Werkstatt Wedding – Hörspaziergang durch den Kiez

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Hörspaziergang: Kopfhörer weisen den Weg durch den Wedding.

Maschinen rattern im Innenhof der Prinzenallee 58, überall im Hof liegen Stoffreste verstreut, oben im 2. Stock öffnet sich ein Fenster und eine Kiste mit schwarzem Stoff fällt auf den Hofboden, die Maschinen rattern weiter. Blickt man nach rechts, liest man im Torbogen, der zum Hof der ehemaligen Hutfabrik führt, „OASE“. Draußen auf der Prinzenallee rauschen entfernt die Autos vorbei. Mit diesem „Klangbild“ beginnt der Hörspaziergang „Werkstatt Wedding“, eine Audiotour, wenn man so möchte, die an der Panke entlang einen genauen Blick auf die Umgebung, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft wirft.

Zehn Künstler kommen zu Wort, zugezogene wie hier aufgewachsene. „Ein halbes Jahr habe ich den Spaziergang zusammengestellt, bin viel gelaufen, habe mit vielen Menschen gesprochen“, sagt Massimo Maio, der im Jahr 2010 für ein Praktikum nach Berlin kam und zufällig im Wedding gelandet ist. „Es ist so ein spannender Ort, es ist viel mehr hier, als die Leute vermuten, eine spannende Mischung, das wollte ich festhalten.“ Und so wurde der Spaziergang, der Teile des Soldiner Kiezes unter die Lupe nimmt, zur akustischen Abschlussarbeit seines Studiums und ist nun einer von fünf Hörspaziergängen, die das Berliner Team „Stadt im Ohr“ für 9 Euro pro Ausleihe anbietet.

Eine gute Stunde lang führt Maio den Zuhörer vom „Kamine und Weine“ in der Prinzenallee 58 zur Osloer Straße, entlang der Panke, vorbei an bemalten Brandschutzwänden und Künstlerwerkstätten, die in ehemaligen Fabrikgebäuden ihren Platz gefunden haben, verweist auf einst leere Ladengeschäfte, die nun Galerien geworden sind. Freie Räume, Freiräume, Oasen – und deren Bedeutung und Nutzung. Dazu viel Gegenwart, eine Einladung zum Mitmachen neben dem Hören, viel Gelegenheit zum Grübeln und gedanklich Ausmalen und Betrachten. „Lass Dir von Deiner Umgebung erzählen, zeichne Dein Stadtbild“ heißt es gleich zu Anfang, wenn der Zuhörer noch an der ersten von insgesamt 14 Stationen steht und schließlich auf die Hörreise geht.
Eine klassische Stadt- oder vielmehr Kiezführung ist der Hörspaziergang nicht, aber eine Einladung zur Beobachtung für Bewohner wie Besucher.

Sehr genaue Angaben sorgen für entspanntes Laufen ohne Ver-laufen, so kann sich der Zuhörer ganz auf den Spaziergang, seine Umgebung konzentrieren. „Was glaubst du, wohin die Leute um Dich herum gehen?“ Ob man die Gegend nun nicht kennt oder gerade wenn, man sie zu kennen glaubt, kann es spannend sein, nicht nur zielstrebig ohne Aufzublicken die Straßen entlangzuhasten, sondern auch festzustellen, dass auf einer Hauswand die abblätternde Farbe wie eine Inselgruppe aussieht, sich täglich tausende aufregende Kurzgeschichten an jeder Ecke abspielen – wenn man nur hinsieht.

Der Text ist im Juni im „Soldiner – Das Magazin vom Kiez an der Panke“ erschienen. Der Soldiner hat uns den Beitrag im Rahmen eine Medienpartnerschaft zur Verfügung gestellt.

Text und Foto: Simone Lindow

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