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Die Weddinger Wurzeln des Volksentscheid Fahrrad

10. Mai 2016
Volksentscheid Fahrrad - Kernteam
Volks­ent­scheid Fahr­rad – Kernteam

Unüber­sicht­li­che Kreu­zun­gen, nicht vor­han­de­ne Rad­we­ge, rück­sichts­lo­se Auto­fah­rer. Fahr­rad­fah­rer in Ber­lin haben es mit­un­ter schwer. Um dies zu ändern, hat sich unter ande­rem im Wed­ding die Ber­li­ner Initia­ti­ve Volks­ent­scheid Fahr­rad gegrün­det. Für die nächs­te Etap­pe auf dem Weg zu einem Rad­ver­kehrs­ge­setz brau­chen die Initia­ti­ve nun offi­zi­ell 20.000 gül­ti­ge Unter­schrif­ten – in den nächs­ten sechs Mona­ten. Wir haben mit einer der Wed­din­ger Grün­de­rin­nen Kers­tin Stark gespro­chen und mit ihr über den Kiez und ihr Enga­ge­ment gesprochen.

Drei Fragen an die Weddingerin Kerstin Stark, Mitbegründerin der Initiative

Wie hast Du von der Initia­ti­ve gehört?

Ich bin in der Stadt­teil­ver­tre­tung mensch.müller und enga­gie­re mich ins­be­son­de­re im Bereich Ver­kehr und Öffent­li­cher Raum. Außer­dem for­sche ich zu Mobi­li­tät – und schrei­be mei­ne Dok­tor­ar­beit zu den Bedin­gun­gen einer sozia­len und öko­lo­gi­schen Mobi­li­tät. In die­sem Zusam­men­hang bin ich mit Herrn Strö­ßen­reu­ther und ande­ren Akti­ven des VEF in Kon­takt gekommen.

Nun gehö­re ich zum Kern­team der Initia­ti­ve Volks­ent­scheid Fahr­rad (VEF). Sei­nen Anfang genom­men hat der VEF mit einem Work­shop-Wochen­en­de, zu dem besag­ter Hein­rich Strö­ßen­reu­ther ein­ge­la­den hat­te. Mit einer über­schau­ba­ren Zahl von etwa 30 Leu­ten aus dem Spek­trum Stadt­teil­po­li­tik und Fahr­rad­ak­ti­vis­mus im Novem­ber 2015. Es ging dar­um, 10 Zie­le zu for­mu­lie­ren, wie in Ber­lin eine Ver­kehrs­wen­de erreicht wer­den könn­te. Dar­aus ging ein Kern­team her­vor, das im Lau­fe der Mona­te wei­ter­ge­wach­sen ist und sich in viel­fäl­ti­ge Arbeits­grup­pen aus­dif­fe­ren­ziert hat.

Was hat Dich dazu bewo­gen, mitzumachen?

Volksentscheid Fahrrad, 'Gesetzes-Hackathon', 16/17. Januar 2016
Volks­ent­scheid Fahr­rad, ‘Geset­zes-Hacka­thon’, 1617. Janu­ar 2016

Ich möch­te eine Ver­kehrs­wen­de in Ber­lin. Mich stö­ren die vie­len Autos, der Lärm, die Abga­se und dass sie über­all par­ken und ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern die Sicht neh­men. Als Fuß­gän­ge­rin und Rad­fah­re­rin füh­le ich mich durch die ein­sei­ti­ge, auf KfZ fixier­te Ver­kehrs­po­li­tik in Ber­lin benach­tei­ligt. Der Rad­ver­kehr, obwohl kos­ten­güns­tig, umwelt- und kli­ma­freund­lich, und obwohl immer mehr Men­schen in Ber­lin rad­fah­ren, wird kaum geför­dert. Die Rad­ver­kehrs­stra­te­gie des Senats liest sich gut, das Pro­blem ist die man­geln­de und unzu­sam­men­hän­gen­de Umset­zung. Mit dem direkt­de­mo­kra­ti­schen Instru­ment des Volks­ent­scheids wol­len wir Druck auf die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger aus­üben – damit sich end­lich ernst­haft etwas für den Rad­ver­kehr in Ber­lin tut.

Ber­lin ist wie gemacht für eine fahr­rad­freund­li­che Stadt: sehr flach, viel Grün, eine poly­zen­tri­sche Struk­tur. Das heißt, vie­les lässt sich im Stadt­teil oder sogar im Kiez erle­di­gen. Das bedeu­tet kur­ze Wege. Wenn nun noch die rich­ti­ge Infra­struk­tur bereit­ge­stellt wird, so dass alle Alters­grup­pen, auch Kin­der und Senio­ren im All­tag sicher und kom­for­ta­bel Rad fah­ren kön­nen, wird Ber­lin noch lebenswerter.

Wo wür­de Dein Kiez von einem Rad­fah­rer­ge­setz kon­kret profitieren?

Ich woh­ne im Gebiet der obe­ren Mül­lerstra­ße, nörd­lich. Täg­lich fah­re ich die Mül­lerstra­ße ent­lang, um ins Büro, zum Bahn­hof oder zum Ein­kau­fen zu kom­men. Gera­de dort, wo sie die See­stra­ße kreuzt, die Rad­spur plötz­lich endet und sich die Spur dadurch nach der Kreu­zung ver­engt, gibt es immer wie­der die Situa­ti­on, dass mich ein Auto­fah­rer scharf über­holt. Ein klei­ner Schlen­ker nach links, wegen eines Hub­bels z.B. kann dann genü­gen, um erfasst zu wer­den. Die Kreu­zung gehört ins­ge­samt zu den Unfall­schwer­punk­ten Berlins.

Das Rad­ver­kehrs­ge­setz, das wir aus­ge­ar­bei­tet haben und über das Ber­lin schließ­lich abstim­men soll, ent­hält vie­le Punk­te, die sol­che Gefah­ren­zo­nen besei­ti­gen wer­den. Auf allen Haupt­stra­ßen, also auch auf der Mül­lerstra­ße, soll es zwei Meter brei­te Rad­we­ge geben, die vom Auto­ver­kehr getrennt sein sol­len. Zudem soll es ein ber­lin­wei­tes Netz aus Fahr­rad­stra­ßen geben, auf denen Rad­fah­ren­de ent­spannt und sicher in ver­kehrs­be­ru­hig­tem Ambi­en­te die Stadt erschlie­ßen kön­nen. Die Aus­wei­sung von Fahr­rad­stra­ßen ist eigent­lich schnell gemacht, sofern der poli­ti­sche Wil­le da ist. Es sind kei­ne auf­wen­di­gen Bau­maß­nah­men nötig, aber der Effekt gera­de für die Ver­kehrs­si­cher­heit ist enorm. Die Togo­stra­ße z.B. soll schon lan­ge zur Fahr­rad­stra­ße wer­den, bis­her ist nichts pas­siert. Mit dem Rad­ver­kehrs­ge­setz wür­de die­sen Din­gen die ange­mes­se­ne Prio­ri­tät ein­ge­räumt werden.

Aktu­ell

Inzwi­schen ist unter Mit­wir­kung von Akti­vis­ten vom Senat ein Ent­wurf für ein Rad­ge­setz erar­bei­tet wor­den (Link)

VEF-Logo


Vie­len Dank, Kers­tin Stark, für das Interview.
Bil­der: Initia­ti­ve Volks­ent­scheid Fahrrad

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