„Wer Provokation sät, darf nicht das ernten, was er sich davon erhofft“

Die alte Dame ist zwar nicht mehr sehr mobil. Dass sie als politisch aktive und im Kiez engagierte Seniorin auf der Straße ist, wenn die rechtspopulistische Partei „Pro Deutschland“ gewalttätige Auseinandersetzungen im Wedding provozieren möchte, ist für sie selbstverständlich. Auch gegen die Schließung der Seniorenfreizeitstätte Schulstraße will sie sich wehren. Schließlich sei sie seit fast 25 Jahren auch SPD-Mitglied, sagt sie. Ihre Partei, aber auch Die Linke, zeigten am Samstag, den 18. August vor der As-Sahaba-Moschee in der Torfstraße fahnenschwenkend Präsenz.

Die As-Sahaba-Moschee ist laut Verfassungsschutz Treffpunkt von Salafisten, einer besonders radikalen Strömung des Islamismus. Das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten in einem bunten Stadtteil wie Wedding könnte sich hier besonders leicht stören lassen – so das Kalkül der Rechtspopulisten. Die Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard vor der Moschee zu zeigen, könnte zu Ausschreitungen führen, wie bereits im Mai in Bonn geschehen. Doch in den Freitagsgebeten wurden die Gläubigen aufgefordert, erst gar nicht an den Gegendemonstrationen teilzunehmen. Kurz zuvor war der Versuch gescheitert, das Zeigen der Karikaturen gerichtlich verbieten zu lassen.

Rund hundert Menschen demonstrieren nach Aufrufen von antirassistischen Bündnissen gegen die gezielte Provokation, mit der offener Rassismus unter dem Deckmantel der Religionskritik geäußert werde. Ihnen gegenüber standen nur etwa 60 Pro Deutschland-Anhänger, unter denen sich auch der NPD-Landesvorsitzende tummelte. Massive Polizeipräsenz verhinderte schließlich, dass die beiden Lager aufeinandertreffen konnten.

Gegen 14.00 Uhr endet die Demo friedlich und „Pro Deutschland“ zog weiter zur nächsten Moschee, nach Neukölln. Die Weddinger haben besonnen reagiert. Die Besucher der Al-Sahaba-Moschee haben sich nicht provozieren lassen. Die Saat ist nicht aufgegangen.


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