Welcome and Goodbye: Wenn sich Berliner und Touristen eine Stadt teilen

Die Touristen lieben Berlin, und Berlin liebt die Touristen. Eigentlich. Doch wenn immer mehr Rollkoffer den Bürgersteig entlangklackern, plötzlich orientierungslose Nutzer von Ferienwohnungen nachts vor der Haustür stehen und mancher Berliner sich wie ein Zootier beobachtet und fotografiert fühlt, wird die Offenheit der Bewohner dieser Stadt auf eine harte Probe gestellt. Ein sehenswerter Film beleuchtet die vielen Seiten des Konflikts.

25 Millionen Übernachtungen zählten Berlins Hotels, Hostels und Pensionen im Jahr 2013. Die Flut an Gästen aus aller Herren Länder löst bei Tourismusmanagern Freude aus. Besucher, die den Reiz der im Krieg zerstörten, geteilten und wiedervereinigten Stadt schätzen, hat es natürlich immer gegeben. Mancher Tourist ist einfach geblieben und selbst Berliner geworden. Doch seit ein paar Jahren werden auch Stadtteile Berlins wie Kreuzberg oder Neukölln von Touristen dominiert, auf die diese früher allenfalls aus dem Busfenster geschaut hätten. Im Wedding ist dieses Phänomen im Moment noch vergleichsweise schwach ausgeprägt.

Zimmer im Jugendgästehaus am Nordufer Berlin Wedding
Im Jugendgästehaus Nordufer

Schon der Titel des Dokumentarfilms „Welcome and Good bye“ bringt zum Ausdruck, wie viel Widersprüchliches bei diesem Thema unter einen Hut gebracht wird. Der über Crowdfunding finanzierte Film von Nana A.T. Rebhan versucht Berlinerinnen und Berliner zu Wort kommen zu lassen, die auf unterschiedliche Weise vom Touristenboom betroffen sind. Auch unternimmt er den Versuch, die Anziehungskraft der Stadt in Worte zu fassen. Wie ein roter Faden zieht sich eine fiktive Geschichte eines Berliners durch den Film, der unterschiedliche Arten von Touristen kennenlernt und durch die Stadt begleitet – auch in den Club Brunnen 70 im Wedding.

Doch der Konflikt ist nicht lösbar. Jeder ist woanders selbst ungewollt oder bewusst Tourist. Jeder Fremde verändert den Ort, den er besucht, und jeder Ort wird durch die Anwesenheit von Fremden bereichert. Die Fragen, die der Film aufwirft, kennen andere Weltstädte natürlich auch. Eine kluge Politik nimmt aber die Probleme ernst und versucht, die Folgen des rasanten Tourismusbooms so erträglich wie möglich zu halten. Wenn sich Berliner und Touristen eine Stadt teilen, muss eine friedliche Koexistenz möglich sein. Übrigens können sich auch ausländische Touristen, die sich für die Bewohner Berlins interessieren, den Film anschauen – er ist mit englischen Untertitel versehen.

Der Film läuft im Kino Central und im Moviemento.

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2 comments

  1. Moritz

    Was machen eigentlich die Berliner wenn sie in Afrika, Asien oder Südamerika sind??? Werden da die Bewohner nicht auch wie Zootiere angestarrt?

    Und was sollen wohl die Pariser sagen, mit gerade 2,2 Mill. Einwohner:

    http://www.welt.de/reise/staedtereisen/article108772794/Paris-ist-weltweit-das-Touristenziel-Nummer-eins.html

    Und was sagen die Berliner wenn die Chinesen nach Berlin kommen:

    Daher:

    Jeder ist mal irgendwann irgendwo Tourist. Und: Die Stadt gehört allen!

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: