„aroshi“: Wedding hautnah

Anke Rommel
Anke Rommel vor dem „Salon Orchidee“

„Leo“, „Mensa“, „Luftschloss“ sind drei von zehn Motivnamen des Modelabels „aroshi“. Die Skizzen zeigen mit wenigen Strichen das Besondere eines Ortes.

Sie werden auf ökofaire T-Shirts, Tops und Hoodies gedruckt, überwiegend im Online-Shop aroshi.de und in mehreren Läden, auch außerhalb von Berlin, verkauft. Diese speziellen Blicke auf Wedding oder Berlin-Mitte sind das Besondere des Labels. Mit der sicheren Hand einer Architektin und Innenarchitektin zeichnet Anke Rommel, die Inhaberin von aroshi, eine persönliche Momentaufnahme des jeweiligen Ortes. „Manchmal raten die Leute vor den Shirts rum: Kennste das? Kommt mir bekannt vor, aber wo is’n das?“, lacht die Designerin. Das Erkennen der urbanen Skizzen ist gar nicht nötig. Die Motive und Farbkombinationen sollen einfach gefallen. Wenn allerdings jemand tiefer in die Herkunft eines der zehn Motivs einsteigen will, kann er sich zur Not auf der Website über die realen Orte der Motive informieren. Die Fotos und Texte bieten auch Anreize, sich im Wedding oder in Mitte mal genauer umzusehen.

Der „einprägsame Ort“

Anke Rommel, die selbst im Wedding wohnt und arbeitet, hat bei ihrer Arbeit als Planerin mit dieser Art von Zeichnungen ein Projekt angefangen. Jetzt sind sie das Resultat von Ortsbegehungen, von erkannten Strukturen, vom Gefühl für Raum, vielen Fotos, Handskizzen und Computerzeichnungen. „Das weniger Schöne eines Ortes blende ich aus, reduziere die städtische Atmosphären auf markante Linien und wähle zwei oder drei Farben zur Betonung oder um Gegensätze zu markieren“, erläutert sie.

Ihr kommt es auf die Perspektive an. Das Motiv „Leo“ aus der Serie „Der Wedding zieht an!“ zeigt die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz, umrahmt von grünen Wellen und hellgrauen Linien, die Baumkronen und Wegführungen symbolisieren. Ein kleines, feines Detail ist der angedeutete Adorant, eine Bronzeskulptur, die in der realen Welt kaum beachtet wird. Die Perspektive des „Luftschlosses“ aus der Serie „Ab durch Mitte!“ wird es so wie im aroshi-Motiv nicht mehr lange geben. Es zeigt den enormen Freiraum, der nach dem Abriss des Palasts der Republik entstanden ist und durch den Aufbau des Humboldt-Forums langsam verschwinden wird. Auch das Vergängliche gehört dazu: „In Berlin ist immer noch viel im Umbruch. Das freie Panorama vom Dom über den Fernsehturm bis zum Marstall ist irgendwann Geschichte. Genau wie der runde Brunnen auf dem Leo, der ja bald durch eine bodengleiche Wasserfläche ersetzt wird. Die Motiv-Shirts haben also auch einen dokumentarischen Aspekt“, stellt Anke Rommel fest.

„Öko“ ist Bedingung

aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im WeddingDie ökologische Ausrichtung ist eine wichtige Grundlage bei der Auswahl von Shirttypen. Mindestanforderung des Labels aroshi sind Öko-Tex und Fair Wear-Zertifizierungen der Hersteller. Baumwolle, BioBaumwolle, Bambus- und Eukalyptusfaser sind die Materialien, aus denen die aktuellen Shirts gefertigt wurden. Die Preisunterschiede zu nicht zertifizierten Shirts mit der gleichen Verarbeitungsqualität fallen kaum ins Gewicht. Unterschieden wird nicht in Damen und Herren, wie die Hersteller es vorgeben, sondern in tailliert und gerade geschnitten. „Weil wir auf Märkten die Erfahrung gemacht haben, dass ältere Frauen schon mal fragend Ihre Begleitung angucken, ob denn das sogenannte Herren-Shirt, welches ausgezeichnet saß, auch was für sie sei“,“ erzählt die Labelinhaberin. „Auch schlanke, nicht so große Herren, denen das das Herren-Shirt in S nicht passte, dafür das Damen-Shirt in Größe L, guckten schon mal leicht verlegen umher. Also keine Diskriminierung per Wortwahl!“ Auf der Website stehen alle Informationen über die Shirt-Qualitäten auf Deutsch und Englisch. Die Hangtags, die kleine Infoschilder an den Shirts, beschreiben kurz das Motiv auf Englisch, Deutsch und Türkisch.

Aktiv vor Ort

In der neuen StandortGemeinschaft e.V. ist die Weddingerin als Gründungsmitglied tätig und für die Arbeitsgruppe Gewerberaumentwicklung zuständig. Außerdem stellte sie 2012 a-dding die Plattform zur Zwischennutzung leerstehender Läden online und arbeitet dafür ohne Honorar. Die Teilnahme an verschiedenen Berliner Märkten hatten ihr zwar Spaß gemacht, der Zeit-Nutzen-Effekt schien jedoch verbesserungsbedürftig. „Leere Läden gehen mir als Architektin und Anwohnerin schlicht auf den Keks, das ist verschenktes Potential für die Besitzer und für mögliche Zwischennutzer. Für die Anwohner ist das sowieso unattraktiv“, bemängelt Anke Rommel. In der Transvaalstraße 13 ist sie, zusammen mit drei Kolleginnen, zum zweiten Mal selber Nutzerin und zwar in einem ehemaligen Frisörsalon. Im „Salon Orchidee“ gibt es genug Platz um die ca. 80 Shirt-Motiv-Kombinationen von aroshi und die Modeunikate von °zeuiks und strickdesign maria stieger auszustellen. Die Öffnungszeiten werden untereinander aufgeteilt, genau wie die Organisation von Lesungen, Vernissagen und anderen Aktionen. Produkte von Berliner Künstlern, Weddinger Autoren und eine kleine Auswahl an Fair Trade Produkte wie Kaffee, Tee, Zucker sind im ebenfalls Angebot. „Es ist ein kleines Kaufhaus des Weddings geworden!“ freut sich die Architektin „Und natürlich eine gute Gelegenheit, um die aroshi-Shirts mal anzufassen. Die Texte auf der Website beschreiben zwar alles ausführlich, aber ich erlebe immer wieder gerne den Boah-Effekt, wenn jemand die Bambus- oder Eukalyptus-Shirts anfasst und feststellt: Boah, sind die weich!“

Die Öffnungszeiten des Ladens in der Transvaalstraße 13:

Mo – Fr von 16:30 bis 19:00 Uhr.

Update: Der Online-Verkauf auf aroshi.de wurde eingestellt und ist nun auf spreadshirt zu finden.

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