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Amtsdeutsch für Anfänger

23. April 2016
Das Lotsenbüro in der Putbusser Straße. Foto: Michael Becker
Das Lot­sen­bü­ro in der Put­bus­ser Stra­ße. Foto: Micha­el Becker

Die Inte­gra­ti­ons­lot­sin­nen in der Put­bus­ser Stra­ße wei­sen Zuge­wan­der­ten den Weg durch die Behördenwelt.

„Guten Mor­gen, Zahra“, begrüßt Sel­da San­li ihre Kli­en­tin zu Beginn des ver­ein­bar­ten Ter­mins, und sofort machen sich die bei­den Frau­en an das Aus­fül­len eines kom­pli­zier­ten For­mu­lars. Sel­da erklärt, was in die ein­zel­nen Zei­len ein­ge­tra­gen wer­den muss, Zahra schreibt.

Sel­da San­li ist eine von acht Inte­gra­ti­ons­lot­sin­nen des Pro­jekts „die brü­cke“, die ihr Büro in der Put­bus­ser Stra­ße haben. Sie hel­fen Migran­ten zu ver­ste­hen, wie die deut­schen Behör­den funk­tio­nie­ren. Sie spre­chen mehr als zehn Spra­chen, vor allem Tür­kisch, Ara­bisch, Per­sisch (Far­si), Grie­chisch, Eng­lisch und Fran­zö­sisch. Wer­den wei­te­re Spra­chen benö­tigt, sprin­gen Mit­ar­bei­ter aus den ande­ren Büros in Mit­te ein.

Die Integrationslotsinnen. Foto: Michael Becker
Die Inte­gra­ti­ons­lot­sin­nen. Foto: Micha­el Becker

Die Lot­sin­nen sind Sprach- und Kul­tur­mitt­le­rin­nen zwi­schen ihren Kli­en­ten und der öffent­li­chen Ver­wal­tung, bei Bedarf beglei­ten sie sogar zum Amt. Eine Bera­tung etwa in Rechts­fra­gen bie­ten sie jedoch nicht an, und auch Dol­met­scher­diens­te gehö­ren nicht zu ihren Auf­ga­ben. Die Unter­stüt­zung durch die Lot­sen ist für die Kli­en­ten kos­ten­los. „Vie­le mei­ner Kun­den kom­men immer wie­der“, sagt Sel­da San­li. Ziel sei es aber, die Hil­fe­su­chen­den zu befä­hi­gen, For­mu­la­re selbst aus­zu­fül­len, ihnen das Selbst­ver­trau­en zu geben, es allein zu schaf­fen. „Denn irgend­wann muss die Unter­stüt­zung durch die Lot­sen enden“, erklärt Sanli.
Der Bedarf ist groß, die Fra­ge­stel­lun­gen sind so viel­fäl­tig wie die Men­schen selbst. Die meis­ten Anlie­gen haben mit Finanz­fra­gen zu tun, zum Bei­spiel hel­fen die Lot­sen bei der Bean­tra­gung von ALG II oder unter­stüt­zen bei Pro­ble­men mit Han­dy­ver­trä­gen, Mie­te, Strom- oder Gas­rech­nun­gen. Die Lot­sin­nen sind selbst Zuge­wan­der­te. Sie neh­men an Basis­qua­li­fi­zie­run­gen teil und erhal­ten Schu­lun­gen etwa vom Bezirks­amt Mit­te. Durch ihre vie­len Pra­xis­er­fah­run­gen wis­sen die Inte­gra­ti­ons­lot­sen manch­mal sogar bes­ser Bescheid als die Ämter. „die brü­cke“ ist ein Pro­jekt der bil­dungs­markt wal­den­ser gmbh und wird von der Senats­ver­wal­tung für Arbeit, Inte­gra­ti­on und Frau­en gefördert.

Zahr­as For­mu­lar ist aus­ge­füllt, Kopien von allen wich­ti­gen Unter­la­gen sind fer­tig. Sel­da spricht ihrer Kli­en­tin Mut zu: „Mach dir kei­ne Sor­gen! Du gehst gut vor­be­rei­tet ins Amt.“ Zahra lächelt erleichtert.

Put­bus­ser Stra­ße 27, Mon­tag bis Frei­tag von 9 bis 15.30 Uhr geöff­net, Tele­fon (030) 50 34 41 48,        E‑Mail: [email protected]

Der Text stammt aus der Früh­lings­aus­ga­be des Kiez­ma­ga­zin brun­nen. Autorin ist Susan­ne Bür­ger, die Fotos von Micha­el Becker.

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