Die Flaktürme

flaktürme10Michael Foedrowitz ist Autor des Buches „Die Flaktürme. Berlin, Hamburg, Wien“. Er hat für sein Buch sehr viele Fotos zusammengetragen, 449 davon wählte er für den Druck aus. Darunter sind einige seltene Farbaufnahmen. Im April diesen Jahres ist es in der Edition Berliner Unterwelten erschienen. 30 Euro kostet das etwa A4 große, broschürte Buch. Es beantwortet alle Detailfragen zum Hochbunker im Humboldthain und erweckt auch die damalige Zeit zum Leben.Jede Behauptung, aber auch wirklich jede Aussage ist in „Die Flaktürme“ belegt. Denn der Autor, der 1953 geborene Michael Foedrowitz, hat ein vollständiges Geschichtsstudium absolviert hat. Und weil er keinen Beleg finden konnte, erklärt er in einer Seitennotiz den Spruch Hermann Görings „Wenn nur eine Bombe auf eine deutsche Gr0ßstadt fallen sollte, will ich Meier heißen“ zu einer Legende.

Um Bomben auf deutsche Großstädte zu verhindern, hatte Hitler am 9. September 1940 den Bau von Hochbunkern mit Flugabwehrkanonen (Flak) befohlen. Michael Foedrowitz füllt wie ein Archivar  250 Seiten zu diesem Thema – man hat als Leser das Gefühl, wirklich alles Material dazu vorzufinden.

flaktürme20Inhalt von „Die Flaktürme“

Das Buch behandelt den Bau, die militärische Besatzung, die Zeit im Krieg (um nicht zu sagen: die Nutzung), die letzten Kriegswochen und die Sprengversuche in den 1940er Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Stärke des Buches sind die vielen Fotos, die Michael Foedrowitz gesammelt hat. Zum Beispiel findet sich gleich auf Seite acht ein vollseitiges Foto eines Bombenschaden in der Brunnenstraße 84 – gegenüber dem AEG-Tor. Bei den ersten Luftangriffen auf Berlin waren eingestürzte Miethäuser noch Sehenswürdigkeiten und zogen Schaulustige an.

Lesenwert sind die vielen und umfangreichen Berichte von Zeitzeugen, die in die in dem Buch zitiert werden. Das Buch druckt Ausschnitte historischer Briefe genauso wie Erinnerungen späterer Zeit. Was die vielen technischen Details zu Flak und Bunker nicht vermögen, das gelingt durch den Augenzeuenbericht: Der Leser bekommt ein Gefühl für die Zeit, für den Alltag, für die Abläufe, für die Umstände. Besonders drastisch zum Beispiel die Erinnerung aus den Kämpfen im Mai 1945, als buchstäblich bis zur letzten Patrone rund um den Hochbunker Humboldthain geschossen wurde. Unteroffizier Wolfgang Karow erinnert sich: „Stumm standen wir mit gemischten Gefühlen, unsere Waffen noch behaltend, zwischen den Russen. Was sollten wir tun – mit ihnen glücklich sein, noch zu den Lebenden zu gehören, oder über unser Schicksal trauern? Wir wussten es nicht.“

Schwerpunkt

Das Buch widmet sich auch den anderen Berliner Flaktürmen, die im Friedrichshain und im Zoo standen. Und ebenso behandelt es die Flaktürme in Hamburg und Wien. Aber der Hochbunker im Humboldthain nimmt verhältnismäßig viel Platz im Buch ein.  Für das Cover entschied sich der Autor allerdings für eines der wenigen Farbfotos. Das Coverfoto zeigt einen mit Blick vom Hochbunker am Berliner Zoo.

Das Buch „Die Flaktürme“ ist auf ein sehr enges Spezialgebiet beschränkt. Wenn man anschließend (oder zuvor) Ausschnitte aus Hans-Ulrich Thamers „Verführung und Gewalt“ oder Heinrich August Winkler „Der lange Weg nach Westen“ liest, dann ergibt sich ein vollständiges Bild der NS-Zeit am Beispiel Flakturm Humboldthain.

Verkauf

Erhältlich ist das Buch im Verkaufspavillon der Berliner Unterwelten e.V. in der Brunnenstraße 105 und im Buchhandel. Es kostet 30 Euro, hat 248 Seiten mit 449 Abbildungen. ISBN: 978-3-943112-03-0.

Flakturm Gesundbrunnen 1943
Flakturm Gesundbrunnen 1943

LINKS

Der Verein Berliner Unterwelten e.V. beschreibt auf seiner Webseite ebenfalls das Buch: „Die Flaktürme“.

Autor: Andrei Schnell, Fotos oben und mitte: Unterwelten e.V.; Foto unten: Heinz Radtke

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