Die Kolumne: Wenn ein Kiez erwachsen wird

Verstetigung – oder was auch immer das bedeutet

Auch ein Produkt der Förderung: der Sprengelkiez
Auch ein Produkt der Förderung: der Sprengelkiez

So ein Quartiersmanagement ist eine feine Sache. In Stadtgebieten eingesetzt, in denen der soziale Schnellkochtopf gehörig unter Dampf steht, soll es lokale Akteure vernetzen, Geld für Nachbarschafts- und andere Projekte verteilen und am Ende eine lebenswerte Alltags-Atmosphäre herbeiführen. Wenn das nach Meinung der Verwaltung gelungen ist, zieht sie sich zurück und überlässt es den Einwohnern, sich um sich selbst zu kümmern. Das Ganze nennt sie Verstetigung. Die hat nun den Sprengelkiez erreicht, Anfang 2017 ist Schluss mit lustig. Dann sollen die aufgebauten Strukturen in der Lage sein, auch ohne Quartiersmanagement zu funktionieren. Das führt gerade bei vielen Engagierten im Kiez zu Panik, sie fühlen sich vom System im Stich gelassen. Narcisse Djakam, Geschäftsführer der Bürgerplattform Integritude, meint nun, dass er in dieser Entwicklung eher eine Chance sieht für weniger Bürokratie, für einen Neuanfang, für Eigenständigkeit. Man könnte auch sagen, ein Kiez muss lernen, erwachsen zu werden.

Autor. Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding

Informationsreihe zur Verstetigung
„Verstetigung im SprengelKiez – Wie geht das?“
 
Berlin-Wedding. Am 6. Mai 2015 werden im Rahmen der vom Quartiersmanagement Sparrplatz geplanten Informationsreihe „Verstetigung“, die Eckpunkte der Verstetigung vorgestellt und diskutiert.
 
Darüber hinaus werden die Verantwortlichen aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sowie dem Bezirksamt Mitte ihre Standpunkte zum Thema Verstetigung darstellen.
 
Sie sind eingeladen mitzudiskutieren und Fragen zu stellen.
 
Gäste: Herr Spallek/Bezirksstadtrat, Frau Glücklich/SenStadtUm, Frau Linde/BA Mitte, Herr Djakam und Herr Herde/Quartiersrat
 
Moderation: Holger Scheibig
 
Wann und Wo?
6. Mai 2015, 18 bis 20 Uhr,
Ernst-Reuter-Haus, Seminarraum, Triftstraße 67 A, 13353 Berlin


4 Kommentare
  1. @ Mr. X

    QM werden in sozialen Brennpunkten eingesetzt und haben daher auch immer einen gewissen seismographischen Charakter für die Immobilienwirtschaft. Hier kann man noch vergleichsweise günstig Wohnraum und Baufläche erwerben. Nach dem Erwerb soll der Ertrag der Immobilien optimiert werden. Höhere Mieten führen zum Austausch der Wohnbevölkerung. Genau das spielt sich gerade in Berlin ab. Kapitalismus in Reinkultur. Aber offenbar ist das für die Berliner kein Problem, denn sie haben einen Senat gewählt, der genau diesen Prozess unterstützt. Die QM sind nur eine Randerscheinung dieser Entwicklung, nicht die Ursache.

  2. Grandios – ein traditionsreicher, uralter Stadtteil wird ‚erwachsen‘? Wodurch genau durch weit fortgeschrittene Gentrifizierung? Was war zuvor? Völlige lebensunfähigkeit über Dekaden hinweg? Ist das das Urteil über die dort zuvor verwurzelten Anwohner und Strukturen, die nun dank Quartiersmanagement ‚behoben‘ sind?
    Was für ein Weltbild!

  3. Ich hab selbst 3 Jahre für ein QM gearbeitet. Ist doch schön, wenn die Kinder laufen lernen und Vati Staat nicht mehr brauchen. Der Prenzlauer Berg hat’s vorgemacht.

  4. Berlin pubertiert aber noch an so mancher Stelle, pickelgesichtig, schnoddrig, übellaunig. Ein bisschen was davon behalten sich die Kieze trotz Quartiersmanagement hoffentlich bei.

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