Willkommen Schwabe

Schwaben verpisst euch
Ein Bauwagen im Wedding, der zuvor bestimmt im Prenzlauer Berg geparkt war

Ups, ist das tatsächlich der Titel der Kolumne? Ich bin nämlich gar kein Schwabe, sondern Badener. Der Unterschied zwischen Badenern und Schwaben wird in Berlin meist ignoriert, denn immerhin teilen sie sich ein Bundesländle, und wenn sie den Mund aufmachen, sind sie für ungeschulte Ohren kaum zu unterscheiden. Hier gelte ich also als Schwabe und damit als Mitglied der Bevölkerungsgruppe, die im dringenden Verdacht steht, den Prenzlauer Berg im Milchkaffee ertränkt zu haben. Weil man im Wedding inzwischen alarmiert ist, höre ich hier immer öfter Sätze wie „zum Glück sind die Schwaben noch nicht hier“. Mir ist natürlich klar, dass „der Schwabe“ in solchen Äußerungen nur eine Variable für Zugezogene ist, die den Wohnraum verteuern und Berlin am liebsten zu der Provinz machen möchten, der sie selbst entflohen sind. Oder sind doch die Schwaben damit gemeint? Immerhin ist der Schwabe als Fremder im Kiez gut erkennbar (Dialekt, Milchkaffee) und ähnlich wie der Hipster (Jutebeutel, hippe Klamotten) bestens geeignet, um die Sorge um bezahlbaren Wohnraum auf ihn zu projizieren. Ob es letzteren auch künftig im Wedding geben wird, bestimmen weniger die Schwaben und Hipster, sondern vor allem die Miet- und Wohnungspolitik, die viel zu lange stiefmütterlich behandelt wurde. Und ob der Wedding seinen offenen, toleranten Charakter behalten wird, bestimmen am Ende wir Weddinger. Spätestens wenn hier tatsächlich die ersten „Schwaben raus“-Graffiti auftauchen, läuft irgendetwas schief. So wie drüben im Prenzelberg, gell Wedding?

5 comments

  1. ian

    Man will es sich ja nicht zu leicht machen!
    Und bevor hier die ersten Kinderwagen brennen,
    sollte man vielleicht hinter dem Bild des oberflächlichen Vandalismus
    zur eigentlichen Thematik kommen, den Wohnungsmarkt stabilisieren und Mieterhöhungen rechtlich einschränken.
    Verdrängung macht betroffen, und so.
    Irgendwelche Ideen dazu?

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: