Tita Berlin: Die Kiez-Designertaschen

Mal kein Start-up, nein, bei Tita Berlin handelt es sich um die Taschen-Manufaktur von Kerstin Janssen, die sich ihren Erfolg bereits seit 2003 erarbeitet hat. Ein Besuch in ihrem Atelier …

Tita Taschen(C)Tita BerlinZiemlich grau sind die Häuser direkt nördlich des Bahnhofs Gesundbrunnen. Da fällt einem der sogenannte „Gemischtwaren„-Laden mit seinem bunten Schaufenster sofort ins Auge. Inhaberin Kerstin Janssen hat hier ihr Tita Berlin-Atelier. Ihre Taschen verkauft sie in dem angrenzenden Laden zusammen mit ein paar anderen ausgewählten kleinen Labels wie etwa HeimatKinder aus Kreuzberg (z.B. Mitwachshosen für 29 Euro), Naturseifen von einer Seifensiederin aus dem Haus oder Postkarten einer Leipziger Grafikerin. „Das hier war vor fünf Jahren erst nur mein Atelier für meine Taschen,“ erzählt Janssen. „Dass hieraus auch ein Laden wurde, kam daher, dass Menschen aus dem Kiez einfach reinschauten, ja, und eigentlich zu meiner eigenen Bespaßung. Dann habe ich nicht so ein einsames Atelier.“

In der heutigen, doch ziemlich rasanten Berliner Start-up-Landschaft sind kleine Marken, die sich seit über einem Jahrzehnt halten, ja schon fast wieder die Ausnahme. Tita Berlin gibt es seit 2003 – und das Label ist ein ziemliches Zufallsprodukt. „Wir hatten auf der Kollwitzstraße den Laden Kunst & Design damals und der lief so schlecht, dass ich anfing, Sachen selber zu machen“, erinnert sich Janssen lachend. „Und die verkauften sich erstaunlich gut. Ich war selbst total überrascht, wie gut die ersten Taschen weggingen! Dann habe ich angefangen, das Label völlig autodidaktisch aufzubauen.“ Mittlerweile ist sie Voll-Profi auf dem Gebiet.

Von Tita Berlin gibt es dauerhaft rund zehn Modelle im Laden: Kulturtaschen, Lunchbags (für 19 Euro einer der Verkaufsschlager), Kindertaschen, Handtaschen (zwischen 49 und 69 Euro) – alles schön bunte Unikate. Der Klassiker beispielsweise nennt sich „Die Großzügige“, ist aus Kunstleder, schlicht, zeitlos und waschbar bei 30 Grad. „Meine Taschen sind praktisch und robust, mit filigranen Dingen kann ich selbst nicht so viel anfangen“, sagt die Designerin. Viele Modelle sind aus LKW-Planen hergestellt. So kommt es, dass bei Janssen nicht selten eine Lieferung von rund 80 Kilogramm Plane aus einer Fabrik in Brandenburg ankommt.

Umfeld in Gesundbrunnen in rasantem Wandel

Das "Gemischtwaren" in der Eulerstraße
Das „Gemischtwaren“ in der Eulerstraße

Liebevolle Handarbeit und regionale Bezugsquellen zeichnen Tita Berlin aus. „Uns ist es total wichtig, dass wir hier schneidern lassen, dass wir in der Stadt produzieren“, sagt die Geschäftsführerin. „Wir haben auch mal versucht, das auszulagern, aber das hat nicht gut funktioniert. Wir wollen wirklich Qualität, das ist dann auch das Besondere.“ Und das wissen nicht nur Privat-, sondern auch Firmenkunden zu schätzen: Janssen fertigt oft für große Unternehmen wie BMW oder Duravit. „Ich finde es schön, wenn große Firmen auch anfangen, bei den Kleinen lokal produzierte Dinge in Auftrag zu geben und Werbemittel bestellen, die eben nicht chinesische Massenware sind“, sagt die Designerin. Ganz neu arbeitet sie mit den Druckereiwerkstätten mit Sitz in der NachbarschaftsEtage zusammen. Durch die Nähe könne sie Aufträge sogar innerhalb von einer Woche erledigen.

Kerstin Janssen wohnt mittlerweile schon seit zehn Jahren in dem Haus. „Damals hätte man das nie gedacht, dass es sich mal so verändern würde. Es war eine Arbeitergesellschaft und ich fühle mich auch als Arbeiter. Ich mochte es, wie es früher war“, sagt sie. „Ich finde es mittlerweile besorgniserregend, dass sich hier im Kiez alles austauscht.“

Autorin: Tina Gerstung, QIEZ.de

Ein Beitrag unseres Kooperationspartners QIEZ.de

Website von TITA Berlin

Gemischtwaren, Eulerstr. 18, 13357 Berlin

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