Eine Rarität: Sekt aus dem Humboldthain

Horst Riewendt bei der Weinlese. Er hat den Weinberg im Humbolthain als Revierleiter anlegen lassen. Foto: Hensel
Horst Riewendt bei der Weinlese. Er hat den Weinberg im Humbolthain als Revierleiter anlegen lassen. Foto: Hensel

Seit 1987 gibt es im Humboldthain einen Weinberg. Er liegt etwas versteckt auf Flächen des Grünflächenamtes an der Wiesenstraße. Aus den Trauben wird der Humboldthainer Hauptstadtsekt gewonnen. Am Mittwoch (5.10.) hat die diesjährige Weinlese stattgefunden. Wie in den vorangegangenen Jahren wurden wieder 400 Kilogramm Trauben geerntet. Daraus können etwa 200 Flaschen Hauptstadtsekt gewonnen werden. Versektet werden sie seit jeher in Achkarren im Kaiserstuhl.

Auf dem kleinen Weinberg in der Wiesenstraße 1c pflegen die Mitarbeiter des Grünflächenamtes 185 Rebstöcke, an denen bis zur Weinlese im September/Oktober die Trauben der Sorten Grauer Burgunder und Müller Thurgau wachsen. Das Weinprojekt und seine interessante Geschichte sind selbst vielen Anwohnern des Volksparks unbekannt. Denn der unverkäufliche Sekt, der im Weinkeller des Bezirkes Mitte für besondere Anlässe lagert, hat einen weiten Weg hinter sich.

Waldemar Isele arbeitet in der wärmsten Ecke Deutschlands, in Achkarren im Kaiserstuhl in Baden-Würtemberg. Er ist 800 Kilometer vom Humboldthain entfernt. Doch mit den Trauben aus dem Wedding sind Isele und seine Winzer eng verbunden. Die Winzergemeinschaft Achkarren hat die Rebstöcke im Humboldthain gepflanzt und unterstützt das Projekt bis heute. Sie holt die gelesenen Trauben in Berlin ab, verarbeitet sie zu Wein, den sie dann versektet, lagert und nach etwa einem Jahr als feinperligen, trockenen Sekt in die Hauptstadt liefert. Alles kostenlos. „Der Humboldthainer Hauptstadtsekt liegt uns sehr am Herzen. Wenn man ein solches Projekt in die Wege leitet, dann hängt man auch daran“, erklärt der Geschäftsführer. Für die Winzergemeinschaft bedeutet der besondere Sekt gute Kontakte nach Berlin und natürlich auch Werbung.

Weinlese in der Wiesenstraße. Foto: Hensel
Weinlese in der Wiesenstraße. Foto: Hensel

Bernd Herzig, Winzer der Winzergemeinschaft, kann sich noch genau an den Tag erinnern, an dem die ersten Pflanzen im Humboldthain gesetzt wurden: „Am 15. Mai 1987 haben wir 99 Rebstöcke gepflanzt. Bei Schneegestöber“. 1990 wurden dann die ersten Früchte gelesen. Den Kontakt zwischen den Winzern im Kaiserstuhl und dem Grünflächenamt im Wedding hatte der Bezirksverordnete Edwin Feldner hergestellt. „Er war hier bei uns im Kaiserstuhl im Urlaub, hatte die Idee und hat das Projekt angestoßen“, erzählt Herzig.

Unter Federführung des damaligen Revierleiters Horst Riewendt begann die Zusammenarbeit. Wenn sich die Winzer vom anderen Ende Deutschlands jetzt auf den Weg machen, um die Trauben für den sogenannten Ausbau abzuholen, werden sie den neuen „Humboldthainer Hauptstadtsekt“ im Gepäck haben und das 27. Jahr einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit wird vollendet sein.

Eine Flasche "Humboldthainer Hauptstadtsekt". Er ist begehrt, aber unverkäufllich. Foto: Hensel
Eine Flasche „Humboldthainer Hauptstadtsekt“. Er ist begehrt, aber unverkäufllich. Foto: Hensel

Der Humboldthainer Hauptstadtsekt ist jedoch nicht für den Otto Normalverbraucher. Die Flaschen mit dem Hauptstadtsekts sind nämlich unverkäuflich. Sie lagern im Weinkeller der Bezirks Mitte. Der Bezirksbürgermeister verschenkt den besonderen Sekt aus dem Humboldthain bei offiziellen Anlässen – zu Dienstjubiläen, Verabschiedungen, für Auszeichnungen verdienter Bürger des Bezirks Mitte und als Gastgeschenk für Besuche im Rahmen der Städtepartnerschaften.

Text und Fotos: Dominique Hensel

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