Spielend das Brunnenviertel entdecken

kiezspiel quartett fe14 w Quartiertmanagement

„Größe 376 m²“, „Größe 3.500 m² – gewonnen!“, „1000 Besucher“, „300 Besucher – Mist!“, so oder so ähnlich könnte es bei einem Spieleabend im Brunnenviertel in nächster Zeit zugehen. Mit dem von elf fleißigen und motivierten Studenten entwickelten Brunnenviertel-Quartett kann man „spielend das Brunnenviertel entdecken“, so wie sich auch das Projekt des Fachbereichs Grafikdesign und Visuelle Kommunikation für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW, ebenfalls im Brunnenviertel gelegen) nannte.

Ein ganzer Kiez lässt sich in die Karten schauen

Und in der Tat kommen bei dem Spiel Freude und einige „Aha-Erlebnisse“ auf. Klar, man kann das Quartett als Quartett spielen und die a- ,b-,c-,ds der neun Kategorien von den Mitspielern zusammensuchen. Aber viel mehr Spaß macht natürlich der „Supertrumpf“. Hier werden, wie es seit Jahrzehnten auf den Pausenhöfen der Schulen gespielt wird, fünf Kategorien verglichen und der Spieler mit dem höheren Wert auf seiner Karte darf die Karten seiner Mitspieler behalten. Wer am Ende die meisten oder gar alle Karten hat, ist der Gewinner.

Der Spieler, der die Karte „Park am Nordbahnhof“ zugemischt bekommen hat, kann sich glücklich schätzen, ist sie in der Kategorie Größe mit 55.000 m² unschlagbar. Ärgerlich kann es mit der „Ernst-Reuter-Oberschule“ werden, die auf stolze 28.200 m² kommt, aber trotzdem von der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ um läppische 500 m² geschlagen werden kann. Keine Chance hat hier die Lernwerkstatt „Zauberhafte Physik“ mit ihren 22 m².

Präsentation im Februar (C) Andrei Schnell
Präsentation des Kiezquartetts im Februar (C) Andrei Schnell

Natürlich kann man nach dem Motto, je kleiner, je interessanter, das ganze auch umdrehen und den kleinsten Wert gewinnen lassen. Hier hätte der Spieler mit der Lernwerkstatt dann nicht nur bei der „Größe“ die beste Karte, sondern auch in der Kategorie Besucher, in der nur die „Bastelgruppe“ in der Wattstraße (8 Besucher) und das „Achiever Nachhilfe-Institut Pfender“ mit einem Besucher, weniger haben. Die meisten Besucher werden dem „Sommerbad“ im Humboldthain mit 4.500 Besucher zugeschrieben, wobei hier kritisch zu bemerken ist, dass die Bezugsgröße zu der Kategorie Besucher fehlt. Wann kommen beispielsweise die 2.318 Besucher in die Gedenkstätte Berliner Mauer oder nutzen die 4.000 Besucher den Nordbahnhof? Am Tag? Durchschnittlich? Oder ist das gar der Rekordbesuch? Aber egal, vergleichbar sind die Werte sicherlich und es macht dem Spaß am Spielen und Lernen keinen Abbruch. Eindeutig definiert ist die Kategorie Entstehungsjahr, in der der Gartenplatz (1875) der älteste und der Lokspielplatz (2014) der jüngste Ort ist.

In den Kategorien Bekanntheit und Spaßfaktor werden die Orte mit bis zu fünf Sternen bewertet. Hier ist der Supertrumpf der „Gartenplatz“, der in beiden Kategorien die maximale Sternenzahl erhalten hat. Gute Trümpfe, weil sehr bekannt sind auch der „Nordbahnhof“ und die „Gedenkstätte Berliner Mauer“. Weshalb der Kaisers ebenso mit dem maximalen Bekanntheitsgrad bewertet wurde und beispielsweise der Aldi „nur“ mit drei Sternen ist nicht nachvollziehbar, hat aber sicherlich gute Gründe. Am unbekanntesten sind das „Achiever Nachhilfe-Institut Pfender“, der „Fo-Guang-Shan-Tempel“ und die „Bastelgruppe“, wobei sich beide letzteren zumindest einen hohen Spaßfaktor (4 Sterne und 5 Sterne) zuschreiben können.

Mit dem höchsten Spaßfaktor kann sich, neben den „Gartenplatz“, das „Sommerbad“, das „Sommerfest“, das „Kiezfest“, der „Abenteuerspielplatz Humboldthain“ und besagte „Bastelgruppe“ rühmen. Am wenigsten Spaß hat man an drei der vier Orte der Kategorie Verkehr („Haltestelle Usedomerstr./Feldstr.“, „U Voltastraße“ und „U Bernauer Straße“ – am „Nordbahnhof“ ist der Spaßfaktor immerhin um das dreifache höher-), am „Achiever Nachhilfe-Institut Pfender“ und – aus studentischer Sicht nachvollziehbar- an der „Ernst-Reuter-Oberschule“.

Auf den Karten gibt es auch noch Infos

Garniert sind die Karten mit kleinen Zusatzinfos zu den Orten. So erfahren die Spieler quasi nebenbei, dass das „Familienzentrum Wattstraße“ neben Yoga- und Kochkursen auch Picknicks im Park anbietet, in der „Vineta-Grundschule“ Eltern Deutschkurse besuchen, der „Spätkauf Internetcafé“ von 8 bis 24 Uhr geöffnet ist und das „Eiscafé Eisberg“ 20 verschiedene Sorten im Angebot hat. Wem das einfache Vergleichen zu langweilig ist, kann sich ja noch in Mathematik schulen und die Besucher / m² berechnen. Hier liegen die Supermärkte „Norma“ und „Kaiser’s“ und die Bahnhöfe „U Bernauer Str.“ und „Nordbahnhof“ knapp beieinander (ca. 1,1 Besucher / m²). Mit großem Abstand den meisten Platz haben die 300 Besucher des „Nordparks“, die sich auf 55.000 m² verteilen und somit jeder Besucher 183,3 m² theoretisch für sich hat.

(C) Andrei Schnell
HMKW-Standort (C) Andrei Schnell

Einen hohen Lernfaktor / Spaßeinheit bietet das Spiel auf jeden Fall. Das vom Quartiersmanagement Brunnenviertel mit 800 Euro finanziert Projekt, ist eine tolle Werbung für den Kiez im Gesundbrunnen. Als besonderen Service haben die Studenten noch die Orte auf Karten eingezeichnet und auf die Rückseiten von vier Spielkarten verteilt und vier weitere Blanko-Karten hinzugefügt, auf die jeder seinen Lieblingsort mit den entsprechenden Werten eintragen kann. Das Spiel kann kostenfrei im Quartiersmanagement-Laden des Brunnenviertels in der Jasmunder Straße 16, Tel. 40 00 73 22 abgeholt werden. Viel Spaß beim spielerischen Erkunden Deines Heimatkiezes!

Autor: Jens Schnauber

Website QM Brunnenstraße/Ackerstraße

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