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Dauerbrenner Verkehr im Wedding

9. Oktober 2014

Am 6. Novem­ber ste­hen wie­der die Wah­len zur Stadt­teil­ver­tre­tung Mül­lerstra­ße an. Der fol­gen­de Bei­trag zeigt anhand eines Bei­spiels, in wel­chem Bereich die bis­he­ri­ge Stadt­teil­ver­tre­tung in der letz­ten Wahl­pe­ri­ode beson­ders aktiv war. 

Lichter der Müllerstraße (Foto: K. Hagendorf)
Lich­ter der Mül­lerstra­ße (Foto: K. Hagendorf)

Beson­ders enga­giert arbei­te­te in der Stadt­teil­ver­tre­tung in den letz­ten Jah­ren die »Arbeits­grup­pe Öffent­li­cher Raum / Ver­kehr«. Das ist jedoch kei­ne Beson­der­heit des Akti­ven Zen­trums Müllerstraße. Auch in den ande­ren Sanie­rungs­ge­bie­ten Ber­lins gibt es zumeist Ver­kehrs-AGs, die über län­ge­re Zeit­räu­me hin­weg kon­ti­nu­ier­lich arbei­ten. Sie alle machen jedoch die Erfah­rung: man braucht bei die­sem The­ma einen lan­gen Atem.

Denn einer­seits ist Ver­kehrs­pla­nung sehr kom­plex. Fuß­gän­ger, Rad­fah­rer, Auto­fah­rer, Öffent­li­cher Nah­ver­kehr, Lie­fer­ver­kehr, Durch­gangs­ver­kehr: alle mög­li­chen Nut­zer­grup­pen stel­len Ansprüche an ein begrenz­tes Stück öffent­li­chen Rau­mes. Schnell bil­den sich Inter­es­sens­grup­pen, die laut­stark ein­sei­ti­ge Per­spek­ti­ven ver­tre­ten („mehr Park­plät­ze!«, »mehr Rad­we­ge!«, »mehr Bürgersteig!«) – und dabei die Belan­ge der ande­ren außer acht las­sen. Bürgerschaftliche Grup­pen, die auf loka­ler Ebe­ne die ver­schie­de­nen Inter­es­sen erst ein­mal gegen­ein­an­der abwä­gen, bevor sie Stel­lung bezie­hen, haben es des­halb schwer, sich Gehör zu ver­schaf­fen. Oft wer­den sie vor­ei­lig in eine Schub­la­de gesteckt – die Ent­schei­dungs­trä­ger haben dar­in not­ge­drun­gen eine gewis­se Übung erlangt. Deren Auf­merk­sam­keit müssen sich die Arbeits­grup­pen des­halb oft erst lang­wie­rig erarbeiten.

Und ande­rer­seits ist Stra­ßen­bau sehr teu­er und braucht schon für die Finan­zie­rung einen lan­gen Vor­lauf. Auch die Pla­nung braucht Zeit – und wird dann zumeist nur in klei­nen Abschnit­ten Stück für Stück umge­setzt. Selbst die bes­ten Kon­zep­te brau­chen oft Jahr­zehn­te, bis ihre posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen rich­tig spürbar werden.

Umbau der Müllerstraße stockt

Das zeigt sich auch in der Müllerstraße. Vor vier Jah­ren fand eine ers­te Pla­nungs­werk­statt zum Umbau der Müllerstraße statt, vor drei Jah­ren wur­de in wei­te­ren Work­shops mit Bürgern das Grund­kon­zept für die Neu­ge­stal­tung der Stra­ße erar­bei­tet. Vor zwei Jah­ren hät­te eigent­lich der ers­te Bau­ab­schnitt südlich des S‑Bahnhofes Wed­ding begin­nen sol­len. Es tat sich aber nichts. Denn zunächst blo­ckier­te die BVG, weil sie noch prüfen muss­te, ob die U‑Bahn-Tun­nel unter der Müllerstraße nicht zuerst saniert wer­den müssten. Der­zeit blockt die »Ver­kehrs­len­kung Ber­lin« (VLB), weil sie den überörtlichen Ver­kehrs­fluss schon zu sehr durch die Bau­ar­bei­ten an der neu­en »Euro­pa­ci­ty« an der Hei­de­stra­ße behin­dert sieht.

