fotos: Dominique Hensel

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