Atti’s Café ist auch Kaffeeröster „KAWA“

Inhaber und Stammgast von Attis Cafe wollen zeigen, dass der selbst geröstete schmeckt. Foto Andrei Schnell.
Inhaber und Stammgast von Atti’s Café wollen zeigen, dass der selbst geröstete schmeckt. Foto Andrei Schnell.

Craft-Beer, Repair-Café, Tomaten vom Hochbeet in der Stadt – die Leute wollen die Dinge wieder selber in die Hand nehmen. Oder zumindest wollen sie sehen können, wie Produkte von Hand entstehen. Ob Kaffee das nächste Produkt ist, bei dem die Kraft der Marke nicht länger darüber hinwegtäuscht, dass einem standardisiertes Produkt vom Fließband irgendwie nicht Hand und Fuß hat? Atti’s Café in der Drontheimer Straße setzt seit Februar 2016 auf eigene Herstellung. Inhaber Kacper Czachowski (sprich: Kaspar Schachowski) röstet eigenen Kaffee. Er vertraut dabei auf Offenheit und kleine Mengen. Gegen 11 Uhr startet er die täglichen Röstungen mit je einem Kilogramm Kaffee. Und die Gäste dürfen zusehen, wie die Bohnen langsam rösten. Das Rösten selbst übernimmt natürlich eine Maschine, aber das Drumherum ist Handarbeit. Und warum Facebook und Co. nur das halbe Leben sind, spürt man schon an der Kreuzung Drontheimer Straße und Osloer Straße. Wenn in Atti’s Café gegenüber vom DRK-Krankenhaus geröstet wird, dann zieht der Duft weithin durch die Drontheimer Straße bis zur besagten Kreuzung. Duft und Geschmack sind Dinge, die online nicht vermittelt werden können. Man muss eben selbst schnuppern und dazu Atti’s Café selbst besuchen. Am besten betritt man den engen Laden am späten Vormittag. Inhaber Kacper Czachowski röstet beinahe täglich ab ungefähr 11 Uhr. Seit Februar hat er seine eigene Röstmaschine. Bewusst hat er eine relativ kleine Maschine gekauft, die pro Röstung nur ein Kilogramm Kaffee schafft.

Die Bohnen werden in Attis Cafe langsam braun. Fotomontage Andrei Schnell.
Die Bohnen werden in Atti’s Café nur langsam braun. Fotomontage Andrei Schnell.

Eine Viertelstunde für ein Kilo Kaffee

Wobei das Wort „nur“ aus Sicht des Polen Kacper Czachowski falsch ist. Es geht ihm gerade nicht darum, große Mengen zu verbraten. Außerdem legt er wert auf eine langsame Röstung. „Ich röste fast 15 Minuten, die Industrie röstet bloß einige Sekunden bis wenige Minuten.“ Er glaubt, durch niedrigere Temperaturen und längere Röstzeit, weniger Bohnen zu verbrennen. Auf rund 260 Grad wird die Luft erhitzt, die die Bohnen durch die Luft wirbeln und langsam bräunen. „Bis zum First Crack, wie man so sagt“. In der Industrie seien es 400 Grad.

Kacper Czachowskis Lieblingskaffee

Drei Mischungen bietet Atti’s Café unter der Marke KAWA Kaffeemanufaktur an. Die Preise liegen bei 15 Euro für das halbe Kilo. Kacper Czachowski verkauft seine Mischungen an Privatpersonen und an Restaurants. Der 27-jährige, der vor 13 Jahren aus einem kleinen Ort bei Warschau nach Berlin zog, ist bekennender Espresso-Fan. Er trinkt drei bis vier Doppelte pro Tag. „Ich habe keine bevorzugte Mischung, ich spiele ganz viel“, antwortet er auf die Frage nach seiner Lieblingssorte. „Auf jeden Fall schwarz, ohne Milch“, verrät er. Wer in der Regel nur eine Espresso pro Tag trinkt, der wird darüber staunen, Atti’s Kaffeeröstungen sind nicht von schlechten Eltern, wie man so sagt.

Fünf Jahre Atti’s Café

Atti’s Café in der Drontheimer Straße 1 b ist ein Familienunternehmen. Kacper Czachowski steht hinter dem Tresen, seine Mutter backt Kuchen, seine Schwester macht Design und Medien, seine Frau hilft ebenfalls mit. Am 1. Mai feierte Atti’s Café fünf Jahre Eröffnung. „Am 1. Mai gingen wir auf Facebook online, am 2. Mai 2011 öffneten wir das erste Mal unsere Türen“, sagt Kacper Czachowski. Eine zweite Filiale im Prenzlauer Berg ist erst drei Jahre alt. In gewisser Weise ist die Röstmaschine also ein Geburtstagsgeschenk des Cafés an sich selbst.

Atti's Café in der Drontheimer Straße gleich hinter der Bushaltestelle. Foto Andrei Schnell.
Atti’s Café in der Drontheimer Straße gleich hinter der Bushaltestelle. Foto Andrei Schnell.

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Ein älterer Beitrag auf dem Weddingweiser zu Atti’s Café.

Eine Karte mit den aktuell vier Kaffeeröstereien im Wedding: Selbströster.

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