Der AG kommt die­se Ver­zö­ge­rung aller­dings gar nicht mal so unrecht. Denn inzwi­schen hat sie sich rich­tig warm­ge­lau­fen und etli­che kon­kre­te Vor­schlä­ge erar­bei­tet, wie die Pla­nun­gen ver­bes­sert wer­den könn­ten, etwa an der Einmündung der Trift­stra­ße in die Müllerstraße. Die Trift­stra­ße war früher eine übergeordnete Ver­kehrs­stra­ße und ist des­halb sehr breit, was zu erhöh­ter Geschwin­dig­keit ver­lei­tet. Im Inter­es­se der Sicher­heit der Schüler der Leo-Lionni-Grund­schu­le for­dert die AG, die Fahr­bahn im Einmündungsbereich wesent­lich deut­li­cher als geplant zu verschmälern.
Zusätz­li­che Ampel über die Müllerstraße?

Karte Rathaus BibliothekEin ande­rer neur­al­gi­scher Punkt ist die Müllerstraße zwi­schen Rat­haus­platz (künftig: Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz) und Leo­pold­platz. Mit der Eröff­nung der neu­en Mit­tel­punkt­bi­blio­thek und des neu­en Job­cen­ters im alten Rat­haus­turm sowie der Ver­bes­se­rung der Wege­be­zie­hun­gen zur Beuth-Hoch­schu­le wird sich der Fuß­gän­ger­ver­kehr auf dem Rat­haus­platz deut­lich erhö­hen. Die Pas­san­ten kön­nen aber die Müllerstraße nur über die Ampel am U‑Bahn-Aus­gang Leo­pold­platz sicher überqueren. Eine zusätz­li­che Ampel­an­la­ge im Bereich des Rat­haus­plat­zes lehnt jedoch die übergeordnete »Ver­kehrs­len­kung Ber­lin« ab, weil sie nach ihrer Ansicht den Abfluss des Abbie­ge­ver­kehrs von der Schul- und Luxem­bur­ger Stra­ße behin­de­re. Die AG hat hier eine ande­re Mei­nung als die Fach­leu­te, ins direk­te Gespräch mit der VLB kommt eine Stadt­teil­ver­tre­tung in Ber­lin jedoch nicht. Eine zusätz­lich Ampel würde jeden­falls dem Grund­kon­zept des Sanie­rungs­ge­bie­tes – die Akzen­tu­ie­rung des Dop­pel­plat­zes aus Leo­pold- und Rat­haus­platz als »Bil­dungs­band« defi­ni­tiv gerecht. Die AG Ver­kehr for­dert außer­dem wei­ter­hin eine Ver­kehrs­be­ru­hi­gung der Naza­reth­kirch­stra­ße um die all­ge­mei­ne Auf­ent­halts­qua­li­tät auf dem Leo­pold­platz zu ver­bes­sern und die Sicher­heit ins­be­son­de­re der vie­len Kin­der dort zu erhöhen.

Müllerstraßenfest und Parkraumbewirtschaftung

Beuth-HochschuleSehr kri­tisch setzt sich die AG und mit ihr die gesam­te Stadt­teil­ver­tre­tung auch mit dem Müllerstraßenfest aus­ein­an­der, das manch­mal mehr­fach im Jahr für kom­plet­te Wochen­en­den die Müllerstraße blo­ckiert und den Ver­kehr in die umlie­gen­den Wohn­stra­ßen ver­drängt. Mit der For­de­rung, sol­che Fes­te nach dem Vor­bild Neu­köllns künftig nicht mehr zu geneh­mi­gen, ist sie aller­dings noch nicht durch­ge­drun­gen, genau­so­we­nig wie mit der, eine Stu­die zur Park­raum­be­wirt­schaf­tung im Brüsseler- und Spren­gel­kiez zu beauf­tra­gen. Die würde die Anwoh­ner gegenüber den Mit­ar­bei­tern, Stu­den­ten und Besu­chern des Virch­ow-Kli­ni­kums und der Beuth-Hoch­schu­le bevor­zu­gen und die Park­si­tua­ti­on im Gebiet deut­lich entspannen.
Das sind nur eini­ge der The­men, mit der sich die Arbeits­grup­pe befasst. Detail­liert sind die Stel­lung­nah­men und Vor­schlä­ge – etwa auch zum Fahr­rad­ver­kehr oder zu ande­ren Fra­gen des öffent­li­chen Raums, etwa für den Erhalt der Gale­rie Wed­ding oder des Atze-Musik­thea­ters – nach­zu­le­sen unter: www.stadtteilvertretung.de

Autor: Chris­tof Schaffelder 

Bei­trag zuerst erschie­nen in der “Ecke Mül­lerstra­ße”, Son­der­aus­ga­be Okto­ber 2014

Wahl der Stadt­teil­ver­tre­tung am 6. Novem­ber, Rat­haus Wed­ding, Rathen­au­saal, 19.00 Uhr 

 

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