Das fehlende Grau – Im Gespräch mit Schauspielerin Sina Ebell

Am Freitag zeigt das City Kino den Film „Das fehlende Grau“. Ich traf Sina Ebell, die Hauptdarstellerin, die passenderweise aus dem Wedding kommt – und an diesem Freitag im Kino zu Gast ist. Ich könnte schreiben, wir hätten für das Interview stilecht im Kino gesessen, ganz leer, nur rote Sessel. Saßen wir aber nicht. Draußen, neben dem City Kino, ist eine sonnige Grasfläche, da haben wir viel geredet und einige Zigaretten geraucht. Und ein Lied aus dem Kinderchor des DDR-Fernsehens gesungen, in dem Sina mitwirkte. „Es ist ja auch perfekt, dass der Film im Rahmen der Premieren hier im Wedding gezeigt wird. Hier wohne ich und außerdem ist das Kino wirklich hübsch, ein Original“, sagt die Urberlinerin. Einen Aufwachsabstecher hat sie im Ruhrpott gemacht, bevor es nach Stuttgart an die Theaterschule ging. Seit zwei Jahren ist sie wieder in Berlin und neben vielen Projekten auch Mitglied des Performance-Kollektivs „Die Happy Few“.

Das fehlende Grau im City Kino
Sina Ebell vor dem Film

Wie kamst Du zum Schauspiel? Nachdem ich entschieden hatte, die Schule nach der zehnten Klasse zu verlassen – das war schlicht und einfach besser so – habe ich im Theater angefangen, nebenbei zu arbeiten, im Grillo-Theater Essen. Während die anderen Abi gemacht haben, half ich bei der Kostümbildnerin aus, habe mit Schauspielern die Rollen einstudiert. Dort wurde man schließlich auf mich aufmerksam, dass ich Pfiff habe und was kann – ich wurde für meine Arbeit richtig gelobt. Das zeigte mir im Grunde, wohin mein Weg gehen soll. In Stuttgart habe ich dann schließlich das Schauspiel erlernt.

Und warst direkt danach zwei Jahre Ensemblemitglied in Düsseldorf! Genau. Aber dann wurde es Zeit für etwas anderes, ich wollte mich umsehen, schauen, was es noch für Möglichkeiten gibt. In dieser Zeit ist das Kollektiv „Die Happy Few“ entstanden, mit der wir die statische Grenze zwischen Schauspielern und Zuschauern, die Distanz auflösen. Und in dieser Zeit meiner neuen Möglichkeiten gaben mir Nadine (Heinze) und Marc (Dietschreit), die Regisseure von „Das fehlende Grau“, ihr Drehbuch in die Hand. Und ein Kinofilm, das hat mich schon gereizt. Dazu stellte die Rolle eine Herausforderung dar. Während des Drehs dachte ich immer wieder nach, über Menschen, die wirklich so sind, so extrem handeln wie meine Figur.

Wie schaltet man nach einem Drehtag ab? Nimmt man das nicht alles mit nach Hause? Tatsächlich war ich in der Zeit einmal mehr dankbar für meine Freunde. Es hat wahnsinnig geholfen, sich abends über das Erlebte und Erfahrene auszutauschen. Wir haben uns viel und lange über verschiedene Gedanken unterhalten. Wenn man 15 Aufnahmen lang zu einem Menschen sagt: „Du stinkst nach Kotze, Du stinkst, Du stinkst nach Kotze …“, dann reagiert der Körper irgendwann wirklich darauf. Im Gespräch kann ich also zur Ruhe kommen.

Warum sollten wir uns „Das fehlende Grau“ ansehen? Wenn man Lust hat, sich einen Film anzusehen, der nicht reine Unterhaltung ist, sondern ein gewisses Aushalten abverlangt. Außerdem ist es ein Film, in dem auch viel Liebe und Hingabe von allen Seiten hinter der Kamera steckt. Ein intensives Projekt, das nun nach langer Arbeit Realität zum Ansehen geworden ist.

Bis Freitag dann! Um 20:30 Uhr im City Kino: Das fehlende Grau. Für danach: 4. Juli um 21:15 im City Kino: Das fehlende Grau. Text und Bild: Simone Lindow

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