Wedding-Jahresrückblick November 2014: Sichere Landung

Alle zwei Tage öffnet sich hier im Weddingweiser ein satirisch-literarisches Monatstürchen in das vergangene Jahr mit der Weddinger Lesebühne Brauseboys. Alle Texte werden nach Erscheinen auf der Seite „Weddingrückblick“ gesammelt.

NOVEMBER 2014 

Sichere Landung (von Frank Sorge)

Nach der spektakulären Landung auf einem Kometen hat die europäische Weltraumbehörde ESA am Donnerstagmorgen wieder Kontakt zum Landegerät „Gitte II“ bekommen. An Bord Ralph Schluppke aus der Turiner Straße, Berlin-Wedding, sowie ein kühlschrankgroßer… Kühlschrank.

“War ick gleich Feuer und Flamme, als mir meen Kundenberater in’ Jobcenter dit Anjebot vorjelegt hat. Ick und’n Kühlschrank, die perfekte Kombi. Isser denn ooch voll?”, hab ick jefragt, “und is‘ ejal welchet? Ooch dit jute?” War allet keen Problem. Wollte aber ooch nich‘ gierig sein, und bei so Premium-Pilsetten für Besser-Erkorene weeßte ja nie, ob de die Plörre uff Dauer verträgst. Habick jesagt: Lad dit Ding mit Reichelt-Pils voll – ihr spart watt und ick muss mir nicht umstellen.

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist am Mittwoch die bemannte Landung auf einem Kometen gelungen. Nach der Fehlfunktion einer Düse gibt es zunächst Probleme, das Landegerät setzt mehrmals auf und hebt wieder ab, bis es glücklicherweise doch auf dem Kometen zu stehen kommt.

Hatte schon leicht eenen sitzen wa, da verwechselste schnell ma Gas und Bremse. Aber ick dachte mir, hier soll dich erstmal eener anhalten, oder? Keene grünen Männchen weit und breit!

In den ersten Stunden nach der Landung hätten bereits wichtige Daten gesammelt werden können. Neben einigen Handyfotos, die Schluppke gleich nach der Ankunft geschossen hätte, sei es etwa gelungen, das Langzeitprojekt „Rotator“ zu starten. Dabei soll Schluppke versuchen, durch Ausharren an bestimmten Orten, dem Kometen eine neue Drehrichtung zu geben.

Eene meener leichtesten Übungen, wa? Irgendwo abhängen, bis et dreht. Ick hab mir ooch den Spaß jemacht, die verschiedenen Ziele – is immer nur Wüste mit Eis und Steine, aber ejal – nach meene alten Kneipen zu benennen. Bin ick also jestern so in meene Phantasie vom Präpel-Eck rüber zum Offside und dann zum Dicken, und denne erstmal wieder schnell raus ausn Jesundbrunnen jeloofen, mitm kurzen Abstecher zur Barrikade. Als ick endlich beim Magendoktor in mein Kometen-Wedding zurück war, hat ick direkt lahme Beene, wa? S-Bahn fährt ja hier nie.

Manche Experten vergleichen das Ereignis mit der Mondlandung 1969. In den Jubel nach der erfolgreichen Landung des Minilabors hat sich auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel eingereiht. „Die Landung ist epochal. Das ist ein großer Tag für die Raumfahrtagentur für Arbeit“, sagte sie.

Ick hab mir da beim Flug so meene Jedanken zu jemacht. Macht ihr dit denn ooch mit andere jetzte, wo et bei mir jeklappt hat? Und zähl ick eigentlich noch zur Statistik? Richtig wat zu tun hab ick ja nich. Und von nem Kumpel soll ick fragen, ob er die Pfandflaschen ham’ kann? Er würde die ooch irgendwie selba abholn.


Vom 11.12. bis 10.1. des neuen Jahres präsentieren die Herren Paul Bokowski, Robert Rescue, Volker Surmann, Frank Sorge und Heiko Werning außerdem an über 20 Terminen ihre traditionelle Jahresbilanz „Auf Nimmerwiedersehen 2014“ im Comedyclub Kookaburra (Schönhauser Allee 184). Schauen Sie auch dort hinein und helfen den Weddinger Vorlesern dabei, den Prenzlauer Berg zu „degentrifizieren“.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: