Kommt das Haus von Rosa Parks zur Bösebrücke?

So sah Rosa Parks' Haus vor dem Abriss in Detroit aus. Foto: externe Quelle - ©Fabia Mendoza
So sah Rosa Parks‘ Haus vor dem Abriss in Detroit aus. Foto: externe Quelle – ©Fabia Mendoza

AKTUALISIERT MÄRZ 2017: Rosa Parks kommt in die Hauptstadt. Zumindest ein Teil von ihr. Weil Detroit ihr Vermächtnis nicht erhalten wollte, steht das Haus der US-Bürgerrechtlerin bald in Berlin. Wie es dazu kommt und wer dahinter steckt…

Ryan Mendoza ist fast schon Experte für Hausverpflanzungen. Der US-Künstler, der seit Jahrzehnten in Europa arbeitet, hat schon einmal ein Haus aus Detroit auf den alten Kontinent verschifft und unter dem Titel The White House bei der Rotterdamer Kunstmesse ausgestellt. Doch sein neues Projekt ist noch ambitionierter.

Rosa Parks um 1955 mit Martin Luther King ©USIA
Rosa Parks um 1955 mit Martin Luther King ©USIA

Es geht um die Umsiedlung des zeitweiligen Wohnhauses der afro-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks nach Berlin. Parks wurde berühmt, als sie sich im Dezember 1955 weigerte, ihren Platz in einem Bus in Montgomery, Alabama für einen weißen Mann zu räumen. Diese Aktion brachte ihr zwar weltweite Anerkennung ein, machte sie aber nicht reich. Wenige Jahre später verließ sie zermürbt von Drohungen den Süden der USA und zog nach Detroit, wo sie in einfachen Verhältnissen lebte – zwei Jahre davon in besagtem Haus.

Der genaue Standort ist noch geheim

Parks starb 2005 und ihr früheres Heim sollte in diesem Sommer abgerissen werden. Als eines von vielen verlassenen, heruntergekommenen Häusern in Detroit – der Stadt, die wie kaum eine andere durch Finanzkrise und Strukturwandel zu leiden hatte. Zwar hatte Parks‘ Nichte Rhea McCauley das leere Haus vor einigen Jahren zu einem Spottpreis erworben. Aber auch sie hatte nicht die Mittel, das sichtbare Vermächtnis ihrer Tante zu erhalten – und wandte sich an Ryan Mendoza.

Der Künstler ließ im Sommer die Fassade des Hauses abtragen und anschließend nach Berlin bringen. Die Reste wurden abgerissen. Offensichtlich hatte keine US-Institution das Gebäude für erhaltenswert genug empfunden. Ryan Mendoza kann das nicht verstehen. Derzeit werkelt er in seinem Berliner Studio an einer Rekonstruktion des Hauses. In rund drei Monaten soll es in der Nähe von Bösebrücke und Bornholmer Straße zu sehen sein. Wo genau und wie lange ist noch nicht bekannt.

Autor: Nikolaus Triantafillou, QIEZ.de
Dieser Beitrag ist ursprünglich bei unserem Kooperationspartner QIEZ.de erschienen.

Nachtrag: Das Rosa Parks Haus kann am 8. April 2017 in Berlin der Wriezener Straße 8 besichtigt werden. Zeitgleich zeigt die Berliner Galerie Camera Works Fotoarbeiten von Ryan Mendoza und am Abend des gleichen Tages zeigt das Kino Babylon in Berlin Mitte „The White House Documentary“ einen Dokumentarfilm über Mendoza mit anschließender Diskussion mit dem Künstler und Rhea McCauley, Rosa Parks Nichte.

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