„Soldiner“: Selbstbewusst wie der Kiez

In den anderthalb Jahrzehnten, in denen es im Gebiet zwischen der Osloer Straße und der Nordbahn ein Quartiersmanagement (QM) gibt, hat sich im zuvor nur als „Problemzone“ bekannten Kiez so etwas wie eine eigene Identität herausgebildet. Das QM hat sich um die Jahrtausendwende nach der beide Pankeufer verbindenden Soldiner Straße benannt, und inzwischen ist das überschaubare Gebiet am Nordrand von Berlin-Gesundbrunnen als „Soldiner Kiez“ bekannt.

Um den Bewohnerinnen und Bewohnern einen Überblick über die Maßnahmen der öffentlichen Förderung zu geben, wurde von Anfang an auf ein Print-Medium Wert gelegt, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Allerdings wurde die Publikation immer nur in deutscher Sprache herausgegeben – gerade in dieser Gegend mit einem hohen Migrantenanteil muss das erwähnt werden. Im Soldiner Kiez hieß diese Zeitung bis vor kurzem „Schritt für Schritt“ und kam vergleichsweise nüchtern auf Recyclingpapier daher. Wie der Titel wohl andeuten sollte, ging es darum, den Soldiner Kiez sozusagen wie ein kleines Kind an die Hand zu nehmen und ihm das Laufen lernen beizubringen. Seit 2014 ist Dominique Hensel für das Blatt verantwortlich. Dabei setzt die Journalistin (wie schon zuvor im Brunnenviertel) auf ein farbiges Magazin im DIN A4-Hochformat, das nicht mehr wie eine Zeitung daherkommt.

Und

D. Hensel (Quelle: privat)
D. Hensel (Quelle: privat)

noch etwas hat sich geändert: die Zeitschrift nennt sich selbstbewusst „Soldiner“ und stellt gleich klar, dass sie ihre Herkunft nicht mehr nur noch verschämt erwähnen will. Statt einer Mischung aus Nachrichten und Berichten aus den unterschiedlichsten Rubriken widmet sich jeder „Soldiner“ nur noch einem Thema – bei der Erstausgabe geht es beispielsweise um das weite Feld „Kindheit“. Was bedeutete es, beispielsweise gleich nach dem Zweiten Weltkrieg im Wedding aufzuwachsen – und welche Angebote gibt es für die kleinen Kiezbewohner heute? Aufschlussreich ist auch die Seite mit dem Soldiner Kiez in Zahlen – natürlich ebenfalls auf die Kinder bezogen.

Dominique Hensel hat sich dem für sie neuen Kiez angenähert und allen möglichen Aspekten dieses quirligen, multikulturellen, vielsprachigen Dorfes mitten in der Stadt geöffnet. Wenn sich ein Magazin „Soldiner“ nennt, kommt es aber auf das Wissen an, das nur die Einwohner des Viertels haben können. Für die Erstellung des Magazins hat Dominique Hensel auch die Ortskenntnis der Kiezansässigen angezapft. Ein Großteil der Beiträge ist nämlich von einer Redaktion aus Kiezkennern erstellt worden, und auch für die nächsten Hefte ist die Beteiligung der Leserinnen und Leser ausdrücklich erwünscht.

Website des Quartiersmanagements Soldiner Straße

 

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