Weddingwoche #8: Gentrifizierung – geht’s jetzt los?

Ein Gespenst geht um im Wedding – das Gespenst der Gentrifizierung. Und wie das mit den Geistern so ist: Sie verhüllen sich, sind schwer greifbar, viele fürchten sich davor und längst nicht jeder glaubt daran. Was hat es nun auf sich, mit dem befürchteten Ansturm der zahlungskräftigen Meute junger Kreativer, die um jeden Preis den alteingessenen Weddingern die liebgewonnene Wohnung wegmieten will? Ist ein Latte Macchiato auf der Speisekarte schon Anzeichen für den schleichenden Wandel? Muss man sich fürchten vor den Galeristen, die nun lange leerstehende Ladenlokale mit Kunstwerken vollhängen?

Spötter behaupten ja, mit der Gentrifizierung sei es im Wedding so wie mit dem Vorspiel im Groschenroman: Das zieht sich auch ewig hin und am Schluss passiert dann doch nichts Spannendes.

Ich persönlich sehe die Sache ganz pragmatisch: Frischer Wind ist immer gut, solange er nicht alle fest oder auch frisch verwurzelten Bäume und Büsche wegweht und das Klima nicht ganz so rau und kalt wird.

Vielleicht bringt ja der Stadtsoziologe Dr. Andrej Holm ein wenig Ordnung in den scheinbar unklaren Stand der Dinge. Der Stadtsoziologe gastiert am Samstag, 23. Februar 2013 von 15 bis17 Uhr mit seinem Vortrag „Crashkurs: Gentrifizierung – nächster Halt Wedding?“ im August Bebel Institut in der Müllerstraße 163. Weitere Informationen zur Veranstaltung unter http://bit.ly/mueller-163

Autor: Marcus Bauer

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne über aktuelle Ereignisse in unserem Stadtteil. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

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3 comments

  1. proxbgsm

    @Neuweddinger Die Verdrängung und den gesamten Umwandlungs Prozess, den kann man nicht direkt auf einzelne Personen beschränken. Die Berlinermentalität ist jedoch so datt wir sagen watt wa denken und ditt och nicht immer in den schönsten Tonlagen. [Du bist doch gar nicht gemeint]

    Das schizophrene an der ganzen Sache ist, das offt genau die Sachen die man macht um sich selber zu verwirklichen, oder um das soziale Umfeld und/oder/auch das grundsätzliche Miteinander zu verbessern, im nachhinein zum Anziehungspunkt für eine später stark klischeisierte Gruppe völlig unverstandener individueller Persönlichkeiten wird.
    Auf einer Neuköllner Bühne wettert der Moderator über Gentrifizierung, läd jedoch im selben Athemzug, aber im nächsten Satz, zu einer Hip-star-In- Veranstalltung 48 Stunden Neuköllen ein.

    Ich selber bedine mich dieser dummen Begrifflichkeiten und Metaphern, welche einen vielleicht als Neuberliner, jedoch auch da kannste dir sicher sein, als Altberliner um die Ohren gehauen bekommt. Wie stark man darauf eingeht und ob man sich davon zur Zielscheibe machen lässt ist eine Sache. eine viel wichtigere Sache ist das wir anfangen uns zu organisieren. Das soll bedeuten:

    1. Holt euch Anteile bei Wohnungsbau Genossenschaften
    2. Gründet selber welche Bsp.: http://www.syndikat.org/
    3. Fickt euch nicht nur Gegenseitig an, sondern sucht die Gemeinschaft. Der Neid auf jemanden der sich etwas leistet wat du nicht hast ändert doch nichts daran, dass du das nicht hast, also was soll der hass. Politiker reagieren nicht auf pöbellei. [Anmerkung: Pöbeln gehört aber zu unserer Kultur, ergo: Zusammen pöbeln.]

    Ein Beispiel für Verdrängung in Wedding (als auch ungerechten Berlinerstolz) könnt ihr auch auf meinen Bewegungsmelder lesen.
    http://proxbgsm.wordpress.com/2013/03/03/13-02-2013/

    Gute Nacht …
    …und viel Glück!

  2. Weddingweiser

    Wir sehen das genauso. Und der Text sagt doch auch nichts anderes – frisches Blut ist auch für den Wedding gut, solange keine Verdrängung einsetzt. Da stoßen wir doch in dasselbe Horn, oder?

  3. Neuweddinger

    Ich fühle mich bei diesen Kommentaren massiv angegriffen. Ist es verboten, jungen Akademikern, die Lust auf eine große, tolerante, heterogene Stadt haben nach Berlin zu kommen? Gehört Berlin nur Menschen die hier geboren sind? Schaetzen diese Menschen Berlin als Metropol oder scheißen sie drauf?
    Ich wohne seit Januar in Berlin und im Wedding, ich waere gerne nach Kreuzberg 36 gezogen, es gibt aber nix oder es ist ein überteuertes, dunkles Drecksloch. Ich arbeite teilzeit im sozialen Bereich und zahle 45% meines Einkommens als Miete, wir können uns unsere Wohnung als Paar gerade so leisten, die bei der Neuvermietung 40% teurer wurde. Wir haben sie genommen, wir hatten keine Wahl! Unsere Vormieter waren Brandenburger, die von den „Türken“ weg wollten, nach Reinickendorf in ein Reihenhaus. Ich soll schuldsein an der Gentrifizierung. Nein. Die Politik ist schuld. Und die Latte Macchiato Witze kotzen mich an. Ich bin ein Akademiker, der sich keine Kaffemaschine leisten kann und keine Monatskarte. Ich habe alte Fenster und Angst vor Mieterhöhung, wie alle im Wedding. GIVE ME A BREAK!

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: