David gegen Goliath am Vinetaplatz

Hier gehört er eigentlich hin, der Müll. Nicht auf die Straße. Foto: Dominique Hensel
Hier gehört er eigentlich hin, der Müll. Nicht auf die Straße. Foto: Dominique Hensel

Überall dieser Müll! Aber Cecilia Stickler will nicht meckern. Seit fünf Jahren sammelt sie den Müll vor ihrem Haus im Brunnenviertel stattdessen auf. Für ihr Engagement hat sie gerade den Umweltpreis Mitte bekommen. Doch es ist nicht Freude, die Cecilia Stickler in diesem fiktiven Brief an sagenhaften David ausdrückt. Sie ärgert sich vollmundig über einen Nachbarn und den gemeinsamen Vermieter, weil sie sich durch sie beide in ihrem Engagement behindert fühlt. Auch die BSR sieht sich veranlasst, etwas für Cecilia Stickler zu tun.

„Lieber David, sei mir nicht böse, wenn ich mich mit Dir so ein klitzekleines bisschen vergleiche, aber: Ich wohne seit fünf Jahren hier im Brunnenviertel – am schönen, grünen Vinetaplatz. Fühle mich dort sehr wohl. Echt! Nur: der Müll stört mich. Und ehe ich groß lamentiere, habe ich mir von der Berliner Stadtreinigung Greifer und Tüten geben lassen und so gehe ich seit fünf Jahren früh am Morgen – wenn man älter wird, schläft man halt nicht so viel – und sammele unendlich viele Eispackungen, Kaffeebecher, Tempos und was der Mensch sonst noch nicht mehr braucht, auf.

Cecilia Stickler beim Müllsammeln am Vinetaplatz. Foto: D. Hensel
Cecilia Stickler beim Müllsammeln am Vinetaplatz. Foto: D. Hensel

Nun gut, die Zeit verging, ich freute mich ganz bescheiden, wenn morgens die Spielplätze und der Vinetaplatz sauber waren. Oft bedankten sich Anwohner freundlich. Aber nun fand mein Nachbar, dass es an der Zeit war, einen neuen Streit mit mir anzufangen. Wir haben schon viele schwachsinnige Fights gehabt, und unser gemeinsamer Vermieter knickt jedes Mal ein und gibt ihm Recht – egal wie schwachsinnig der Streit war. Dieses Mal beschloss er, mich bei der Wohnungsbaugesellschaft wieder mal anzuzeigen, weil ich – aus seiner Sicht rotzfrech – den Müll in unseren Hausmüll entsorgte. Die Wohnungsbaugesellschaft sandte mir postwendend eine schriftliche und offizielle Untersagung zu, mit dem Vorschlag, ich könne doch den Müll sortieren.

Packungen in die gelbe Tonne – diese würde keine Kosten verursachen (seit wann ist sie umsonst?) und den Rest könnte ich doch in die orangefarbenen, öffentlichen Abfalleimer mit der klitzekleinen Öffnung reinquetschen. Doch die werden von meinen Mitmenschen offenbar bei Testosteronabbau gerne immer wieder aufgetreten, so dass der Müll wieder auf der Straße liegt. Ich sah mich schon dort stehen, Hundekackbeutel rechts, Kaffeebecher links, volle Windel (hoffentlich platzt sie nicht..) rechts, leere CapriSonne-Tüte links. Netterweise bot man mir gleichzeitig an, mir mehrere Greifer und Tüten zur Verfügung zu stellen. Mir ist noch nicht ganz klar, was ich jetzt mit meinem Müllsammel-Verbot anfangen soll. Hilft mir jemand das zu erklären?

Cecilia Stickler (3. von rechts) bei der Verleihung des Umweltpreises Mitte im Schul-Umwelt-Zentrum.
Cecilia Stickler (3. von rechts) bei der Verleihung des Umweltpreises Mitte im Schul-Umwelt-Zentrum.

Die Tatsache, dass ich mit einigen fleißigen Vinetaplatz-Kümmerern soeben den ersten Preis in der Kategorie Initiativen des Umweltpreises Berlin-Mitte 2016  gewonnen habe, hat den Kleinkrieg nicht beeinflusst. Alle Versuche einzulenken sind bis jetzt gescheitert. Im Wind flattern die Plastiktüten und die Tempotücher, die Kaffeebecher rollen so still vor sich hin … Unser Vermieter sitzt den Kampf aus. Still ruht der See und ich frage mich, warum der Nachbar immer Recht bekommt. Was hat er, was ich nicht habe? Und lieber David – hier trennen sich unsere Wege. Anders als du habe ich leider nicht gewonnen…  Soll der Vinetaplatz doch in Müll ersticken!“

Zwischenzeitlich hat die BSR auf diesen Beitrag reagiert.Es kann eben der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt, schreibt uns die Pressesprecherin Sabine Thümler. „Wir finden das Engagement von Frau Stickler super. Eine Mülltonne stellen geht leider nicht – damit müssten wir ja auf den Müllplatz und dann schmeißt vielleicht der besagte Nachbar seinen Müll da rein oder beschwert sich, dass dafür der Platz genutzt wird.“ Trotzdem möchte die BSR das Engagement von Frau Stickler unterstützen: „Wir freuen uns natürlich über jeden und jede, die als ‚Kehrenbürger‘ mit uns an einem sauberen Berlin arbeitet. Daher würden sich die Kollegen/innen vom zuständigen Standort gern zwecks Absprache mit Frau Stickler in Verbindung setzen.“

Text: Cecilia Stickler, Redaktion Weddingweiser, Fotos: Dominique Hensel

6 comments

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  2. m.neumärker

    könnte die stadtreinigung nicht einen großen container( zb. auf einem friedhofspflegeplatz o. ä.) aufstellen ?
    ich habe das im ausland (kanaren ) erlebt , jeder kann dort seinen müll hineingeben, und es wird regelmäßig abgeholt.
    als ehemalige hausbesitzerin ist mir schon begreiflich, dass der vermieter sich gegen den zusätzlichen müll wehrt , er benötigte dann bestimmt bald größere müllbehälter, was wiederum mit mehrkosten verbunden ist.
    leider leben wir in einer (scheißegal-u. ) wegwerfgesellschaft , in der das gefühl für allgemeinwohl abhanden gekommen ist…….
    es hängt bestimmt auch mit dem sozialen hintergrund zusammen , wie junge menschen erzogen worden sind., welche vorbilder sie haben….usw.
    aber es gibt grund zur hoffnung ,………die jungen eltern leben viel bewußter (öko-und biotrend) bleibet nur zu hoffen, dass es sich auch generationsübergreifend durchsetzen kann und zum mit-und nachmachen animiert.

    • Cecilia

      Es ist nicht so, dass eine größere Tonne gebraucht wird. Es ist eine Frage ob sie zu 8/10 gefüllt ist oder 9/10. Es ist also reine Schikane von meinem fiesen Nachbarn. Aber ich habe Hoffnung dass sich was ändert, degewo und BSR sind jetzt beide am überlegen, wie man das Wahnsinnsproblem lösen kann.

    • Cecilia

      Naja, ich hoffe ja immer noch auf eine Wende und es sieht aus als ob was kommt. degewo und BSR sind jetzt beide bemüht und dann, ja dann sammle ich weiter :-))

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: