Mieter bei der Deutschen Wohnen nervös

In der Friedrich Ebert Siedlung bröckelt der Putz. Foto Mietergruppe.
In der Friedrich Ebert Siedlung bröckelt der Putz. Foto Mietergruppe.

„Wir saßen zwölf Tage im Kalten“, klagen Mieter der Friedrich-Ebert-Siedlung. Ihre Heizung war ausgefallen. Auch wenn die Heizung nun wieder funktioniert, die Mietergruppe ist aufgebracht: „Die Friedrich-Ebert-Siedlung verfällt“, sagen sie. Dagegen sagt die Vermieterin, die Deutsche Wohnen, zum konkreten Fall: „Heizungsausfälle kommen bei allen Wohnungsunternehmen vor.“ Ein Fall von lautstarken Mietern oder eines still und leise einsparenden Vermieters?

Was die Deutsche Wohnen sagt

Sicher, schön ist es nicht, wenn die Heizung ausfällt. Die Presseabteilung der Deutschen Wohnen relativiert den konkreten Fall im Afrikanischen Viertel: Bei komplizierten Rohrbrüchen würden Repartaturen eben länger dauern, weil „Genehmigungen für Arbeiten im Erdreich beantragt, Firmen beauftragt und Material beschafft werden müssen.“ Der Rohrbruch sei nun einmal außerhalb eines Gebäudes im Freien erfolgt. Zudem sei es typisch, dass zum Beginn der Heizungsperiode sich Aufträge an die Handwerksfirmen stauen würden genauso wie die Bestellungen für Ersatzteile. Die Mietergruppe selbst sagt, dass diejenigen, die frieren mussten für zwölf Tage eine Mietminderung von 70% erreicht habeen.

Träger liegen blank in der Friedrich-Ebert-Siedlung. Foto Mietergruppe.
Träger liegen blank in der Friedrich-Ebert-Siedlung. Foto Mietergruppe.

Was die Mietergruppe sagt

Die Mietergruppe, die sich an den Weddingweiser wandte, glaubt an ein grundsätzliches Problem. Sie hält den konkreten Heizungsausfall nur für ein typisches Beispiel einer generellen Haltung der Vermieterin. Sie vermutet, dass an den Instandhaltungskosten bewusst gespart würde. So sei einmal Putz von der Fassade gefallen. Statt die Fassade auszubessern, habe die Deutsche Wohnen den lockeren Putz abschlagen lassen. „Seitdem zieht es durch die Fenster“, sind sich die Vertreter der Mietergruppe sicher. Bekannt seien auch Beispiele von defekten Regenrinnen, die zu Pfützen auf Balkonen führten. Außerdem würde es in einigen Wohnungen schimmeln. Eine Instandhaltung und Reparatur – nicht Sanierung – sei überfällig, da seit über 20 Jahren nichts mehr in die Gebäude investiert worden sei.

Lange nichts mehr investiert in der Friedrich-Ebert-Siedlung. Foto Mietergruppe.
Lange nichts mehr investiert in der Friedrich-Ebert-Siedlung. Foto Mietergruppe.

Aus Gesprächen mit Nachbarn habe man außerdem erfahren, dass die Miete für neue hinzugezogene Mieter über den Mietspiegel läge. „Aber die kommen aus Münster oder so und sind wahrscheinlich ganz andere Mieten gewohnt“, sagt die Mietergruppe.

Nachfrage beim Mieterverein

Reiner Wild, Geschäftsführer des Mietervereins, sagt auf Anfrage des Weddingweisers, dass systematische Vernachlässigungen von Heizungsreparaturen durch die Deutsche Wohnen nicht bekannt sind. Er sagt aber auch: „Die Deutsche Wohnen arbeitet sehr renditeorientiert. Die Mietspiegelmieten zum Beispiel reichen ihnen nicht.“

Mietern, die längere Zeit im Kalten wohnen, rät der Mieterverein sich beraten zu lassen. Um sich beim Mieterverein vom Fachanwalt beraten zu lassen, reicht es einzutreten. Wobei die Mitgliedschaft für mindestens zwei Jahre abgeschlossen wird. Für eine Prozesskostenversicherung muss der Mieter drei Monate vor Beginn eines schwelenden Problems eingetreten sein.

Spekulationsobjekt Friedrich-Ebert-Siedlung

Die Mietergruppe wirkt entschlossen. Sie wollen Kontakte zu Politikern und Kooperationspartnern aufbauen. Sie sparen nicht mit deutlichen Worten: „Wenn hier nicht bald mal was geschieht, dann bricht uns hier alles über den Kopf zusammen.“

Sie sagen, seit Jahren, sei die Siedlung immer wieder verkauft worden. „Wir wissen schon gar nicht mehr, wer alles Eigentümer war: Gagfah, Fortress, ZVBB, GSW. Und jetzt Deutsche Wohnen.“ Allen Eigentümern gemeinsam sei, dass keiner von ihnen etwas zur Instandhaltung beigetragen habe. Das sei in den 1990er Jahren anders gewesen. Damals habe die Anlage noch dem Erbauer gehört, der Wohnungsbaugesellschaft Eintracht gemeinnützige Aktiengesellschaft. Bauzeit der Siedlung war von 1929 bis 1939. Die 1927 gegründete Eintracht war bis 1991 gemeinnützig und existierte bis 1997.

Schlussworte

„Bitter, dass ausgerechnet der Rot-Rote-Senat die GSW 2004 verkaufte“, klagen die Mieter. – „Wir brauchen dringend mehr Sozialen Wohnungsbau,  weil schlicht und einfach preisgünstige Mietwohnungen fehlen“, sagt Reiner Wild vom Berliner Mieterverein. – Die Deutsche Wohnen schreibt in ihrem Geschäftsbericht: Zu den Steuerungsgrößen für das Management gehören „Umfang und Ergebnis der Neuvermietung sowie die Entwicklung der mit der Vermietung zusammenhängenden Kosten wie Instandhaltungs- Vermietungsmarketing- und Betriebskosten sowie Mietausfälle.“

LINKS
Beiträge und Leistungen des Berliner Mietervereins.
Geschäftsberichte der Deutschen Wohnen.
Wikipedia über denkmalgeschützte Friedrich-Ebert-Siedlung.

Autor: Andrei Schnell, Fotos: Mietergruppe

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