Wedding-Schule mit Türkisch und Arabisch auf dem Stundenplan

Li Zha fragt Lehrerin Derya Ulas-Emirli. Foto Ewald Schürmann.
Li Zha fragt Lehrerin Derya Ulas-Emirli. Foto: Ewald Schürmann

Ihre Kinder wachsen zweisprachig auf. Die Tochter von Li Zha, die aus China stammt, und  das Kind von Derya Ulas-Emirli, die aus der Türkei stammt. Im Interview treffen beide Mütter als Reporterin und Lehrerin aufeinander. Li Zha fragt die Lehrerin an der Wedding-Grundschule Derya Ulas-Emirli wie Kinder am besten zweisprachig aufwachsen.

Li Zha: Welche Sprache sollten fremdsprachige Eltern mit ihren Kindern zu Hause sprechen? Sollen deutsch-fremdsprachige Elternpaare beide Sprachen mit ihren Kindern sprechen, in meinem Fall der Papa immer Deutsch, die Mama immer Chinesisch?
Derya Ulas-Emirli: Sprache hat mit Gefühlen zu tun. Wenn man mit dem Kind zum Beispiel chinesisch spricht, dann soll man das auch konsequent zu Hause tun. Bei Zweisprachigkeit sollte das strikt aufgeteilt werden, wobei sich die Eltern daran ständig halten müssen.

Persönlich bin ich türkischstämmig und mit einem türkischen Mann verheiratet. Ich spreche mit dem Kind meist Deutsch, mein Mann Türkisch. Wir haben immer viel Wert auf zweisprachige Erziehung gelegt, damit auch zum Beispiel eine Kommunikation mit Opa und Oma möglich ist. Besonders beim Ausdruck von Emotionen ist ja die Herkunftssprache wichtig. Deshalb fiel es mir manchmal schwer, bei unserer Sprachteilung immer nur Deutsch mit unserem Kind zu sprechen.

Li Zha: Worauf muss man achten?
Derya Ulas-Emirli: Da im Kindergarten oder in der Schule die deutsche Sprache sowieso dominant ist, ist es um so wichtiger, dass zu Hause zum Beispiel viel türkisch gesprochen wird. Man muss es aber trennen. So wird Zweisprachigkeit zur einer großen Chance für die Kinder. Sonst entsteht, was man manchmal auf der Straße im Vorbeigehen hören kann, dass Mutter, Vater und Kinder ihre Herkunftssprache und das Deutsche vermischt sprechen. Dieses Durcheinander ist nicht gut, da man sich nicht mehr anstrengt, gezielt Wörter in der jeweiligen Sprache auszudrücken, denn das Gegenüber versteht ja auch beide Sprachen. Die Kinder unterscheiden dann letztendlich nicht mehr zwischen beiden Sprachen und merken dies auch nicht.

Die Wedding Schule in der Antonstrasße. Foto Wikimedia.
Die Wedding Schule in der Antonstraße. Foto: Wikimedia

Li Zha: Gibt es an der Wedding-Grundschule Sprachkursangebote für Kinder in der jeweiligen Elternsprache?
Derya Ulas-Emirli: Ja, unsere Schule hat sich als besondere Schule profiliert, indem wir Schülerinnen und Schüler in zwei Sprachen, in Deutsch und in Türkisch alphabetisieren. Das besteht schon seit 1990 als gemeinsames Lernen beider Sprachen. Seit einem Jahr gibt es aber auch ein Angebot für Deutsch und Arabisch mit einer Arabisch-Lehrerin einmal pro Woche. Wünschenswert wäre, für alle Gruppen solche Programme zu erreichen. Dafür gibt es aber nicht genügend Lehrer, wie zum Beispiel für Chinesisch.

Li Zha: Wie sind die Aussichten der Schüler, dass sie auf gute weiterführende Schulen kommen?
Derya Ulas-Emirli: Es gibt keine offizielle Statistik, jedoch sind die Schüler, die die zweisprachigen Klassen besuchen, oft erfolgreich und haben gute Empfehlungen für die Oberschulen. Also existieren keinerlei Hindernisse durch die zweite Sprache. Untersuchungen belegen, dass, wenn man seine Muttersprache gut beherrscht, auch weitere Sprachen schneller lernen kann. Deshalb lautet bewusst das Programm an unserer Schule: Zweisprachigkeit und Mehrsprachigkeit fördern.

Das Interview führte Li Zha. Das vollständige Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins Hallo Mitte, das von Menschen, die an der Volkshochschule deutsch lernen geschrieben wird.

LINKS
Impressionen zur Arbeit von Hallo Mitte finden sich auf www.elternakademie-berlin-mitte.de durch Klick auf den Button Elternredaktion.
Die Wedding-Schule, eine Grundschule in der Antonstraße, stellt sich vor auf www.wedding-schule.de.

One comment

  1. Arthur

    Das Handhaben wir mit unserem Sohn (4) ähnlich. Mit seiner Mutter spricht er strikt russische, mit mir deutsch. Das funktioniert sehr gut. Als er noch jünger war, hat er sich lautstark beschwert, wenn Mama oder Papa mit anderen in einer anderen Sprache kommunizierten. Als Sahnehäubchen spreche ich mit meiner Frau Englisch.

    Heute ist das so, dass er beide Sprachen beherrscht und fließend wechseln kann. Und bereits lesen kann, in beiden Sprachen, natürlich noch auf einfachem Niveau.

    Wir kennen und sehen auch viele Familien wo die Sprachen gemischt sind, z.b spricht der Vater Englisch, das Kind antwortet deutsch. Da kommen die Befürchtungen von Derya zum Tragen. Mir ist ein Fall von Deutsch-Japanisch bekannt, in dem das Kind das japanische verweigerte, bei Verwandten in Japan. Es dachte, jeder spricht deutsch und die Verwandten wollen es bloß veräppeln…

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: