Das Favourites Film Festival kommt in den Wedding

Momentaufnahme aus dem Film "Our Mother", dem Eröffnungsfilm des Favourites Film Festival. Foto: Promo.
Momentaufnahme aus dem Film „Our Mother“, dem Eröffnungsfilm des Favourites Film Festival. Foto: Promo.

Das 2010 gegründete Filmfest trägt zurecht den Namen Favourites Film Festival (FFF). Zu sehen gibt es nur Filme, die auf anderen Festivals vom Publikum ausgezeichnet wurden. Es geht also um Filme, die es ohne Knut Elstermann und Kollegen in die Herzen der Leute geschafft haben. Nun zieht das FFF von Moabit nach Wedding. Am 7. September geht es los mit dem französischen Film „D’une pierre deux coups / Our Mother“. Der Film wird als Deutschlandpremiere im City Kino gezeigt. Das Programm des fünftägigen Festivals verspricht viel Abwechslung (Tickets 6 Euro, Pass 30 Euro). Wir sprachen mit Anna Jurzik, eine der beiden Gründerinnen des Filmfestivals.

Weddingweiser: Wer hat das Favourites Film Festival gegründet und wozu?

Anna Jurzik: Paula Syniawa und ich haben das Favourites Film Festival 2010 in Berlin gegründet und im Spätsommer 2011 erstmals veranstaltet. Wir wollten dem Publikum besondere internationale Festival-Filme präsentieren, die kaum reguläre Kinostarts erfahren – Filme, die es aufgrund der großen Konkurrenz schwer haben, ihr Publikum zu finden und oft erst im Rahmen eines kuratierten Programms genügend Aufmerksamkeit erfahren. Das Publikum stand also von Anfang an in Zentrum und so war uns schnell klar, dass wir auf unserem Festival nur Filme zeigen wollen, die auf anderen Festivals bereits einen Publikumspreis gewonnen haben.

Organisieren das Favourites Film Festival: Paula Syniawa und Anna Jurzik. Foto: Promo.
Organisieren das Favourites Film Festival: Paula Syniawa und Anna Jurzik. Foto: Promo.

Weddingweiser: Heißt das, ihr mögt keine Filme, die einen Jurypreis bekommen haben?

Anna Jurzik: So ist es nicht gemeint. Wir sind einfach von unseren Erfahrungen als ganz normale Besucher von Filmfestivals ausgegangen: Zwischen den großen Branchenfestivals herrscht eine große Konkurrenz um Premieren und Filmemacher. Filme, die keinen deutschen Verleih finden, und es gibt einfach viel zu viele tolle Filme, werden nach ihrer Deutschlandpremiere auf einem Festival überhaupt nicht mehr gezeigt. Den Kürzeren zieht dabei das Publikum, das nicht die Möglichkeit hat, dem jährlichen Festivalkalender hinterher zu reisen.

Weddingweiser: Das ist aber nett von Euch.

Anna Jurzik: Mit dem auf das Publikum ausgerichteten Konzept wollen wir Menschen ansprechen, die sich selbst nicht als Filmnerds oder Cineasten bezeichnen würden, sondern einfach Lust auf emotionale, starke Filme haben. In der Programmauswahl suchen wir deshalb jährlich unter knapp 250 publikumspreisgekrönten Filmen diejenigen heraus, die uns berühren. Filme, die es schaffen, uns in ihre Welten zu ziehen, Fenster in ein anderes Leben öffnen und neue Perspektiven zeigen und die dabei etwas erzählen über die gesellschaftlichen Verhältnisse in dem Land oder dem Milieu, in dem sie spielen.

Weddingweiser: Ihr habt in Moabit gestartet. Warum zieht das Favourites Film Festival in den Wedding ins City-Kino?

Anna Jurzik: Wir hatten fünf wirklich wunderbare Jahre im Filmrauschpalast in Moabit. Nur ist unser Festivalpublikum in den letzten Jahren stetig gewachsen. Wir waren schlicht auf der Suche nach einer größeren Alternative. Das Programm, das Anne Lakeberg und Wiebke Wolter seit knapp zwei Jahren im City Kino Wedding machen, hat uns von Anfang an sehr sehr gut gefallen und die beiden waren sofort total offen für die Idee, dem Favourites Film Festival eine neue Heimat zu bieten.

Weddingweiser: Auf Eurer Webseite fffberlin.de ist zu lesen, dass Euer Filmfestival auch in Bremen zu sehen ist. Warum?

Anna Jurzik: Es war von Anfang an Teil unserer Idee, das Festival nicht nur in einer Stadt zu veranstalten, sondern diese besonderen Filme, die wir auswählen und von denen und jeder einzelne an Herzen liegt, direkt zum Publikum zu bringen, damit so viele Menschen wie möglich die Chance haben, sie zu sehen. Seit 2013 gibt es das Favourites Film Festival auch in Bremen. Und wir hoffen in den kommenden Jahren eine dritte Stadt hinzunehmen zu können.

Weddingweiser: Werden Promis auf Eurem Festival erwartet?

Anna Jurzik: Welche Filmemacher kommen, steht noch nicht zu 100 Prozent fest. Sobald wir Zusagen haben, schreiben wir dies auf unsere Webseite www.fffberlin.de und posten es auf Facebook. Auf unserer Webseite steht auch das gesamte Festivalprogramm mit den zugehörigen Sonderveranstaltungen mit Drehbuch-Lesung, Filmquiz, Kurzfilmen und natürlich einer Party. Und zu jedem der neun Langfilme steht eine kurze Beschreibung.

Klick auf dieses Bild öffnet das Programmheft des Favourites Film Festival. Grafik: Promo.
Klick auf dieses Bild öffnet das Programmheft des Favourites Film Festival. Grafik: Promo.

Weddingweiser: Gibt es einen thematischen Schwerpunkt im diesjährigen Programm?

Anna Jurzik: Deutlicher denn je: Familie. Alle neun Langfilme, egal ob aus Korea, dem Libanon, Venezuela, Frankreich, Afghanistan oder Island, erzählen von den unterschiedlichsten Familienmodellen. Es geht um Familiengeheimnisse und Familienbande, um zerbrochene Familien, um das Lossagen von der Familie und um das Ankommen in einer Ersatzfamilie, um den Kampf für und gegen die Macht der Familie, um die Einsamkeit innerhalb der Familie und um Mut zur Gründung einer eigenen Familie. Dieser Schwerpunkt hat sich ganz natürlich im Laufe der Programmauswahl ergeben, und wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen unseres Publikums! Es werden auf jeden Fall aufregende fünf Tage ab dem 7. September.

LINKS

Webseite des Favourites Film Festival und die zugehörige Facebook-Seite.

Webseite des Veranstaltungsortes City Kino Wedding.

Interview: Andrei Schnell, Foto: Promo

Nachtrag am Ende des Festivals:

An allen Tagen waren die Festivalbesucher dazu aufgerufen, die Dokumentar- und Spielfilme des Hauptprogramms auf Stimmzetteln zu bewerten. Der iranische Dokumentarfilm Sonita erhielt mit 4,7 von 5 möglichen Sternen im Durchschnitt die beste Punktzahl. Der Film von Regisseurin Roksareh Ghaem Maghami begleitet die gleichnamige 19-jährige afghanische Rapperin, die als illegale Migrantin in Teheran lebt und mit mutigen Texten für ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Die Zuschauer zeigten sich tief beeindruckt und bewegt vom Schicksal der jungen Frau und drückten dies nicht nur in Form ihrer Stimmzettelbewertungen, sondern auch in langen Gesprächen im Anschluss an die Vorführung aus.

Das neue Festivalkino, das City Kino Wedding, wurde vom Publikum begeistert angenommen. Erstmals nahmen auch besonders viele Geflüchtete die Einladung des Festivals wahr, die Vorstellungen kostenfrei zu besuchen – ein Angebot, das seit dem ersten Jahr zum Festivalkonzept gehört.
Insgesamt waren die fünf Festivaltage erneut von einer überaus herzlichen, kommunikativen Atmosphäre geprägt und sowohl das Filmprogramm als auch die Filmgespräche sind beim sehr diversen Publikum auf großes Interesse gestoßen.

Die französische Regisseurin Fejria Deliba, die zur Festivaleröffnung die Deutschlandpremiere ihres Regiedebütfilms D’une pierre deux coups / Our Mother präsentierte und in Begleitung ihres Darstellers Farid Bouzenad angereist war, zeigte sich tief gerührt vom Zuspruch des Publikums und der besonderen Atmosphäre des Festivals: „Was für ein Empfang! Ein Festival, das von Anna Jurzik und Paula Syniawa mit großer Leidenschaft geleitet wird und die von einem hinreißendem Team mitgetragen wird.“

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: