Nächste Ausfahrt… Wahrer Wedding!

Wer den realen Wedding kennenlernen möchte, kommt an diesem Duo nicht vorbei…

L. Gröschel und T. Kapp
L. Gröschel und T. Kapp

Schon mal Gott im Wedding besucht? Junges Kiezgemüse in einer interkulturellen Gartenoase geerntet? Oder sich ein kühles Blondes der alten Berliner Braukunst zapfen lassen? Wenn nicht, einfach die „Nächste Ausfahrt Wedding“ nehmen und faszinierende Kiez-Geschichten erleben. Seit acht Jahren bieten Tanja Kapp und Lothar Gröschel Erlebnistouren quer durch den Berliner Ortsteil im Bezirk Mitte an. In diesem Jahr schwingen sich die Freunde des Wedding von Mai bis Oktober auf ihre Drahtesel, treten kräftig in die Pedalen und erkunden bewusst Ecken der Hauptstadt, die nicht zu den touristischen Hotspots gehören.

Im Wedding auf Touren kommen

Das Projekt „Nächste Ausfahrt Wedding“ verspricht Kiezleben hautnah. Hinter jeder Straßenecke verbirgt sich eine spannende Geschichte, gespickt mit kleinen Anekdoten aus dem Leben der Anwohner. Und Tanja Kapp gräbt sie aus – wie ein Maulwurf, der im Untergrund arbeitet. „Das ist es, was die Wedding-Touren ausmachen. Es ist nicht nur die bloße Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Es geht vielmehr um den geistigen Austausch mit den Menschen, die dort leben“, sagt die 44-Jährige. Der Wedding ist reich an Kulturen und Religionen, dachte sie sich, und begab sich auf die Suche nach Gott in den verschiedensten Formen. Sie traf Gläubige in religiöse Zentren und entdeckte interessante Sichtweisen. Schnell wurde daraus ein Ausflug, der hinter die Kulissen des buddhistischen Tempels Fo-Guang-Shan und der Beyazid Camii-Moschee schaut. Ein Miteinander der floralen Art können indes Gartenfreunde auf der Tour „Das Phänomen Kleingartenkolonie“ im interkulturellen Mauergarten im Mauerpark erleben. Und wer dem frischen Bier nicht abgeneigt ist, der sollte sich den 12. Juli und den 20. September vormerken. Die Tour verspricht abseits bekannter Berliner Biere exzellente Gaumenfreuden in der hauseigenen Brauerei von Martin Eschenbrenner. Insgesamt können Freunde des Wedding und die, die es werden wollen, an zehn verschiedenen Touren teilnehmen.

Gegen den Tunnelblick

Plakat gegen Gentrifizierung an der Gleimstraße in Gesundbrunnen (C) D. Hensel
Plakat gegen Gentrifizierung an der Gleimstraße in Gesundbrunnen (C) D. Hensel

Geboren wurde die „Nächste Ausfahrt Wedding“ aus der Idee eines kleinen Straßenfestes für die Anwohner der Gleimstraße. Ein idealer Ort war auch schon gefunden – der Gleimtunnel. Die Unterführung war 28 Jahre lang ein Symbol der Trennung zwischen Ost- und Westberlin. Nun sollte sie ein Ort der Begegnung werden, an dem sich Ost und West trifft, gemeinsam feiert und Erinnerungen austauscht. Beim Quartiersmanagement erhielten Tanja und Lothar den Zuschlag. „Doch wir konnten die Idee nicht verwirklichen, weil wir als Privatpersonen keine Sperrung des Tunnels genehmigt bekamen“, so Tanja Kapp. Kurzerhand organisierten sie einen Aktionstag, um ihren Nachbarkiez – das Brunnenviertel – mit dem Fahrrad zu erkunden. Sie stöberten in Archiven und Bibliotheken, besuchten Museen und entwarfen akribisch ihre erste Tour: „Das Ganze war eigentlich nur als einmalige Aktion geplant.“ Mittlerweile ist es zu einem Großprojekt herangewachsen. Während dieser acht Jahre lernten sie auf den Touren immer wieder Leute kennen, die heute im Rahmen des Projektes eigene Führungen rund um ihren Kiez veranstalten. So war es auch mit Jürgen Breiter. Er gibt unter dem Titel „Der Wedding für Fortgeschrittene 2 – Kennen Sie Gentrifizierung?“ am 3. Mai den Auftakt der Saison und spürt Orte im Wedding auf, an denen die Sanierung und der Umbau des Viertels sichtbar werden.

Autor/Foto: Josephine Klinger (Copyright: Josephine Klingner/Berliner Abendblatt)

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Berliner Abendblatt.

Termine für die Touren auf der Website von Nächste Ausfahrt Wedding

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